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Jüterbog Globaler Klimastreik: Müllaktion auf dem Marktplatz
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Globaler Klimastreik: Müllaktion auf dem Marktplatz
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22:22 29.11.2019
Müllsammelaktion anlässlich des globalen Klimastreiks auf dem Jüterboger Marktplatz. Quelle: Isabelle Richter
Jüterbog

„Wir haben uns den Plastikmüll aus den umliegenden Geschäften geben lassen. Der Müll wurde erst gestern abgeholt. Also kann man sagen, das ist das, was an einem Tag so anfällt“, sagt Stephanie Günter vom Diakonischen Werk Teltow-Fläming. Die Bildungsreferentin stand am Freitagmittag gemeinsam mit ihrer Kollegin Carolin Stolz vor einem Haufen mit rund 20 prall gefüllten gelben Müllsäcken.

Anlässlich des globalen Klimastreiks starteten die beiden Frauen zusammen mit fünf Schülern, einem Einwohner der Stadt Jüterbog und einem Gast aus dem Nachbarkreis Elbe-Elster mitten im Zentrum vor dem historischen Rathaus eine große Müllsortierungsaktion.

Aktion auf dem Markt sorgt für Aufmerksamkeit

Zu dem Termin aufgerufen hatte die Gruppierung Parents for Future Teltow-Fläming. Deren Sprecherin Lisa Blech wurde um 17 Uhr im Jüterboger Gemeindezentrum Sankt Nikolai zu einem Vortragsabend mit Diskussionsrunde zum Thema „Was geht mich das Klima an?“ erwartet.

Für genügend Aufmerksamkeit sorgten im Vorfeld aber auch schon die Unterstützer der Bewegung vom Diakonischen Werk sowie die sieben zum Termin erschienenen Klimahelfer. Viele Jüterboger schauten beim Gang über den Marktplatz verdutzt und fragten sich: Was machen die da? – „Den gesammelten Müll durchsuchen und gucken, was davon wirklich recycelbar ist“, so Stephanie Günther zum Hintergrund.

Jüterboger Schüler nutzen ihre Freizeit zum Helfen 

Nicht alles, was auf den ersten Blick nach Plastik aussieht, gehört auch wirklich in den gelben Sack oder kann tatsächlich wiederverwertet werden. Das mussten auch die vier Schülerinnen Lena, Merle, Julia und Nele (alle 14 Jahre alt) vom Jüterboger Goethe-Schiller-Gymnasium erst lernen. Nach dem ersten sortierten Müllsack konnten die Neuntklässlerinnen aber schon ganz gut selber zwischen „gutem Müll“ und „schlechtem Müll“ unterscheiden.

Wegen eines Unterrichtsausfalls endete die Schule für die vier Mädchen am Freitag bereits um 11.30 Uhr. Statt direkt nach Hause zu fahren, entschieden sie sich jedoch dazu, etwas Gutes zu tun und einen Zwischenstopp am Markt einzulegen. Ihren vorbeilaufenden Mitschüler Anton (13) konnten sie einige Minuten später auch noch zum Mitmachen animieren.

Glückliche Gesichter nach einer guten Tat: Nach der Müllsortier-Aktion auf dem Jüterboger Marktplatz fühlen sich die Teilnehmer gleich viel besser. Quelle: Isabelle Richter

„Wir möchten gerne in unserer Freizeit helfen“, erklärte Schülerin Lena stellvertretend für die Gruppe. Aus dem Internet habe sie von der Aktion auf dem Jüterboger Marktplatz erfahren. Einige von Lenas Klassenkameraden gehen freitags regelmäßig für ein besseres Klima demonstrieren. Für die 14-Jährige war es das erste Mal. „Ich war noch nicht bereit dazu, meine Schulzeit dafür herzugeben“, berichtet die Neuntklässlerin. Lena möchte gute Noten erzielen, um später einen gut bezahlten Job zu bekommen. „Dann hat man auch genug Geld, um sich umweltfreundliche Produkte zu kaufen“, schlussfolgert sie.

