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Jüterbog Streit zwischen Boxern und Bürgermeister
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Streit zwischen Boxern und Bürgermeister
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00:22 27.10.2018
Das Gebäude im Grünaer Weg stammt vermutlich aus den 1970er Jahren. Heute beherbergt es die Jüterboger Tafel und die Abteilung Boxen des ESV Lok Jüterbog.
Das Gebäude im Grünaer Weg stammt vermutlich aus den 1970er Jahren. Heute beherbergt es die Jüterboger Tafel und die Abteilung Boxen des ESV Lok Jüterbog. Quelle: Victoria Barnack
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Jüterbog

Um die Zukunft der Jüterboger Boxer steht es schlecht. Wegen Finanzproblemen droht dem Verein, der einst Olympiasieger Henry Maske hervorbrachte, der Rausschmiss aus seiner aktuellen Trainingsstätte. Denn der Eisenbahner-Sportverein (ESV) Lokomotive Jüterbog steckt im Streit mit der Stadt Jüterbog, der das Gebäude gehört, um eine Nebenkostennachzahlung von über 800 Euro. „Die geforderten Betriebskosten übersteigen den Haushalt des ESV“, erklärt der Vereinsvorsitzende Helmut Meck und kritisiert, dass die Summe für Strom, Wasser und andere Nebenkosten laut Abrechnung nicht nachvollziehbar sei.

Kündigung wohl schon zum Jahreswechsel

Seit drei Jahren trainieren die derzeit 16 Boxer am Rande des Gewerbegebietes Luckenwalder Berg. In dem ehemaligen Meliorationsgebäude im Grünaer Weg haben sie sich hauptsächlich in Eigenleistung den alten Kulturraum als Sporthalle hergerichtet. Schon 2015 gab es Probleme bei der Finanzierung. Die Boxer waren öffentlichkeitswirksam auf Sponsorensuche gegangen. Nun stehen sie wieder vor dem Aus.

16 Boxer trainieren derzeit bei dem Jüterboger Verein. Quelle: Privat

„Ich sehe die Nöte beim Verein, aber als Stadt müssen wir jetzt reagieren“, sagt Bürgermeister Arne Raue (parteilos), „wenn nicht bald etwas passiert, müssen die Boxer zu Januar aus dem Gebäude raus.“ Raue will damit verhindern, dass die Schulden bei der Stadt weiter steigen. Denn das sei absehbar. „Seit mehreren Monaten zahlen sie nicht ausreichend Abschläge“, so Raue.

ESV: „Hohe Betriebskosten waren nicht absehbar“

ESV-Chef Meck bestreitet das. Die vereinbarten 100 Euro pro Monat für die Betriebskosten würde der Verein zahlen. In einem Gespräch mit Bürgermeister und Kämmerer habe man zudem nach einem Kompromiss gesucht. Der Verein wünscht sich laut Meck ein finanzielles Entgegenkommen der Stadt.

Helmut Meck ist seit vielen Jahren der Vorsitzende des ESV. Quelle: Uwe Klemens

Das kam bisher allerdings nicht zustande – stattdessen erreichte ihn in dieser Woche die zweite Mahnung zur Zahlung der mehr als 800 Euro. „Dass die Betriebskosten so hoch sein würden, war für uns nicht absehbar“, sagt Meck. Woher der Verein mit knapp 50 Mitgliedern das Geld nehmen soll, weiß auch er nicht. „Natürlich suchen wir Sponsoren“, sagt Meck, „aber hier stehen wir in Konkurrenz zu anderen Vereinen, Schulen und Kitas.“

Sanierung des Hauses wird teuer

Die Kritik des Bürgermeisters trifft allerdings nicht allein den Sportverein. In dem Gebäude befindet sich seit vielen Jahren auch die Jüterboger Tafel. Sie hat ebenfalls eine Vereinbarung mit der Stadt darüber, dass zwar keine Miete gezahlt dafür aber Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten am Gebäude stattfinden sollen. Denn das Haus stammt aus DDR-Zeiten und wurde seitdem nicht erneuert.

Nach einem Einbruch in 2016 wurden die Fenster zu den Räumen der Tafel zwar gesichert, jedoch nicht saniert. Quelle: Victoria Barnack

„Seit fünf Jahren hat die Tafel entgegen der Abmachung keine Arbeiten mehr am Gebäude durchgeführt“, bemängelt Raue. Beim Arbeitslosenverband, dem Träger der Einrichtung, bekennt man sich zu den Missständen. „Auch wir haben nicht das Geld, dieses Haus zu sanieren“, sagt Regionalbereichsleiterin Carola Lademann. Die Kosten dafür schätzt die Stadt auf eine mittlere sechsstellige Summe.

Gespräche über einen möglichen Umzug der Tafel habe des deshalb bereits gegeben, sagt Lademann. Voraussetzung: „Wir wollen einen anderen, zentralen Standort in Jüterbog finden“, erklärt sie. In der Kleinstadt präsent zu sein, sei dem Verband wichtig, deswegen sei man auch bereit das Haus im Grünaer Weg aufzugeben, sobald es eine passende Alternative gibt.

Von Victoria Barnack

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