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Jüterbog Kirche lädt zur politischen Diskussion
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18:06 09.01.2019
Der 30. Jahrestag des Mauerfalls 1989 ist der Anlass für die Veranstaltungsreihe der evangelischen Kirche inJüterbog. Quelle: Lehtikuva Oy/dpa
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Jüterbog

Unter dem Titel „30 Jahre Mauerfall“ hat die evangelische Kirchengemeinde Sankt Nikolai in Jüterbog eine eigene Veranstaltungsreihe organisiert. Seit mehreren Jahren sind Diskussionen, Vorträge und Gesprächsrunden zu einem großen Thema in den Frühjahrsmonaten zur Tradition geworden. Erstmals soll nun nicht eine kircheninterne Problematik besprochen werden, sondern eine politische Angelegenheit.

„Nicht nur wegen des Jahrestages lag das Thema 30 Jahre Mauerfall für uns nahe“, erläutert Jüterbogs Pfarrer Tileman Wiarda. Verschiedene politische Fronten, die sich kaum noch miteinander versöhnen lassen: Dieses Stimmungsbild bot sich dem Theologen in der Stadt, als er vor wenigen Monaten in der evangelischen Gemeinde Jüterbogs seine Tätigkeit begann.

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Tileman Wiarda ist seit einem halben Jahr Pfarrer in Jüterbog und Kloster Zinna. Quelle: Victoria Barnack

Gemeinsam mit den anderen Gemeindemitgliedern entschloss er sich deshalb, die politische Diskussion aufzugreifen. Immerhin hatten auch die Montagsdemonstrationen in Leipzig im Rahmen der wöchentlichen Friedensgebete ihren Anfang. Wie hat sich das Selbstverständnis der Kirche seither verändert? Warum hat ihre Stimme heute offenbar weniger Kraft? Diese und andere Fragen sollen in drei Veranstaltungen besprochen werden.

Zeitzeugengespräch am 14. Januar

Den Auftakt macht am Montag eine Gesprächsrunde unter dem Titel „Leipzig – Wir sind das Volk“. Als Gast ist der freie Journalist Siegbert Schefke geladen. Der gebürtige Brandenburger wurde dadurch bekannt, dass er während der friedlichen Revolution von der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig heimlich Filmaufnahmen machte, die er den Medien im Westen zuspielte.

Siegbert Schefke (M.) wurde für seine Aufnahmen von 1989 mit dem Bambi in der Kategorie „Stille Helden“ geehrt. Quelle: MAZ/Christel Köster

„Auch bei den Geschehnissen in Chemnitz 2018 war er als Journalist dabei“, berichtet Pfarrer Wiarda. „Wir wollen seine Originalaufnahmen zeigen und darüber ins Gespräch kommen, wie es sein kann, dass bei diesen unterschiedlichen Veranstaltungen mit demselben Slogan – Wir sind das Volk – demonstriert wurde.“

Eingeladen zur Diskussion ist außerdem Zeitzeuge Christoph Gutsche. Der Bruder des ehemaligen Jüterboger Pfarrers, Bernhard Gutsche, war als Theologiestudent 1989 Teilnehmer der Montagsdemonstrationen in Leipzig.

Erste Veranstaltung am 14. Januar

Die Gesprächsrunde mit Journalist Siegfried Schefke und Pfarrer Christoph Gutsche findet am Montag, den 14. Januar, im evangelischen Gemeindezentrum in Jüterbog im Planeberg 71 statt. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Im März folgen zwei weitere Veranstaltungen: Am 2. März lädt die Kirchengemeinde zu einem Zeitzeugengespräch ein. Nicht Fremde sollen von ihren Erinnerungen an die Geschehnisse vor 30 Jahren berichten, sondern die Jüterboger selbst.

Zeitzeugen vom Mauerfall aus Jüterbog gesucht

Dafür ist die evangelische Sankt-Nikolai-Gemeinde bereits jetzt auf der Suche nach Fotos und Menschen, die ihre Geschichte erzählen wollen. Die Berichte sollen nicht nur während der Veranstaltung geteilt werden. Aus den Fotos soll auch eine Ausstellung entstehen. Interessierte können Bilder und Berichte bis zum 15. Februar per E-Mail an die Kirchengemeinde unter nikolai-gemeinde@web.de senden.

Abgeschlossen wird die Veranstaltungsreihe von einer Diskussionsrunde zum Thema „Runder Tisch Jüterbog“ am 25. März. Pfarrer Tileman Wiarda möchte mit Interessierten darüber reden, ob es in der Region neue Runde Tische braucht, um den Regierenden die Bedürfnisse der Bürger nahe zu bringen.

Von Victoria Barnack