SBAZV nimmt getrennten Müll kostenlos an

Zugegeben: Was die Schüler am Freitag alles in den gelben Säcken gefunden haben, war nicht immer appetitlich. Dennoch hatten sie keine Berührungsängste und würden es wieder tun. „Wir hatten ja Handschuhe an und es fühlt sich einfach gut an, etwas getan zu haben“, ist sich die Gruppe hinterher einig. Dass sie für ihre Initiative am Ende noch hämische Sprüche von vorbeiziehenden Klassenkameraden einstecken mussten, störte sie dann auch nicht mehr. Für sie zählte am Ende nur das Ergebnis.

Aus den 20 eingesammelten Müllsäcken konnten ganze acht Säcke mit reinem recyclebarem Müll gewonnen werden. Dieser sowie der aussortierte Müll wurden im Anschluss zum Wertstoffhof des Südbrandenburgischen Zweckverbandes (SBAZV) nach Luckenwalde gebracht und konnten dort kostenlos entsorgt werden.

Müll-Aktion regt Teilnehmer zur Diskussion an

Dass nicht jeder Verbraucher beim Müllsortieren zu Hause immer richtig liegt, sei aus Sicht von Stephanie Günther kein Verbrechen. Die Bildungsreferentin findet: „Der Verbraucher muss nichts besser machen, er tut schon so viel.“ Aus ihrer Sicht müssten vielmehr die Hersteller der Verpackungen „endlich Verantwortung übernehmen“, damit der Müll in Zukunft besser getrennt und richtig entsorgt werden kann.

Darüber hinaus kritisierte einer der Klimahelfer aus Jüterbog, als er während der Sortier-Aktion auf Styroporreste stieß, dass alternative Baustoffe wie Hanf zum Dämmen eines Hauses bisher keine finanzielle Unterstützung bekommen. Aus seiner Sicht würden viele Leute nur auf Styropor-Platten zurückgreifen, weil sie von der staatlichen KfW-Bank gefördert werden und dadurch weitaus günstiger sind.

Protest in Ludwigsfelde

Nicht zu übersehen waren am Freitag auch die Klima-Aktivisten zum Premieren-Treff von Fridays for Future am Bahnhof in Ludwigsfelde. Auch wenn es gerade mal zwei Dutzend Menschen waren, die dem Aufruf von Nuno Sobota und Fabian Richters gefolgt waren, sie wurden gegen 14 Uhr von den vielen Pendlern und Reisenden wahrgenommen. Auffällig an der Truppe: Die meisten von ihnen haben schon einen Großteil des Lebens hinter sich. Gemeinsam ging es unter Polizeischutz zum Rathausplatz und von dort zum Müllsammeln im Aktiv- und im Skatepark.

Eine der ersten, die sich am Bahnhofskiosk zu den beiden 18 Jahre alten Initiatoren gesellt hatte, war Doris Hollstein. Die 67-jährige Ludwigsfelderin ist bekennende Naturliebhaberin, täglich wandert sie etwa anderthalb Stunden durch Feld und Flur rundherum. Von der Aktion der beiden jungen Männer hatte sie in der MAZ gelesen. Sie erklärt: „Beim Wandern ärgere ich mich auch über den vielen Müll, aber alles kann ich nicht mitnehmen, so viel kann ich nicht tragen.“ Gemeinsam könne man sicher mehr bewegen, meint sie.

Dann stimmt sie ein in „Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“ oder „wer nicht hüpft, ist für Kohle“. Mit dabei sind auch Stefan und Lisa Kohl aus Potsdam. Beide arbeiten zwar in Ludwigsfelde, doch Stefan Kohl erklärt: „In Potsdam gehen 7000 zur Fridays-for-Future-Demonstration, aber wir wollten hier unsere Heimatstadt unterstützen.“

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Von Isabelle Richter und Jutta Abromeit

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