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Jüterbog 600 Hektar Wald brennen auf dem Schießplatz Jüterbog
Lokales Teltow-Fläming Jüterbog 600 Hektar Wald brennen auf dem Schießplatz Jüterbog
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00:25 07.06.2019
Brennender Wald bei Frankenförde. Quelle: Landkreis Teltow-Fläming
Jüterbog/Frankenförde

Der Landkreis Teltow-Fläming kämpft weiterhin mit zwei großen Waldbränden, zum einen auf dem so genannten „Schießplatz“, dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog-West, zum anderen bei Frankenförde und Zülichendorf. Nach Angaben der Stadtverwaltung Jüterbog hat sich der Großbrand auf dem Schießplatz nunmehr auf mehr als 600 Hektar ausgeweitet. Das Feuer sei nicht unter Kontrolle, heißt es.

Auch am Abend um 19.30 Uhr ist die Lage nach Angaben der Stadt Jüterbog unverändert und die Situation für alle Einsatzkräfte weiter angespannt. Eine Gefahr für die umliegenden Ortslagen bestehe aber nach wie vor nicht.

Aktuell sind rund 100 freiwillige Feuerwehrmänner und -frauen vor Ort, um die Flammen von den Schutzstreifen oder geräumten Wegen aus unter Kontrolle zu halten. Dies sei erforderlich, weil es sich zum Teil um Kampfmittelverdachtsflächen handelt.

Innenminister Schröter vor Ort

Zwei Hubschrauber der Bundes- und der Landespolizei sind zum Löschen und Erkunden der Lage noch bis etwa 20.45 Uhr im Einsatz, um die Löscharbeiten der Kameraden mit den sogenannten „Big Packs“ – Wasserbehälter mit einem Volumen von 800 bis 1000 Litern – zu unterstützen. Darüber hinaus werden die Einsatzleitung sowie vier Tanklöschfahrzeuge zur Sicherheit über Nacht am Schießplatz bleiben.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg steht den Einsatzkräften beratend zur Seite. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) machten sich am Nachmittag gemeinsam mit dem Kreisbrandmeister Tino Gausche vor Ort ein Bild von der Lage. Die Einwohner der angrenzenden Orte Kloster Zinna, Neuheim und Frankenförde seien nicht in Gefahr.

Ein Hubschrauber ist im Bereich Frankenförde/Felgentreu unterwegs, um den Brand zu löschen. Auch in Hennickendorf/Ahrensdorf haben die Feuerwehrleute zu tun, weil immer wieder Brandnester neu auflodern.

Fenster und Türen sollen geschlossen bleiben

Dennoch empfehlen die Behörden aufgrund der starken Rauchentwicklung unbedingt weiterhin Fenster und Türen geschlossen zu halten und vor allem für Kinder den Aufenthalt im Freien zu meiden. Eine getroffene Maßnahme war die Absage der Schwimmkurse im Jüterboger Freibad, damit die Kinder die schlechte Luft nicht einatmen, weil nicht nur der Wald, sondern auch Munition dort verbrennt. „Da weiß man nie, was da drin ist“, sagt Jüterbogs Pressesprecherin Kathrin Burghardt.

Kinder in Zülichendorf werden abgeholt

Der Brand bei Frankenförde und Hennickendorf ist zwar unter Kontrolle, dennoch spitzt sich auch dort die Lage zu. Eltern, dessen Kinder in der Grundschule „Am Pekenberg“, der Kita „Entdeckerland“ oder im Hort „Sonnenschein“ in Zülichendorf untergebracht sind, wurden darum gebeten, ihre Kinder abzuholen. Grund dafür sei die enorme Rauchbelastung in Verbindung mit den Temperaturen.

Nuthe-Urstromtals stellvertretende Bürgermeisterin Doris Höhne berichtet: „Für die Kinder ist es einfach belastend. Sie dürfen sich nur drinnen bei geschlossenen Fenstern und Türen aufhalten und dazu kommt noch die Hitze.“ Laut Höhne sollen in der Kita alle Kinder bis 15 Uhr abgeholt sein. Hortkinder, die noch länger warten müssen, werden in die Turnhalle der Schule gebracht. Dort hätten sie mehr Bewegungsfreiheit.

