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Jüterbog Theater der Werktätigen feiert Premiere und Geburtstag
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00:21 16.01.2019
Im Jahr des 70. Jubiläums brachte das Theater der Werktätigen in Jüterbog biblische Szenen auf die Bühne.
Im Jahr des 70. Jubiläums brachte das Theater der Werktätigen in Jüterbog biblische Szenen auf die Bühne. Quelle: Victoria Barnack
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Jüterbog

Der Saal im Kulturquartier im Jüterboger Mönchenkloster ist ausverkauft. Wie könnte es auch anders sein, wenn das Theater der Werktätigen die Premiere seines neuen Stückes feiert? Dazu noch im Jahr des 70. Jubiläums. Und zum Geburtstag hat es sich die Truppe nicht leicht gemacht.

Denn die „Goldberg-Variationen“ von George Tabori sind komisch und tragisch zugleich und so anspruchsvoll, dass Regisseur Ernst Werner sein Publikum am Freitagabend nicht ohne einige Vorworte in die Premiere gehen lassen wollte. „Das faszinierende an dem Stück ist, wie viele verschiedenen Ebenen Tabori darin einbaut“, sagt er über die Herausforderung der „Goldberg-Variationen“.

Kain und Abel, Adam und Eva und Jesus am Kreuz: Mit den „Goldberg-Variationen“ bringt das Jüterboger Theater der Werktätigen biblische Szenen auf die Bühne.

Doch von vorn: Christoph Kreibich in einer der Hauptrollen spielt Goldberg, den passionierten Theatermenschen, Juden und er stellt Jesus dar, den Gottessohn, und auch noch den Assistenten des großen Mister Jay. J wie Jahwe. Der alte Regisseur, von Matthias Butsch gespielt, sieht sich als Theater-Gott und ist gleichzeitig ein Judenhasser in der Gruppe, die in Jerusalem ein Stück voller biblischer Szenen einstudiert.

„Wir inszenieren hier eine Probe“, erklärt Ernst Werner dem Publikum vorab. Denn das Stück springt von Gegenwärtigem zu Vergangenem, von Gespieltem zu Echtem, von Biblischem zu Zwischenmenschlichem.

Kein stück ohne Blick auf die Zeitgeschichte

Und dann ist da noch der Selbstanspruch der Laienschauspielgruppe aus Jüterbog. Schließlich soll zum 70. Jubiläum nach circa 50 Premieren auch diese nicht einfach nur auswendig gelernter Text mit großen Gesten sein. „Wir versuchen immer, Zeitgeschichte anklingen zu lassen“, erklärt der Regisseur.

Und es gelingt ihm: In das Stück, das vor 28 Jahren seine Uraufführung feierte – zu einer Zeit, in der gerade Mauern und Grenzen gefallen waren und das sozialistische Weltsystem implodierte – haben es aktuelle Bemerkungen geschafft: „Moses muss weg“ und „Ihr seid nur ein Vogelschiss in der Geschichte“.

Trotz der Neuerungen, die es in das Stück von Tabori geschafft haben, bleibt auch in Jüterbog das Ende wie immer: Goldberg stirbt am Kreuz aus Überzeugung an seinen Glauben – an das Theater – und das Publikum schenkt den Schauspielern den Lohn für ihre monatelange Arbeit in Form von Ovationen.

Weitere Aufführungen

Am 25. und 26. Januar führt das Theater der Werktätigen die „Goldberg-Variationen“ erneut im Jüterboger Kulturquartier auf.

Anlässlich des Jubiläums ist im Kreuzgang des Mönchenkloster in dieser Zeit auch eine Ausstellung zur Geschichte des Theaters der Werktätigen zu sehen.

Von Victoria Barnack

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