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Jüterbog Biblische Dramen humorvoll im alten Kloster
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10:41 08.01.2019
Aaron, gespielt von Martin Hennig (l.), diskutiert mit seinem Bruder Moses. Dieser wird von Christoph Kreibich dargestellt. Quelle: Karen Grunow
Jüterbog

Die Kaffeemaschine blubbert, einer bringt ein paar Süßigkeiten mit, Schrippen und Käse liegen schon auf dem Tisch. Aus dem Probenraum sind laute Stimmen zu hören, während am langen Tisch nebenan die anderen Akteure des Jüterboger Theaters der Werktätigen noch kurz beieinander sitzen, ein bisschen erzählen, ein bisschen flachsen, so den stressigen Arbeitstag abschütteln, bevor sie selbst auf die Bühne gehen und für die nächste Inszenierung proben. Regisseur Ernst Werner hat eben noch Christoph Kreibich am Bahnhof eingesammelt, der wird eine der großen Rollen spielen.

Ungewöhnliche Bibelstunde

Am 11. Januar ist Premiere der „Goldberg-Variationen“, ein Stück von George Tabori. Dass Regisseur Ernst Werner ein großer Tabori-Fan ist, kann er kaum verhehlen. Dessen Figuren sind für ihn universell: „Menschliche Charaktere, die es immer gibt.“ Aber die Auswahl eines Stückes, stellt er klar, treffe er nicht allein. Jeder muss sich darauf einlassen wollen. „Wir versuchen immer, Zeitgeschichte anklingen zu lassen“, sagt er. Bei den „Goldberg-Variationen“ hat er geschickt den einen oder anderen bissigen Kommentar eingefügt. Bitterböse ist dieses Stück, eine ungewöhnliche Bibelstunde mit Erkenntnisgewinn und Humor. Mr. Jay im Stück ist quasi ein Kollege von Ernst Werner, denn er ist Regisseur und auch Gottvater, probt auf der Bühne eine Show über die biblische Geschichte. Sein Regieassistent ist Goldberg. Matthias Butsch ist dieser Mr. Jay, der Evas Verlockungen ebenso erliegt wie Adam.

Regisseur Ernst Werner (l.) und Werner Fink sind beide seit Jahrzehnten dabei. Quelle: Karen Grunow

Seit bald fünf Jahren ist er beim Theater der Werktätigen. Häufiger hatte er zuvor Inszenierungen der Truppe gesehen. „Ich war begeistert“, erzählt er. Maren Petzhold, die Eva und wie alle anderen noch weitere Figuren spielt in dem Stück, ist seit letztem Frühjahr dabei. Früher habe sie in der Schule Theater gespielt, im Studium auch. „Vor zwei Jahren habe ich ein Stück des Theaters gesehen, da hat es schon wieder gekribbelt.“ Christoph Kreibich, der Goldberg, aber auch Moses und Jesus ist, ist schon seit der Schulzeit in der Theatertruppe aktiv. Gerade mal vier Wochen habe er es nach seinem Umzug nach Berlin vor einigen Jahren ohne die Mitstreiter in Jüterbog, ohne die Bühne ausgehalten. Seitdem ist er wieder da, jeden Dienstag zur Probe und kurz vor einer Premiere fast jeden Tag – wie alle anderen auch, Weihnachtszeit hin oder her.

Akteure sind zwischen 19 und 79

Der jüngste, Kevin Calaku, ist 19, der älteste, Werner Fink, ist 79. Sein Vater hatte die Theatertruppe einst mit aufgebaut. Fink kann sich an die Anfänge noch erinnern, unter freiem Himmel, auf einer von ortsansässigen Handwerkern gebauten Bühne. „Klaus der lockere Totengräber“ von Walter Fink war das erste Stück der damals noch als Jüterboger Heimatspiele bekannten Gruppe. 1950 war das. Gegründet worden ist das Theater bereits 1949. Seit bald 70 Jahren also sorgt das Ensemble immer wieder für kulturelle Höhepunkte in der Stadt. Das soll nun mit den „Goldberg-Variationen“ zugleich gefeiert werden. Ein umfangreicheres Programmheft, in dem auch noch mal 70 Jahre Jüterboger Theatergeschichte reflektiert werden, wird es geben. Außerdem eine kleine Ausstellung mit früheren Ankündigungsplakaten.

Beeindruckend, was in den Jahren alles inszeniert worden ist. Die Plakate werden als Ausstellung zu sehen sein. Quelle: Karen Grunow

Das Theater der Werktätigen ist ein Laientheater mit großem Anspruch. Die Auswahl der Stücke, die in den vergangenen Jahrzehnten in Jüterbog auf die Bühne kam, beeindruckt: Die Michael Kohlhaas-Fassung von Adolf Dresen, Goethes Urfaust, Max FrischsAndorra“, Shakespeare, Tschechow und immer mal wieder Tabori. Die Truppe sortiert sich immer wieder auch ein bisschen neu. Je nach erforderlicher Personenzahl. So geriet Helmut Balke in das aktuelle Stück. „Ich habe einen Anruf gekriegt und mich gefreut.“ Der Zopfträger gibt unter anderem einen Hells-Angels-Rocker.

Eine kleine Diskussion entspinnt sich. Ob der Ende der 1950er Jahre für das Ensemble etablierte Name „Theater der Werktätigen“ nach der Wende Anstoß erregte? Ja, sagt Werner Fink. Ach Quatsch, sagt Ernst Werner. Die anderen schauen amüsiert. Wie vertraut und zugewandt der Umgang ist, was diese Menschen, dieser Ort, das gemeinsame Projekt jedem bedeuten, ist spürbar. Und zwar bis nach oben auf die Galerie, wo Torsten Haak und Stefan Zenner sitzen und Ton und Licht managen. 156 Sitzplätze hat der Saal, der Mitte der 1980er Jahre im einstigen Franziskanerkloster entstanden ist. Vieles haben die Theaterleute damals selbst realisiert. Werner Fink zeigt es stolz.

50 Stücke in 70 Jahren

Er selbst hat diesmal keine große tragende Rolle, dafür viele kleine. Und ist bei jeder Aufgabe von großer Präsenz auf der Bühne. „Wenn die Leute mal ein Stück gesehen haben, waren sie begeistert“, erinnert er sich. Er hat miterlebt, wie vor fast 70 Jahren alles begann. „Es sind knapp über 50 Stücke, die im Laufe der Jahre aufgeführt wurden“, erzählt Matthias Butsch. „Wir sind vom Prinzip her 70 Jahre ganz gut durchgeschlittert“, sagt Ernst Werner. „Wir haben keinen richtigen Flop gehabt“. Taboris „Goldberg-Variationen“ jedenfalls haben großen Zuspruch verdient. Nicht zuletzt, weil – wie Ernst Werner das große Thema des Werkes knapp und spannend umreißt – „die Sintflut spielen wir ja auch“.

Premiere ist am 11. Januar ab 19.30 Uhr, weitere Aufführungen finden am 12., 25. und 26. Januar statt, jeweils ab 19.30 Uhr. Zuvor gibt es stets eine Einführung in das Stück.

Von Karen Grunow

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