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Jüterbog: Sven Urban kämpft im Streit mit Johannitern weiter um sein Recht

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18:02 04.12.2021
Sven Urban möchte seine langjährige Freundin Ingrid Schiewe nicht in eine Pflegeeinrichtung geben. Bei ihm bekomme sie seiner Meinung nach die beste Pflege.
Sven Urban möchte seine langjährige Freundin Ingrid Schiewe nicht in eine Pflegeeinrichtung geben. Bei ihm bekomme sie seiner Meinung nach die beste Pflege. Quelle: Isabelle Richter
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Jüterbog

„Es hätte viel schlimmer ausgehen können. Der Arzt hat zu mir gesagt, ich möchte bitte für mehr Sicherheit sorgen. Die habe ich jahrelang gehabt“, erzählt Sven Urban. Die Geschichte des Jüterbogers, der seine an Demenz erkrankte Partnerin zu Hause pflegt, ist vielen in der Stadt und Umgebung bekannt. Immer wieder wird der 49-Jährige auf der Straße angesprochen, wie es ihm und Ingrid Schiewe ergeht. Nach dem Streit mit den Johannitern, denen das Haus im Planeberg gehört, ist der Hausflur mittlerweile komplett leergeräumt. Für Ingrid Schiewe hatte das nun schon erste Folgen.

Vor knapp einem Monat ist genau das eingetreten, was die Ärztin der Demenzkranken bereits in ihrem Attest angekündigt hatte. Die 52-Jährige verlor die Orientierung und stürzte im Hausflur. „Es ging alles so schnell. Ich habe es gleich auf der Kamera gesehen, aber da lag sie schon“, berichtet Sven Urban. Der Jüterboger fuhr mit ihr sofort in die Notaufnahme.

In dem Berliner Krankenhaus wurde festgestellt, dass ein Finger von Ingrid Schiewe gebrochen ist. „Das wird nicht mehr richtig verheilen, weil sie die Hand nicht ruhig hält“, so Sven Urban über die Verletzung. Durch die neuen Einschränkungen im Haus habe sich ihr Zustand zudem merklich verschlechtert, berichtet er weiter. Die Pflege zu Hause sei ihm dennoch nicht zu anstrengend. Sven Urban möchte seine langjährige Freundin nicht in die Hände anderer geben. Er hatte damit bereits schlechte Erfahrungen gemacht (die MAZ berichtete).

Ärztliches Gutachten könnte jetzt relevant werden  

Anfang des Jahres wurde ihm von den Johannitern die Zwangsräumung angedroht. Falls der 49-Jährige die Sachen im Flur nicht selbst beseitigt, würden sie auf seine Kosten entsorgt, heißt es in den damaligen Anwaltsschreiben. Doch das passierte nicht – stattdessen gab es für ihn Ende August plötzlich die fristlose Kündigung. Sven Urban wehrt sich nun dagegen. Es sei offensichtlich, dass man ihn aus dem Haus raushaben will, meint der 49-Jährige. Zudem kritisiert er, dass in dem Gerichtsurteil, auf das sich der Vermieter immer wieder bezieht, bestimmte Argumente seinerseits nicht betrachtet wurden. So sei etwa das Gutachten von Ingrid Schiewes Ärztin bei der Abwägung gar nicht berücksichtigt worden.

Eine Berliner Anwältin, deren Schwerpunkt auf Mietrecht liegt, soll die Sache für Sven Urban nun erneut prüfen. Sven Urban hofft mit ihr an der Seite auf Gerechtigkeit im Streit mit den Johannitern. Überhaupt einen Juristen zu finden, war für ihn aber nicht leicht gewesen. „Ich habe 21 Anwälte angeschrieben“, berichtet der Jüterboger. Von einigen bekam er zur Absage noch den Hinweis, dass er sich mit den Johannitern gar nicht erst anlegen brauche.

Zuspruch und Hilfsangebote aus der Bevölkerung

Sven Urbans aktuelle Anwältin hat mittlerweile Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt. Laut Urban könnte auch das ärztliche Gutachten nun relevant werden. Mit Blick auf die steigende Zahl an Pflegebedürftigen und der wachsenden Personalnot kann er nicht verstehen, warum es Menschen wie ihm so schwer gemacht wird. „Überall wird davon geredet, wie aufwendig die Pflege ist und dass Pflegebedürftige besondere Betreuung und Schutz brauchen“, sagt Sven Urban. Er nehme diesen Aufwand jeden Tag freiwillig auf sich, um seiner Partnerin trotz schwerer Krankheit ein würdevolles Leben zu bescheren.

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Anerkennung bekommt er dafür zumindest regelmäßig aus der Bevölkerung. „Ich werde oft angesprochen und gefragt, wie es uns geht“, erzählt Sven Urban. Hilfe hätten ihm die Leute auch schon angeboten. So gab es Kontakt zu Vertretern, die sich für Behinderte einsetzen. Wirklich weiter kamen die aber auch nicht. Die Unterstützung der Berliner Anwältin gibt Sven Urban allerdings Hoffnung, dass ihm in dem Streit doch noch Gerechtigkeit widerfährt. Bis dahin bleibe ihm im Kampf darum nichts weiter übrig, als immer wieder die Öffentlichkeit über seine Situation zu informieren.

Von Isabelle Richter