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Jüterbog So reagiert Altes Lager auf die erste Folge von „Hartz und herzlich“
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog So reagiert Altes Lager auf die erste Folge von „Hartz und herzlich“
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11:42 31.10.2019
Vor gut einem Jahr wurde im Niedergörsdorfer Ortsteil Altes Lager für die RTL-2-Sendung „Hartz und herzlich“ gedreht. Quelle: Isabelle Richter
Altes Lager

Am Dienstagabend wurde die erste Folge der Sozialreportage „Hartz und herzlich“ vom Privatsender RTL 2 ausgestrahlt. Schon kurz nach Beginn der Sendung, die sich in insgesamt drei Folgen dem Niedergörsdorfer Ortsteil Altes Lager widmet, gab es dazu im Netz fast sekündlich neue Kommentare. Allein auf Twitter entwickelte sich das Thema schnell zu einem Trend. In Verbindung mit dem Hashtag #hartzundherzlich wurden hier pausenlos Tweets abgesetzt.

Viele der Nutzer machen sich vor allem über die gezeigten Personen aus Altes Lager und der vier Kilometer entfernten Stadt Jüterbog lustig. Vier Monate lang hatte das Kamerateam sie im vergangenen Jahr begleitet.

Janine und Franziska bekommen ihr Fett weg

In den sozialen Medien fielen die Kommentare zu den Protagonisten aus Altes Lager hart aus. Neben sarkastischen Kommentaren zur Sendung wurde auch direkt gegen die gezeigten Personen gewettert.

Dieser Ausschnitt zeigt Franziska (25) vor dem Jobcenter in Luckenwalde. Das Jugendamt hat die Söhne der Hartz IV-Empfängerin in Obhut genommen. Quelle: RTL II, UFA SHOW & FACTUAL

Bürgermeisterin hält Sendung für maßlos überzogen 

Doch nicht nur für die gezeigten Menschen hagelt es ordentlich Kritik – auch der Sender RTL 2 wird angegriffen. Niedergörsdorfs Bürgermeisterin Doreen Boßdorf (Bürgergemeinschaft) reagiert am Mittwoch wütend und erklärt: „Die Darstellung in der Sendung ist maßlos überzogen.“ Sie hatte schon im Vorfeld vor einem Imageschaden für den Ortsteil gewarnt.

Auch der 53-jährige Rainer (l.) muss regelmäßig zum Jobcenter nach Luckenwalde. Laut der Darstellung von RTL 2 sei das jedes Mal eine halbe Weltreise und viel zu kompliziert. Niedergörsdorfs Bürgermeisterin sagt jedoch, die gute Infrastruktur sei einer der Hauptgründe, warum Menschen nach Altes Lager ziehen. Quelle: RTL II, UFA SHOW & FACTUAL

Tatsächlich machten die Produzenten von „Hartz und herzlich“ schon in der ersten Folge mehrmals deutlich, wie trostlos das Leben in Altes Lager angeblich ist und erweckten den Eindruck, dass der Ort Schuld an der Misere der gezeigten Bewohner sei. Die Schlagzeilen der Sendung: Altes Lager ist ein Ort, der den Anschluss verpasst – Wer dort hinzieht, ist am Ende.

„Ich kann nicht nachvollziehen, wie RTL 2 von einem Ort mit 1900 größtenteils sozial integrierten und berufstätigen Einwohnern sowie mit den unterschiedlichsten Angeboten für Alt und Jung so eine Äußerung treffen kann“, macht Doreen Boßdorf ihrem Ärger weiter Luft.

Einwohner aus Altes Lager wissen: Der Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf hat mehr zu bieten.

Aus ihrer Sicht habe Altes Lager alles, was ein Ort im positiven Sinne haben sollte. Dazu zählt auch die gute Anbindung, die es laut RTL 2 aber nicht gibt. Hierzu kommentiert Boßdorf: „Gerade die Infrastruktur ist für viele Neueinwohner ein Kriterium, nach Altes Lager zu ziehen, und da kann nicht davon gesprochen werden, dass Altes Lager von der Außenwelt abgeschnitten ist. Es ist der zentralste Ort in der Gemeinde Niedergörsdorf.“

Jobcenter weiß: RTL-Formate verzerren die Realität

Auch im Jobcenter Teltow-Fläming war die Sendung in den vergangenen Tagen bereits Gesprächsthema. Denn die Protagonisten sind nicht nur Kunden. Vor dem Gebäude in Luckenwalde wurde auch gedreht. Bemerkbar hatte sich das Filmteam bei den Dreharbeiten vor über einem Jahr allerdings nicht gemacht. Angesehen haben sich einige Mitarbeiter die erste Folge am Dienstagabend trotzdem.

Dass das Jobcenter dabei nicht gut wegkommen würde, war eigentlich vorher klar. Geschäftsführerin Annett Sonnenburg hat sich Ausschnitte aus der ersten Folge angesehen. Gewinner gibt es bei der Sendung aus ihrer Sicht nicht – weder auf Seiten der Arbeitsagentur noch unter den gezeigten Menschen. „Diese Sendung spiegelt nicht die Tatsachen wider“, sagt Sonnenburg. Sie ist wenig überrascht über den Inhalt.

Auch „Die Anwältin der Armen“, ein RTL-Format, wurde schon vor den Türen des Luckenwalder Jobcenters gedreht. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen: Weil die Hartz IV-Fälle nur einseitig dargestellt werden, zeigen sie kein reelles Bild. Annett Sonnenburgs Fazit zur RTL 2-Doku lautet deshalb: erschreckend und traurig.

Schlechte Recherche oder Absicht?

Helmut Balke aus Altes Lager hat am Dienstagabend ebenfalls reingeschaut. Was er zu sehen bekam, überraschte ihn allerdings wenig. Schon als die Dreharbeiten anfingen, wusste er, welches Bild von Altes Lager kreiert werden soll. Als Antwort darauf startete er bereits im Vorfeld der ersten Folge eine Gegenaktion.

Weil er und seine Nachbarn unzufrieden mit der RTL-2-Darstellung sind, dreht Helmut Balke eine eigene Doku über Altes Lager. Quelle: Isabelle Richter

Auf MAZ-Nachfrage am Mittwoch sagte er zur ersten Folge: „Es war für mich manchmal schwierig zu folgen, weil meine Kinder so laut gelacht haben. Die Leute waren aber zu peinlich.“ Obwohl Balke das ganze Thema inzwischen mit einem Augenzwinkern betrachtet, seien ihm dennoch viele negative Dinge aufgefallen. Balke berichtet von zahlreichen Falschinformationen und verdrehten Tatsachen. Sein Kommentar dazu: „Schlechte Recherche oder Absicht – wer weiß?“ 

Rauchende Mütter auf dem Spielplatz

Insgesamt ärgert es Helmut Balke aber vor allem, dass Menschen ihre eigenen Fehler und negativen Verhaltensweisen über ein solches Format in die Öffentlichkeit tragen. Die Bilder von rauchenden Müttern auf dem Spielplatz und in direkter Gegenwart ihrer Kinder findet er einfach nur „unmöglich“. Zudem kann er das Gejammer der Protagonisten null nachvollziehen. „Sperren beim Jobcenter und zu zahlende Strafen sind in den seltensten Fällen die Schuld Dritter“, so Balke.

Von Isabelle Richter und Victoria Barnack

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