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Jüterbog Baustellenbesichtigung der Rühlmann-Orgel
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06:12 03.05.2019
Kirchenmusikdirektor Peter-Michael Seifried erläutert den Besuchern die Geschichte der Rühlmann-orgel, die hinter ihm in neuem Glanz erstrahlt. Davor sieht man das Rückpositiv, die kleine Zusatzorgel am Geländer der Orgelempore. Quelle: Hartmut F. Reck
Jüterbog

Erst Zinn, dann Zink und jetzt wieder Zinn. Die vorderen Pfeifen der berühmten Orgel von Wilhelm Rühlmann in der Jüterboger Nikolaikirche glänzen wieder wie lange nicht mehr. Und sie kann sich neben dem herrlichen Anblick auch wieder hören lassen – ebenfalls wie lange nicht mehr.

Bei der Baustellenbesichtigung rund um die Rühlmann-Orgel in der Nikolaikirche gab es klangvolle Einblicke vor und hinter die Orgel, zu der die Orgelkammer und der Balgraum in der Turmkammer gehört.

Davon konnten sich am Abend des 1. Mai viele Besucher überzeugen. Jüterbogs Kantor und Orgel-Enthusiast Peter-Michael Seifried hatte zu einer Baustellenbesichtigung der Rühlmann-Orgel von 1908 eingeladen. Diese steht nach der langwierigen Restaurierung des Spieltischs und des Austauschs der vorderen, weithin sichtbaren Prospektpfeifen sowie der Restaurierung der Pneumatik kurz vor ihrer Wiedereinweihung.

Zinnpfeifen fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer

Dass so eine alte Orgel nach mehr als 100 Jahren mal überholt werden muss, verwundert niemanden. Aber warum mussten gleich alle riesigen Prospektpfeifen ausgetauscht werden? Die Antwort: Sie bestanden aus Zinn, also aus kriegswichtigem Material, erläuterte Seifried. 1917, im vierten Jahr des Ersten Weltkriegs, mussten alle Gemeinden einen Reichserfassungsbogen über Rohstoffe in ihren Kirchen ausfüllen. Dazu gehörten neben den Glocken auch die Prospektpfeifen, die größer als ein Meter waren.

„Die Orgel war noch keine zehn Jahre alt, als ihre Zinnpfeifen für Kaiser und Vaterland eingeschmolzen und gegen Ofenrohre aus Zink getauscht wurden“ erläuterte Seifried. Einen ähnlichen Frevel hatte man mit der Vorgängerorgel begangen, allerdings nicht aus kriegswichtigen Gründen. „Anstatt sie an die Seite zu stellen und aufzubewahren wurde die alte Wagner-Orgel einfach demontiert, eingeschmolzen oder verbrannt“, bedauerte Kreiskantor Seifried. Der alte Klangkörper galt damals als altmodisch. Sein wohl damals schon historischer Wert wurde von den Kirchenverantwortlichen nicht erkannt.

300. Orgel aus de, Haus Rühlmann

So ist es aber immerhin gelungen, die Rühlmann-Orgel zu erhalten. Sie wurde als „Opus 300“, also als 300. Orgel aus dem Hause Rühlmann, das insgesamt etwa 450 Orgel erschaffen hatte, von Wilhelm Rühlmann junior und Georg Eule eingebaut und intoniert. Um das für Georg Eule typische „Klangdesign“ zu erreichen, wurden fast 3000 Pfeifen – die längste rund fünf Meter lang, die kleinste nicht einmal einen Zentimeter kurz – gestimmt und aufeinander abgestimmt.

Seitdem ist die in dem ursprünglichen barocken Gehäuse der Vorgängerorgel untergebrachte Rühlmann-Orgel 1929 noch um ein „Rückpositiv“, also die kleine Zusatzorgel im Rücken des Organisten, ergänzt worden und mehrmals nach dem jeweils vorherrschenden Klang-Geschmack umgestimmt worden. Mit Christian Schmidt, so schwärmte Seifried, habe man einen Rühlmann-Experten gefunden, der das ursprüngliche Klangdesign von Georg Eule wieder rekonstruieren könne.

34-Jähriger lässt Klangbild wiederentstehen

Der 34-jährige Christian Schmidt, den man mit seiner Kleidung und dem modernen Haarschnitt eher als DJ hinter einer Reihe von Plattentellern vermuten würde als an den 50 Registerknöpfen des Spieltischs, ist gerade gemeinsam mit Orgelbaumeister Benjamin Welde dabei, dieses Klangbild wieder entstehen zu lassen. Schmidt spielte einige improvisierte Musikstücke auf den bereits intonierten Pfeifen, die das große Kirchenschiff bis in die letzte Ecke erfüllten.

Bis zur Einweihung am Pfingstsonntag haben Welde und er noch jede Menge zu tun. Dann soll die spätromantisch-symphonische Orgel mit einem großen Konzert offiziell in Betrieb genommen werden.

Von Hartmut F. Reck

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