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Jüterbog Treibt ein Feuerteufel sein Unwesen in Jüterbog?
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19:33 03.08.2018
Waldbrand Schießplatz Jüterbog Altmunition Altlasten Militärfläche Quelle: Uwe Klemens
Jüterbog/Altes  Lager

Mehr als zehn Einsätze mit Verdacht auf Brandstiftung seit Anfang Juli: Das ist die traurige Bilanz, die Feuerwehrleute aus Jüterbog und Niedergörsdorf ziehen müssen. Immer wieder brennt es im Stadtteil Jüterbog II und dem Ortsteil Altes Lager in der Nachbargemeinde Niedergörsdorf. In zahlreichen Fällen geht die Polizei offiziell von Brandstiftung aus.

Mehr wollen die Beamten nicht sagen, denn die Ermittlungen laufen noch. „Diese werden durch geschulte Kriminalisten geführt, um eventuell bestehende Zusammenhänge schnell erkennen zu können“, erklärt eine Polizeisprecherin.

Frust und Anspannung bei den Feuerwehren

Für Einsatzkräfte der Feuerwehr steht dennoch bereits fest: In vielen Fällen ist wohl immer wieder derselbe Feuerteufel am Werk. Zu wissen, dass die Brände mutwillig gelegt werden, ist für die Brandschützer frustrierend. „Man fängt an, sich zu fragen, warum man den Job eigentlich macht“, sagt Jüterbogs Stadtbrandmeister Michael Rinderle.

Sein Kollege aus Niedergörsdorf bestätigt das beklemmende Gefühl: „Wenn man weiß, dass jemand immer wieder Brände legt, ist man beim Einsatz innerlich angespannter als sonst“, sagt Gemeindewehrführer Patrick Bellin. Auch der Gedanke, es könnte ein Kamerad aus der eigenen Wehr sein, ließe sich wegen zahlreicher Negativbeispiele nicht verdrängen. „Grundsätzlich sind wir jetzt auch aufmerksamer“, sagt Bellin, „man achtet auf auffällige Leute bei der Anfahrt und prägt sich Gesichter ein.“

Im April wurden gehäuft Brandstiftungen im Niedergörsdorfer Ortsteil Altes Lager gemeldet. Quelle: Patrick Bellin

Mehrere Anhaltspunkte lassen auch die Polizei gezielte Brandstiftungen vermuten. Der „fast gleichzeitige Brandausbruch an mehreren Stellen“ könne beispielsweise für eine mutwillige Tat sprechen. Immer wieder kommt es vor, dass die Feuerwehren von Jüterbog und Niedergörsdorf an einem Tag mehrmals alarmiert werden. Tatsächlich befinden sich die Einsatzorte dabei meist in unmittelbarer Nähe zueinander.

Am vergangenen Mittwoch beispielsweise brannte es um 0.28 Uhr erstmals in der Nähe der Bahngleise im Norden von Jüterbog. Keine zwei Stunden später wurde der nächste Brand gemeldet – wenige Hundert Meter entfernt im selben Stadtteil. Auch der dritte, weitaus größere, Brand in dieser Nacht fand hier statt: Auf dem Betriebsgelände eines Autoverwerters brannten etwa 50 Pkw aus. Vor knapp zwei Monaten hatte es bei dem Unternehmen schon einmal gebrannt. Auch hier wurden Ermittlungen wegen Brandstiftung eingeleitet.

Auch Großbrand auf altem Schießplatz könnte Brandstiftung sein

In die lange Liste dieser Fälle reiht sich auch der fünftägige und mehr als 250 Hektar große Waldbrand auf dem ehemaligen Schießplatz bei Jüterbog ein. Nach dem Ende des Feuerwehreinsatzes hat die Polizei zu Beginn dieser Woche Anzeige wegen Brandstiftung erstattet. Denn nicht nur zeitliche und örtliche Zusammenhänge ermöglichen den Beamten ein solches Ermittlungsverfahren.

Nach dem großen Waldbrand auf dem alten Schießplatz bei Jüterbog wurde Anzeige wegen Brandstiftung erstattet. Quelle: Uwe Klemens

„Konkrete Anhaltspunkte, die für eine fremde Beteiligung an dem Brandausbruch sprechen, können beispielsweise Zeugenhinweise oder das Auffinden von objektiven Beweismitteln wie Brandbeschleuniger sein“, erklärt eine Sprecherin. Die reine Annahme, es könnte eine weggeworfene Zigarette gewesen sein, reiche dafür nicht aus, ebenso wenig wie Vermutungen von Feuerwehrleuten.

Polizei schweigt zum weiteren Vorgehen

Da die Kriminalisten in fast allen Fällen noch ermitteln, zum Teil sogar noch Spuren vor Ort aufnehmen, will die Polizei sich nicht zum weiteren Vorgehen äußern. „Wenn eine tatverdächtige Person bekannt ist, von der eine Wiederholungsgefahr ausgeht, werden dahingehend Maßnahmen angepasst, die in der Öffentlichkeit jedoch nicht vertieft werden können“, so die Sprecherin.

