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Jüterbog Türme der Nikolaikirche für Besucher geschlossen
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog Türme der Nikolaikirche für Besucher geschlossen
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02:21 20.04.2018
Die Aussichtstürme der Nikolaikirche bleiben bis auf Weiteres für die Öffentlichkeit geschlossen. Quelle: Victoria Barnack
Jüterbog

Aus Protest gegen Anfeindungen, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sperrt die evangelische Kirchengemeinde Jüterbog ab Montag die Aussichtstürme der Nikolaikirche für die Öffentlichkeit. Mit diesem Beschluss reagiert der Gemeindekirchenrat auf eine Kampagne gegen Pfarrerin Mechthild Falk, an der auch Bürgermeister Arne Raue (parteilos) beteiligt sein soll, sagte Generalsuperintendent Martin Herche von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Sonnabend in Berlin.

Der Pfarrerin und anderen in der Flüchtlingshilfe Engagierten werde vorgeworfen, sie würden Straftaten ermöglichen, unterstützen oder gar selbst begehen (die MAZ berichtete), heißt es in einer Erklärung des Gemeindekirchenrates. „Wir akzeptieren es nicht, wenn Würdenträger der Stadt privat oder öffentlich falsche Behauptungen aufstellen, um das für ihre politischen Ziele zu nutzen“, so der Gemeindekirchenrat.

„Politisches Abendgebet“ anlässlich einer Kundgebung von „Zukunft Heimat“ am Freitag in Jüterbog. Quelle: Uwe Klemens

Anlass der gegen Mechthild Falk erhobenen Vorwürfe ist unter anderem, dass sie mit einem Flüchtling, der ohne Fahrerlaubnis Auto gefahren ist, das klärende Gespräch gesucht statt Anzeige erstattet hat. In einem Fall von Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen hatte die Flüchtlingshilfe keine Anzeige erstattet, weil das bereits die Leitung des Flüchtlingswohnheimes getan hatte.

Der Gemeindekirchenrat stellt sich hinter Pfarrerin Falk. „Sie hat rechtlich einwandfrei gehandelt und wir teilen auch die moralische Einschätzung von Frau Falk“, heißt es in der Stellungnahme.

Falsche Beschuldigungen werden nicht geduldet

Mit der Schließung der Türme wolle man ein Zeichen setzen. „Man kann unterschiedlicher Meinung sein“, sagte Bernhard Gutsche, geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Jüterbog, gegenüber der MAZ, „aber wir können juristische Falschaussagen und Beschuldigungen nicht dulden.“ So habe man Mechthild Falk ganz konkret Strafvereitelung vorgeworfen, was selbst einer Straftat gleichkomme.

„Es tut uns leid, dass die Turmschließung auch Auswirkungen auf jene hat, für die wir eigentlich da sein wollen“, erklärt Gutsche, „aber wir halten den Schritt für notwendig und nicht verfehlt.“ Von der Stadt fordert die Kirche, „dass sie sich hinter Frau Falk stellt“ und erwartet einen „korrekten Umgang mit den Fakten“.

Entscheidung nicht leicht gemacht

„Die Kirchen bleiben als Orte des Gebets geöffnet“, versichert Gutsche, die Aussichtstürme vorerst nicht. Gutsche hofft, „dass die Stadt an Sensibilität gewinnt, um dem Klima aus Hass und Hetze etwas entgegenzusetzen“. Für Besucher wird es an der Kirche eine ausführliche Information zu den Gründen der Schließung geben.

„Wir haben uns selbst die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Mechthild Falk, die sich nach wie vor einer Hass-Kampagne ausgesetzt fühlt. „Aber wir müssen ein politisches Zeichen setzen, dass hier eine Grenze überschritten wurde.“ Sobald die Stadt signalisiere, dass sie sich von den falschen Beschuldigung distanziere, würden die Türme wieder geöffnet.

Von Elinor Wenke

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