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Jüterbog Rollstuhlfahrer bleibt stecken und ruft um Hilfe – Passanten laufen weiter
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Rollstuhlfahrer bleibt stecken und ruft um Hilfe – Passanten laufen weiter
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01:16 30.03.2019
Erwin Schmid, hier mit einem motorlosen Ersatzrollstuhl, zeigt die Stelle am Wassergraben, wo er in Not geriet. Quelle: Uwe Klemens
Jüterbog

Der Schreck sitzt bei Erwin Schmid auch nach zwei Tagen noch tief. Am späten Sonntagnachmittag machte sich der 88-Jährige mit seinem Elektro-Rollstuhl auf den Weg zum Sonntagsausflug. Seit einem Sturz und einem komplizierten Hüftbruch lebt der ehemalige Luckenwalder seit knapp drei Jahren im Jüterboger Johanniter-Seniorenzentrum im Planeberg und ist auf den Rollstuhl angewiesen. Von dort fährt er täglich eine große Runde. „Um wenigstens ein bisschen in Bewegung zu bleiben und um frische Luft zu schnappen“, sagt der gelernte Elektriker, Weber und Kranfahrer.

Unterwegs auf der Lieblingstour

Die Tour über den Oberhag und entlang des Wassergrabens hinter den Grundstücken am Neumarkttor ist seine Lieblingstour. Seit ihm eine seiner Töchter einen Elektro-Rollstuhl besorgte, fühlt er sich vergleichsweise beweglich und kann auch längere Touren ohne fremde Hilfe bewältigen. Mit einer technischen Panne gerechnet hat er dabei bislang nicht.

Anders am Sonntag. Beim Versuch, den Schlaglöchern auf dem Weg auszuweichen, kam Erwin Schmid auf der Böschung in Schräglage. Dass zusätzlich die Rollstuhl-Steuerung versagte, machte die Sache kompliziert. Ohne fremde Hilfe da rauszukommen, war nicht mehr möglich. Ein Handy besitzt der Senior nicht. Auch wäre ihm die Bedienung in dieser Lage kaum möglich gewesen.

Passanten gehen trotz Hilferufen weiter

Der zweite Schock kam, als ein Ehepaar und ein junger Mann, die ihre Hunde spazieren führten, an dem Hilflosen, trotz seiner Rufe, einfach vorüber gingen, ohne Hilfe zu leisten. „Etwa zehn Minuten habe ich ausharren müssen und Angst gehabt, dass vielleicht gar keiner mehr vorbei kommt“, erinnert sich Schmid. Erst der vierte Passant eilte zur Hilfe und zog ihn und den Rollstuhl wieder zurück auf den Weg.

Seit sich der erste Schreck gelegt hat, quält sich Erwin Schmid mit dem Gefühl, seinem Retter nicht ausreichend gedankt zu haben. „Ich war ja so aufgeregt, dass ich einfach nicht daran gedacht habe, ihn nach seinem Namen zu fragen und womöglich habe ich nicht mal ’Danke’ gesagt“, so Schmid. In der Hoffnung, dass der Alltagsheld vielleicht die MAZ liest, wandte er sich an die Lokalredaktion, um auf diese Weise das Versäumte nachzuholen. Käme ihn der Helfer besuchen, würde er dies natürlich auch gerne persönlich tun.

Welchen Defekt der Rollstuhl hat, muss nun ein Techniker klären. Auf seine ausgedehnten Touren wird Erwin Schmid so lange verzichten müssen. Denn mit dem normalen Rollstuhl und ohne Helfer kommt er nicht so weit.

Von Uwe Klemens

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