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Jüterbog Singrunde zieht durch Seniorenheime
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Singrunde zieht durch Seniorenheime
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17:13 26.12.2018
Liedtexte auswendig lernen, gelingt nicht immer. Aber darauf kommt es beim jährlichen Weihnachtssingen auch nicht an. Quelle: Uwe Klemens
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Jüterbog

Mit einem Gabensack voller Lieder und Anekdoten machte sich zu Heiligabend wieder der SPD-Politiker Erik Stohn mit Freunden. Das für Pfarrer und Musiker gültige Sprichwort „Advent, Advent, ein Pfarrer (Musiker) rennt“, gilt alle Jahre wieder auch für die Akteure des Weihnachtssingens der SPD in Senioreneinrichtungen der Region. Nach dem Auftakt im Awo-Wohnpark in Trebbin und der Zwischenstation in Luckenwalde, wo die Sänger nicht nur im katholischen St.-Josefs-Stift, sondern auch zwei weiteren Heimen textsichere Mitsänger fanden, trafen sie erschöpft, aber glücklich bei den Bewohnern des Jüterboger Awo-Seniorenzentrums ein.

„Singen gehört zu Weihnachten einfach dazu“, ist Erik Stohn überzeugt, der 2001 zum ersten Mal mit dabei war und dem Weihnachtssingen bis heute die Treue hält. Initiiert wurde die inzwischen zur Tradition gewordene Singe-Tour vor 28 Jahren vom damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Steffen Reiche, dessen inzwischen erwachsene Töchter das Singen noch heute regelmäßig begleiten. Auch Stohn, inzwischen nicht nur Landespolitiker und Brandenburgischer Generalsekretär seiner Partei, war noch Jugendlicher, als er zu diese Gruppe stieß. So wie ihm ging es vielen. Einige der diesmal 22 Sängerinnen und Sänger des Chores kamen einst mit ihren Eltern – und blieben später dabei.

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„Ich singe auch privat sehr viel, eigentlich alles, was mir grad so in den Kopf kommt. Aber in der Gemeinschaft zu singen gibt nicht nur den Zuhörern, sondern auch mir ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Geborgenheit“, sagte die 15-jährige Jüterbogerin Ronja Neumann, die mit ihrem Vater und zwei jüngeren Geschwistern nicht zum ersten Mal mit dabei war. „An jedem Ort, wo wir heute schon gesungen haben, gab es mindestens zwei Zuhörer, die Tränen in den Augen hatten und man konnte spüren, wie schön sie es fanden, dass sie die Lieder kannten und mitsingen konnten“, schwärmte in einer Pause die ein Jahr ältere Anne Heinze, die bereits zum zweiten Mal mit zum Chor gehörte.

Genau 60 Jahre älter ist Gerda Rommel, die mit ihren 76 Jahren die älteste in der Runde ist und seit 22 Jahren zum Weihnachtschor gehört. „Musik ist meine Welt“, sagte die Luckenwalderin. „Ich hab noch mit Reiche vor und mit Stolpe gesungen und bin Mitglied im Lyra-Chor. Wenn ich kann, lass’ ich mir keine Gelegenheit zum Singen entgegen.“ Die Musikalität weitergegeben hat Gerda Rommel an ihre elfjährige Enkelin Gerda Elisa, die beim weihnachtlichen Singemarathon fürs Anstimmen und Takthalten zuständig war. Denn auch nach 28 Jahren sitzt nicht jeder Ton auf Anhieb perfekt.

„Dafür treffen wir uns ja auch nur einmal im Jahr ohne zu proben“, sagt Stohn. „Uns reicht es so, denn wir wollen ja keine perfekten Sänger sein, sondern den Menschen, die in einem Seniorenheim leben, eine Freude machen, denn nicht jeder hat noch eine Familie, bei der er die Feiertage verbringen kann oder von der besucht wird“, so Stohn, der seinen Mitstreitern am Ende der kleinen Tournee noch eine Tüte Kekse mit auf den Heimweg gab.

Von Uwe Klemens