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Jüterbog Selbsthilfegruppen werden immer älter
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Selbsthilfegruppen werden immer älter
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15:23 15.05.2019
Egal ob in den eigenen Räumen, im Café oder beim Spaziergang: Das offene Gespräch ist fester Bestandteil vieler Selbsthilfegruppen. Quelle: Stefan Specht/Der Paritätische, Landesverband Brandenburg e. V.
Jüterbog

Selbsthilfe ist nicht mehr das, was sie früher war. „Fröhlicher und aktiver sind unsere Gruppen in den vergangenen Jahren geworden“, sagt Doreen Jape. Die Koordinatorin der Kontakt- und Beratungsstelle in Jüterbog betreut mehr als ein Dutzend Selbsthilfegruppen und ist Ansprechpartnerin für alle Interessierten.

„Es ist schon lange nicht mehr so, dass nur im Stuhlkreis gesessen und geredet wird“, erzählt Jape. „Spaziergänge, Ausflüge oder Treffen in einer Bar oder einem Café, manche Gruppen haben sogar eine eigene Theatergruppe gegründet, um mit ihren Problemen besser umgehen zu können.“

Doreen Jape leitet die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen in Jüterbog. Quelle: Victoria Barnack

Die Selbsthilfe-Landschaft in Teltow-Fläming ist vielfältiger geworden, bestätigt die Koordinatorin. Das gilt auch für die Inhalte. Betroffene ganz unterschiedlicher Erkrankungen tauschen sich in Teltow-Fläming regelmäßig aus.

Osteoporose, Krebs, Demenz und Diabetes sind die Themen, die seit Jahrzehnten gefragt sind. Heute gibt es aber auch Selbsthilfe- und Gesprächsgruppen für Menschen mit Essstörungen, Sprachbehinderungen und für Patienten mit einem künstlichen Darmausgang.

Selbsthilfegruppen in Teltow-Fläming überaltern

Obwohl sich die Krankheitsbilder vervielfältigen: „Die Mitglieder unserer Selbsthilfegruppen werden immer älter“, erzählt Jape. Was immer mehr psychische Krankheiten hervorruft, ist auch Schuld an den alternden Gruppen, vermutet die Koordinatorin.

„Die Menschen sind heute zwar fitter als früher“, sagt Doreen Jape, „aber sie sind auch immer mehr eingebunden, egal ob im Arbeitsleben oder in der eigenen Familie. Nach links und rechts wird da kaum noch geschaut.“

Einmal in der Woche lädt die Kontaktstelle im Jüterboger Nachbarschaftsheim zum Frühstück für alle Interessierten, egal ob mit oder ohne Krankheit. Quelle: Uwe Klemens

Dabei liegt auf der Hand, dass der Bedarf vorhanden ist und sogar steigen dürfte. Arbeitnehmer sind statistisch gesehen immer länger krank geschrieben. Teltow-Fläming lag zuletzt sogar über dem Bundesdurchschnitt. Wer psychisch erkrankt ist, muss in der Region teilweise monatelang auf eine Therapie warten.

Selbsthilfegruppen sind nur selten im Netz aktiv

Doreen Jape vermutet mehrere Gründe hinter der zurückhaltenden Nachfrage für die Angebote zur Selbsthilfe. „Viele Betroffene informieren sich heute übers Internet und vergessen dabei schnell, dass man sich auch vor Ort beraten lassen kann“, sagt sie.

Abseits der Homepage der Koordinierungsstelle sind die Selbsthilfegruppen vor allem im Süden des Landkreises kaum digital zu finden. Nur die Rangsdorfer MS-Selbsthilfegruppe wirbt in einem Online-Kleinanzeigenportal um neue Mitstreiter. Das Durchschnittsalter der Gruppe liegt zwischen 40 und 50 Jahren und ist repräsentativ für viele andere in der Region.

Diese Selbsthilfegruppen gibt es in Teltow-Fläming

In Jüterbog gibt es Selbsthilfegruppen für Krebspatienten, Menschen mit Depressionen, Diabetiker und abstinent lebende Alkoholabhängige.

In Luckenwalde treffen sich Selbsthilfegruppen für Aphasie-Betroffene, für Menschen mit Depressionen, Alkoholkranke, krebskranke Frauen, MS- und Rheuma-Patienten, für Übergewichtige sowie psychisch Kranke und deren Angehörige, für Stomaträger und Darmkrebspatienten.

In Rangsdorfgibt es eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Multipler Sklerose.

In Zellendorf treffen sich sowohl eine Sportgruppe als auch eine Gesprächsgruppe zum Thema Essstörungen.

Neue Selbsthilfegruppen soll es bald in Jüterbog für Menschen mit Burnout oder Parkinson und für Migräne-Patienten geben. In Rangsdorf befindet sich eine Transgender-Selbsthilfegruppe im Aufbau.

„Junge Selbsthilfe findet in Teltow-Fläming noch viel zu wenig statt“, sagt Doreen Jape. Dabei seien bestimmte Krankheitsbilder gerade bei jüngeren Generation besonders ausgeprägt. Depressionen beispielsweise würden oft Jugendliche betreffen, berichtet die Koordinatorin. „Aber die Leute müssen sich trauen, zu uns zu kommen“, sagt sie.

„Nichts zu tun, ist der falsche Weg“

Die Hemmschwelle ist der zweite große Grund für das zögerliche Interesse an der Selbsthilfe in TF. „Sich eine Schwäche einzugestehen, ist nicht leicht“, sagt Doreen Jape, „aber nichts zu tun, ist genau der falsche Weg.“

Mit einem Tag der offenen Tür will sich die Selbsthilfekontaktstelle deshalb vorstellen. „Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche Selbsthilfe wollen wir Interessierten die Möglichkeit geben, einen ersten Kontakt zu unserer Einrichtung oder vielleicht sogar schon einer bestimmten Gruppe zu knüpfen.“

Tag der offenen Tür in der Kontaktstelle

Der Tag der offenen Tür in der regionalen Kontakt- und Informationsstelle für SelbsthilfegruppenFläming“ findet am Dienstag statt.

Ab 13 Uhr ist der Treffpunkt in der Mönchenstraße 44 in Jüterbog geöffnet.

Zahlreiche Selbsthilfegruppen aus dem Landkreis Teltow-Fläming präsentieren sich.

Im gesamten Landkreis gibt es derzeit 16 Selbsthilfegruppen, die von der Jüterboger Kontaktstelle koordiniert werden. „Zum Informationstag wollen sich außerdem einige Gruppen vorstellen, die sich noch in der Gründung befinden“, erzählt Jape.

Neu ist beispielsweise ein Zusammenschluss von Transgender-Menschen in Rangsdorf und eine Migräne-Gruppe in Jüterbog.

Wann, wo und wie oft sich die neuen Gruppen künftig treffen werden, gilt es noch zu klären. „Die Gruppen organisieren sich selbst“, sagt Doreen Jape, „als Kontakt- und Beratungsstelle geben wir einen Raum für Ideen und Inspirationen, damit die Mitglieder ihren Alltag selbst besser bewältigen können.

Von Victoria Barnack

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