Das könne beispielsweise die Erstellung eines Täterprofils sein. Welchen Brandbeschleuniger nutzt er? Welche Uhrzeiten und Ortslagen bevorzugt er? Welches Gelände sucht er sich für seine Taten aus? All das kann darin aufgenommen werden. „Und natürlich sind verstärkte Streifen und besondere Sensibilität bei den örtlich zuständigen Einsatzkräften ein weiteres Mittel der Wahl“, so die Polizeisprecherin.

Nicht immer arten die Brandstiftungen in stundenlange Einsätze aus. Aber auch kleine Brandstellen, wie diese nahe den Bahngleisen in Jüterbog, beschäftigen die Feuerwehrleute. Quelle: Feuerwehr Jüterbog

Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos) zeigte sich auf MAZ-Nachfrage froh über das Engagement der Kriminalisten vor Ort. „Es ist zwar unbefriedigend, als Träger des Brandschutzes kaum etwas tun zu können, außer zu löschen“, sagt er, „ich bin aber fest davon überzeugt, dass die Polizei hier gute Arbeit leistet.“

Bürgermeister Raue: „Kein Freund von Panikmache“

Die Einwohner Jüterbogs haben nicht nur über die MAZ und ihre digitalen Angebote von der gehäuften Anzahl an Einsätzen erfahren, sondern auch über das soziale Netzwerk Facebook. Die Feuerwehr der Stadt hat eine eigene Seite, auf der sie über ihre Einsätze informiert. Mehr als 3000 Leute verfolgen die Aktivitäten. Zuletzt berichtete die Stadtverwaltung ebenfalls auf ihrer Facebook-Seite über die jüngsten Brände. „Wir nutzen die modernen Medien, um zeitnah ein aktuelles Lagebild zu geben“, erklärt Bürgermeister Arne Raue (parteilos).

Nach der mutmaßlichen Brandstiftung in der Nacht zu Mittwoch war auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz. In den Morgenstunden kreiste er über der Stadt. Viele Menschen habe das verunsichert, erklärt Raue. „Ich bin kein Freund von Panikmache“, sagt er, „über Facebook kann man die Dinge aufklären, die der Bürger wahrnimmt und kann die Lage dadurch entspannen.“

Brandstiftungen in und um Jüterbog

2. August 2018:

In der Nacht zum Mittwoch werden drei mutmaßliche Brandstiftungen entdeckt. Zwischen 0.28 Uhr und 4 Uhr brennen an mehreren Stellen Wald und Heide nahe der Bahngleise in Jüterbog. Außerdem werden auf dem Betriebshof eines Autoverwerters etwa 50 Fahrzeuge offenbar mutwillig angezündet.

25. Juli 2018:

Auf dem ehemaligen Schießplatz bei Jüterbog fängt ein mehr als 250 Hektar großes Areal der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg Feuer. Der Einsatz dauert fünf Tage. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung.

20. und 21. Juli 2018:

An einem Wochenende brennt es zweimal in der Nähe des Niedergörsdorfer Ortsteils Altes Lager. Am Freitagabend und Samstagmorgen gehen insgesamt 2800 Quadratmeter Wald und Heide in Flammen auf.

8. Juli 2018:

Am Sonntagabend fängt ein Waldstück in der Jüterboger Bülowstraße Feuer. Etwa vier Hektar brennen ab.

5. Juli 2018:

An dem Donnerstag wird die Jüterboger Feuerwehr mehrmals alarmiert. Es brennt unter anderem auf einem 1,2 Hektar großen Waldstück und einer kleinen Freifläche. Die Einsatzkräfte gehen von Brandstiftung aus.

4. Juli 2018:

In der Nähe des Jüterboger Bahnhofs wird ein Brand gelegt, offenbar mithilfe von Feuerwerkskörpern.

3. Juli 2018:

An einem Dienstagabend muss die Feuerwehr zu einem Ödlandbrand auf einer Fläche von 400 Quadratmetern in Altes Lager ausrücken. Die Polizei sucht öffentlich nach Zeugen und ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung. Nicht einmal eine Stunde später entzündet sich ein weiteres Feuer im Norden Jüterbogs.

10. Juni 2018:

Brandstifter zünden nachts Pkw auf dem Betriebsgelände eines Autoverwerters in Jüterbog an. Mehrere Fahrzeuge werden beschädigt. Der Betreiber vermutet alkoholisierte Jugendliche hinter der Tat.

11. April 2018:

Am Abend werden zwei Feuer gemeldet: Die beiden Einsatzorte in Altes Lager liegen wenige hundert Meter voneinander entfernt. Die Kriminalpolizei geht von Brandstiftung aus.

6. bis 9. April 2018:

Binnen weniger Tage brennt es in Altes Lager mehrmals. Betroffen waren jeweils kleine Stellen an verschiedenen Orten. Die Polizei schließt aus, dass sich die Brände von selbst entzündet haben.

11. Juli 2016:

Zwei verheerende Brände zerstören im Norden Jüterbogs einen Teil des Hortes der Geschwister-Scholl-Grundschule und eine wenig entfernte Gaststätte. Es entsteht ein Schaden von 300.000 Euro.

Von Victoria Barnack

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