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Jüterbog Klärschlamm stinkt zum Himmel
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Klärschlamm stinkt zum Himmel
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17:50 14.01.2019
Rund 1000 Tonnen Klärschlamm lagern in der Jüterboger Kläranlage. Vor dem Abtransport zur Verbrennung muss er zum Teil erneut entwässert werden.
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Jüterbog

„Rund 80 Tonnen Klärschlamm fallen bei uns auf der Anlage im Durchschnitt jede Woche an, etwa 3000 Tonnen sind es im Jahr“, sagt Abwassermeister Stefan Liese vom Wasser- und Abwasserzweckverband Jüterbog-Fläming (WAZ). Auf etwa 1000 Tonnen schätzt der Anlagenleiter die Menge des Klärschlamms, die auf dem Betriebsgelände gegenwärtig lagert und den Geruchssinn der Mitarbeiter arg strapaziert.

Verbrennung ist teure Alternative

„Normalerweise kommt der Schlamm direkt nach dem Entwässern in Container, aber im Moment wissen wir nicht, wohin mit der großen Menge“, sagt Liese. Seit Inkrafttreten der neuen Düngemittelverordnung und der damit verbundenen Reduzierung der auf den Feldern erlaubten Klärschlammmenge haben viele das selbe Problem. Die Verbrennung im sächsischen Boxberg ist derzeit die Alternative, aber nicht nur wegen des Transportes dorthin wesentlich aufwendiger und teurer.

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Während der Feuchtigkeitsgehalt bei der Ausbringung auf Äckern relativ egal ist, gelten für die Verbrennung strenge Vorschriften. Durch die Zwischenlagerung auf dem Betriebsgelände nimmt der bereits entwässerte Schlamm wieder Feuchtigkeit auf und muss vor dem Abtransport zum Teil erneut entwässert werden. Trotz der im Vorjahr erfolgten, europaweiten Ausschreibung der Klärschlammentsorgung und zahllosen Gesprächen mit Fachbehörden glaubt WAZ-Verbandsvorsteherin Jana Schuhmacher nicht, dass sich an der zum Himmel stinkenden Problematik so schnell etwas ändern wird.

Vereinbarung läuft Ende 2019 aus

Unabhängig vom Klärschlamm-Thema ändert der WAZ auch das System der dezentralen Entsorgung, also der Abholung von Abwasser und -Schlamm aus Kleinkläranlagen und Sammelgruben. „Die derzeitige Vereinbarung mit einem lokalen Dienstleister läuft Ende des Jahres aus und wird derzeit ebenfalls neu ausgeschrieben“, sagt Schuhmacher.

Um den Aufwand zu reduzieren, sind alle Grundstücksbesitzer aufgefordert, Übergabe-Stutzen an der Grundstücksgrenze zu schaffen, wodurch das Verlegen von Pumpschläuchen durch Hühnerställe und Gärten entfallen soll und das Anfahren der Grundstücke möglich wird, ohne dass Eigentümer oder Mieter zu Hause sind. Mit 3000 nicht ans zentrale Abwassernetz angeschlossenen Haushalten sind etwa 15 Prozent der WAZ-Kunden von der Neuregelung betroffen.

Schlauchlänge wird künftig berechnet

Dort, wo es ab 2020 keine Übergabestelle gibt, wird die verlegte Schlauchlänge in Rechnung gestellt. Die notwendige Satzungsänderung soll noch in diesem Jahr beschlossen werden. Beim Nachbarverband in Hohenseefeld werden bereits ab diesem Jahr 2,38 Euro pro Meter berechnet, die ersten zehn Meter sind frei. Nur 33 von insgesamt 257 Grundstücken verfügen hier derzeit über einen Übergabestutzen.

Von Uwe Klemens