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Jüterbog Wichmann-Denkmal bekommt Info-Tafel
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Wichmann-Denkmal bekommt Info-Tafel
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10:15 30.04.2019
Bildhauer Tim Kolberg besserte am Donnerstag die Risse aus, die sich an der Skulptur gebildet haben. Falk Kubitza und Wolf-Dieter Boche (v.r.) sind mit der Arbeit zufrieden. Quelle: Uwe Klemens
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Jüterbog

 Der Magdeburger Erzbischof Wichmann von Seeburg spielt in der Jüterboger Stadtgeschichte eine wichtige Rolle. Gut eineinhalb Jahre nach der Enthüllung seiner Skulptur vor der Liebfrauenkirche spendiert der Heimatverein Jüterboger Land dem von ihm gestifteten Denkmal nun noch eine Infotafel, die am Sonntag um 11.30 Uhr im feierlichen Rahmen enthüllt werden soll.

„Seit ich als Stadtführer unterwegs bin, habe ich auch selbst einen ganz neuen Blick auf die Stadt bekommen und darauf, was Außenstehende an unserer Geschichte interessiert“, sagt Vereins-Mitglied Wolf-Dieter Boche. Die 2,75 Meter hohe, von Bildhauer Klaus-Peter Gust aus 133 Jahre altem Eichenholz gefertigte Skulpur ist zwar ein interessanter Hingucker. Sie verrät aber wenig über die Bedeutung des Mannes, der im Jahre 1157 zu den erfolgreichen Erstürmern der Brennerburg gehörte und für seinen Anteil an der Christianisierung der damaligen Ostgebiete das Jüterboger Land geschenkt bekam, wie Boches Stadtführer- und Heimatvereins-Kollege Falk Kubitza erläutert. Die nun ebenfalls vom Heimatverein bei Gust in Auftrag gegebene Info-Tafel soll nicht nur diese Wissenslücke über Wichmann schließen, sondern auch weitere Details zur Stadtgeschichte enthalten.

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Stadtrechte wurden vor 845 Jahren verliehen

Der Tag ihrer Enthüllung ist nicht zufällig gewählt. Denn genau einen Tag später, also am Montag, jährt sich die Verleihung des Stadtrechts zum 845. Mal.

„Mit der Ergänzung der Wichmann-Skulptur wollen wir den Anstoß dazu geben, den 850. Jahrestag in fünf Jahren gebührend vorzubereiten, denn wir wissen aus Erfahrung, dass so etwas einen großen Vorlauf braucht“, sagt Kubitza. Auch die Geschichte des Heimatvereins ist hierfür ein Beispiel.

Genau zehn Jahre vor dem Reformationsjubiläum hatte sich der Verein zusammengeschlossen, um die Würdigung dieses eng mit der Jüterboger Geschichte verknüpften Ereignisses auf den Weg zu bringen. „Und diesen Vorlauf haben wir auch gebraucht“, so Kubitza. Mit der Wichmann-Skulptur hat der Heimatverein nicht nur dem Erzbischof, sondern auch sich selbst ein Denkmal gesetzt. Info-Tafel und Skulptur werden auch in gestalterischer Hinsicht eine Einheit bilden. Der etwa 60 Zentimeter hohe und etwa 80 Zentimeter breite Sockel wird aus dem Rest des Eichenstammes gefertigt, aus dem auch die Skulptur gefertigt wurde. Eine rückwärtig bedruckte Plexiglasscheibe darüber enthält alle wichtigen Lebensdaten des kirchlichen und weltlichen Herrschers, sowie wichtige Informationen über die Stadt und die Liebfrauenkirche, deren Kirchenweihe im selben Jahr erfolgte wie die Verleihung des Stadtrechts.

Geburtsdatum ist unbekannt

„Der Recherche-Aufwand für den Text war riesig“, erläutert Kubitza. Denn nicht alle Lebensdaten des im heutigen Österreich geborenen Herrschers sind belegt. Sein genaues Geburtsdatum beispielsweise ist unbekannt und liegt auf jeden Fall vor 1116. Am 25. August 1192 starb der Erzbischof in Könnern und wurde im Magdeburger Dom begraben.

„Auch ein Detail des Denkmals ist falsch, aber das gestehen wir der künstlerischen Freiheit des Bildhauers zu und darf so bleiben“, erläutert Kubitza verschmitzt. Als Wichmann, der nicht nur Herrscher, sondern auch Feldkrieger war, das Jüterboger Land übernahm, fehlte ihm ein Ohr, das ihm seine Feinde abgeschnitten hatten.

Von Uwe Klemens