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Jüterbog Hier entsteht Europas größte Schießhalle für Zivilisten
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Hier entsteht Europas größte Schießhalle für Zivilisten
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00:20 28.07.2018
Von der preußischen Artillerieschule zum Action-Park: In Jüterbog sollen unter anderen eine Skateranlage, vier Schießhallen und ein Flugplatz für Hoverbikes entstehen. Quelle: Dolphin Trust
Jüterbog

Den ehemaligen Schießplatz im Norden von Jüterbog hat die Natur fest in ihrer Hand. Auf dem Gelände steht das Gras trotz wochenlanger Dürre meterhoch. Die einst befestigten Wege sind zugewachsen. Einige Bäume wuchern aus den Bauten der Kaiserzeit heraus. Falken, Fledermäuse und Wild sind zwischen den Ruinen heimisch geworden.

Anfang der 1990er Jahre hat die sowjetische Armee den Standort aufgegeben. 1864 war er als erster offizieller Schießplatz in Deutschland in Betrieb genommen worden.

Der alte Schießplatz und viele der Gebäude sind über 100 Jahre alt. Nachdem die Sowjetarmee das Gelände 1994 verließ, ging es an das Land Brandenburg über. Seitdem verfällt das Gelände. Heute ist es als „Lost Place“ beliebt.

Erst seit einem Jahr ist wieder regelmäßig Betrieb auf dem Schießplatz. Bagger und Radlader haben sich durchs Dickicht gekämpft, ein paar Wege freigeschaufelt.

Aus dem ersten offiziellen Schießplatz Deutschlands soll jetzt ein Action-Park werden. „Wir wollen Extremaktivitäten anbieten“, sagt Geschäftsführer Andreas Werla. Sein erst vier Jahre altes Event-Unternehmen baut sich in Jüterbog die erste eigene Anlage.

Andreas Werla leitet die Bauarbeiten für erste eigene Schießanlage seiner Firma „Shotevent“. Quelle: Privat

Ausschlaggebend für Jüterbog sei vor allem die gute Anbindung. „Mit der Bahn ist man in einer Stunde in Leipzig und genauso schnell in Berlin“, sagt Andreas Werla. Bisher bietet seine Firma ihre Veranstaltungen unter dem Motto „Schießen für jedermann“ nur auf fremden Plätzen beispielsweise in Wandlitz oder Werder (Havel) an.

Schießen für jedermann auf bis zu 1000 Meter

Grenzen kennt das Angebot von Werla schon jetzt kaum. Der Waffenbestand setzt sich aus mehreren Dutzend Pistolen, Revolvern, Gewehren und Flinten der unterschiedlichsten Kaliber zusammen, darunter halbautomatische Militärgewehre genauso wie Neun-Millimeter-Pistolen. In dem neuen Action-Park im Stadtteil Jüterbog II sollen deshalb vier Schießhallen entstehen. „Wir planen eine Mehrdistanzanlage mit Schießkino auf 50 und 100 Meter“, berichtet Werla, „außerdem eine Halle mit 25 Meter Länge und eine 1000-Meter-Bahn.“

Letztere wird, so der Bauherr, einzigartig in Europa sein. „Beim Militär gibt es so etwas natürlich“, sagt Werla, „ aber nicht als zivile Indoor-Schießanlage. Deswegen haben wir schon die ersten internationalen Anfragen von Schießsportvereinen erhalten, die gern Wettkämpfe bei uns ausrichten würden.“

Eintausend Meter – die Anlage wäre länger als das höchste Gebäude der Welt hoch ist, nur nicht so auffällig. Die Schießbahn soll in den Boden hineingebaut werden. Geschossen würde dann einige Meter unter der Oberfläche. Die Seiten könnten von Erde begrenzt sein.

„Die gesamte Anlage soll außerdem eine aktive Schalldämmung erhalten“, sagt Andreas Werla, „an der Straße wird man von den Schüssen nichts mehr hören.“ Denn betroffen wären davon sowohl Anwohner als auch Touristen, die mit Fahrrad oder Inlinern auf der Fläming-Skate direkt vor dem Eingang des Geländes entlang fahren.

Der ehemalige Schießplatz liegt direkt an der Fläming-Skate zwischen Jüterbog und Niedergörsdorf. Quelle: Victoria Barnack

Dasselbe soll für die benachbarten Anlagen für Paintball und Airsoft gelten. Werla plant eine komplett abgedunkelte Halle sowie Freiflächen. Privatpersonen, Firmen und Vereine könnten sich auf einem großzügigen Teil des Geländes ihre eigenen Landschaften mit Betonelementen, Reifen oder Holz zusammenstellen lassen, erklärt er.

Hoverbikes, Segways, Quads, Skaterhalle

Dem ehemaligen Schießplatz sollen gleichzeitig auch neue Nutzungsarten zugeführt werden. Die vier Schießhallen sind bei Weitem nicht alles, was sich Andreas Werla auf der firmeneigenen Anlage vorstellt. „Es wird einen Quad-Parcours geben, wir bieten Segways und Hoverbikes an“, sagt er.

Hoverbikes – das sind die fliegenden Mischungen aus Motorrad und Drohne, mit denen die Polizei in Dubai bald auf Streife gehen beziehungsweise fliegen möchte. Aus Sicherheitsgründen muss dafür ein virtueller Käfig gebaut werden. Denn die Luftfahrzeuge werden problemlos bis zu 70 Stundenkilometer schnell und haben eine Reichweite von 80 Kilometern. Damit käme man von Jüterbog bis zum Bundestag in Berlin.

Wo Anwohner jahrelang illegal ihren Müll abgeladen haben, sollen sich sich Skateboarder bald austoben und junge Bands auftreten können. Quelle: Victoria Barnack

„Wir sind außerdem in Kontakt zu Berliner Streetworkern“, erzählt Andreas Werla. In eine der bestehenden Hallen möchte er Module für eine Skateboardanlage einbauen lassen. „Für die Schüler aus der Region soll der Eintritt kostenlos sein“, sagt er. Je nach Bedarf könnten die einzelnen Elemente abgebaut und eine Bühne für junge Bands aus der Stadt eingebaut werden. Auch Kulturangebote kann sich Werla auf seinem Gelände vorstellen. Gerade erst hat er ein Außenkino gekauft.

Die Militärstadt Jüterbog II

Gegründet wurde die Artillerie-Schießschule im Jahr 1867 als Kriegsschule des Heeres. Sie befindet sich nordwestlich des Jüterboger Bahnhofs.

Der Schießplatz wurde 1864 angelegt und 1870 erweitert. Die ausgedehnte Kasernenanlage entstand zwischen 1890 und 1902 auf dem Gelände zwischen Schießplatz und Bahngleisen.

In der Weimarer Republik bestand die Artillerieschule als eine der vier Waffenschulen der Reichswehr weiter, wurde aber nur wenig ausgebaut.

Im Nationalsozialismus wurde die Anlage erweitert. Es kamen zahlreiche Bauten nördlich der Bülowstraße hinzu. Hier befindet sich das Gelände für den neuen Action-Park.

Nach 1945 zog das sowjetische Militär in die Anlage ein und räumte sie nach dem Zerfall der UdSSR im Jahr 1994.

Wenig später wurde mit dem Umbau der ersten Kasernengebäude im Stadtteil Jüterbog II begonnen. Heute befinden sich dort kleine Läden, Wohnungen, ein Seniorenheim und ein Jugendclub.

Bis die Anlage der Superlative in Jüterbog eröffnet, werden noch einige Jahre ins Land ziehen. „Zeitdruck machen wir uns nicht“, sagt Werla, der kein Datum nennen will. Um nicht von ausgelasteten Baufirmen abhängig zu sein, hat er sechs neue Arbeitsplätze in der eigenen Firma geschaffen. „Fast alle neuen Mitarbeiter sind Handwerker, kommen aus der Region und waren vorher Langzeitarbeitslose“, erzählt er.

Die Stadt Jüterbog ist von dem Vorhaben auf dem ehemaligen Schieß- und später Truppenübungsplatz „hellauf begeistert“, wie Werla berichtet. Grund dafür sind neben den neuen Wohnungen und Freizeiteinrichtungen, die in der Bülowstraße entstehen sollen (die MAZ berichtete), auch die neuen Arbeitsplätze samt wirtschaftlichen Auswirkungen für die Kleinstadt.

Der Action-Park soll Teil eines neuen Stadtteils im Nordosten Jüterbogs werden. Hier könnten nach ersten Entwürfen auch neue Wohnungen, Bildungseinrichtungen und kleine Läden entstehen. Quelle: Mann & Schott Architekten

Derzeit sind die neuen Mitarbeiter vor allem damit beschäftigt, Sicherungsmaßnahmen an den Denkmälern durchzuführen, verseuchten Boden abzutragen und Schrott zu sortieren. In den ehemaligen Hallen, Kasernen und Unterrichtsräumen der Artillerieschule haben in den vergangenen Jahrzehnten viele Menschen ihren Unrat abgeladen, für den sie auf legalem Weg hätten Geld bezahlen müssen.

Wo immer es möglich ist, will Andreas Werla die alten Gebäude dennoch erhalten. Auch wenn sie nicht dem Denkmalschutz unterliegen. In solchen Häusern und Hallen sollen unter anderen die Schießanlagen entstehen. Die Ausstrahlung der Militärgebäude aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert würde dem Gesamtkonzept zutragen. „Nur der Empfangsbereich als modernes Glasgebäude soll dazu in Kontrast stehen“, erzählt Werla.

„Ökologisch vernünftig zu bauen, gehört heutzutage dazu“

Nachhaltigkeit ist für den Bauherren ein großes Thema. Schadstofffilter in den Schießanlagen, LED-Lampen, klimaneutrale Baustoffe, Heizen mit Biogas, möglichst wenig auf Papier drucken: „Ökologisch vernünftig zu bauen, gehört zu einem modernen Unternehmen heutzutage dazu“, sagt er. Die Mehrkosten die dadurch beim Bau des neuen Firmenzentrums von „Shotevent“ entstehen, sind ein klares Bekenntnis zu Jüterbog.

„Teurer als der Bau wird wohl nur die Entsorgung der Altlasten“, sagt Werla. Ständig werden neue Proben aus dem Boden entnommen; zahlreiche Gebäude sind mit Asbest verseucht. Bei den Summen, die bisher in das Gelände des alten Schießplatzes geflossen sind, wäre es schon jetzt unsinnig aufzuhören. „Wir wussten vorher, worauf wir uns hier einlassen“, sagt Andreas Werla.

Von Victoria Barnack

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