Kinder werden im Notfall aufgeteilt

Wie die Situation am Mittwoch aussieht, müsse man laut Doris Höhne abwarten. Sie erklärt: „Die Kita in Zülichendorf wird ab 6 Uhr erstmal besetzt sein. Wenn sich die Lage bis dahin verschlimmert, müssen wir die Kinder und Erzieher auf die anderen Einrichtungen aufteilen. Das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben.“ Höhne hoffe jedoch nicht, dass es dazu kommt.

Bürgermeister Stefan Scheddin ist aktuell noch bei den Einsatzkräften vor Ort. Auf MAZ-Nachfrage zum Thema stellte er am Telefon jedoch klar: „Es besteht keine Gefahr.“ Die Bitte, dass Eltern ihre Kinder aus Zülichendorf abholen sollen, sei rein vorsorglich gewesen. Laut Scheddin wolle man damit verhindern, dass die Kinder der starken Rauchentwicklung den ganzen Tag ausgesetzt sind. „Es ist für alle ein unangenehmes Gefühl“, so der Bürgermeister.

Wegen des Waldbrandes und der Löscharbeiten bleibt nach wie vor die Kreisstraße K 7218 zwischen Frankenförde und Felgentreu gesperrt.

Die ganze Nacht über waren die Feuerwehrleute an beiden Brandorten im Einsatz. Am Morgen standen dort 43 Kameraden mit 13 Autos bereit, um zu löschen, wo es notwendig ist. Überall lodern immer wieder Glutnester auf und die Hitze macht den Einsatzkräften zusätzlich zu schaffen.

Hubschrauber im Einsatz

In Frankenförde ist seit morgens ein Hubschrauber der Bundespolizei im Einsatz. Die Feuerwehrmänner haben dort die Wasserversorgung aufgebaut, sodass der Hubschrauber im Zweiminutentakt Wasser aus den mit 36.000 Liter Wasser befüllten Fireflex-Tank holen kann. Die Einsatzkräfte können nicht ins Waldgebiet fahren, da die Flächen mit Munition belastet sind. Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue kam am Dienstagmittag zu seinem Amtskollegen Stefan Scheddin in Nuthe-Urstromtal, um sich die Lage vor Ort anzuschauen. Denn inzwischen war das Feuer am Montagabend vom ehemaligen Truppenübungsplatz in Jüterbog nach Frankenförde und Felgentreu gezogen.

Einsatzleitung in Frankenförde

Zur Verstärkung ist die Jüterboger Feuerwehr sowie die Brandschutzeinheit Nord nach Frankenförde gekommen. Dort hat die Einsatzleitung Position bezogen. Bereits am Montagabend als der Wind gedreht hatte, galt vor allem den Ortschaften Frankenförde und Felgentreu mit der Gärtnerei größte Aufmerksamkeit. Der Brunnen in Frankenförde bringt 1600 Liter in der Minute und so hoffen alle Beteiligten, dass der Brunnen die Belastung übersteht.

Hubschrauber fliegt sehr tief

Der Hubschrauber fliegt im Einsatz nur etwa 200 Meter über den brennenden Wald. Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue hält das für sehr gefährlich. Der Innenminister habe 1000 Meter Entfernung empfohlen. Die kann der Hubschrauberpilot nicht einhalten. Würde er höher fliegen, würde das Wasser noch in der Luft verdampfen. „Ich hatte mir vorgenommen keine Aussage mehr zu Bund und Land zu machen. Aber das Land hat es sich schon sehr leicht gemacht, indem die Flächen einer Stiftung übergeben wurden. Damit hat sich das Land aller Sorgen eines Eigentümers entledigt“, so Raue. Er hat seinen Feuerwehrleuten verboten, munitionsbelastete Wälder zu betreten.

Bürgermeister sehen Löscheinsatz kritisch

Nuthe-Urstromtals Bürgermeister Stefan Scheddin sieht das Löschen in munitionsbelasteten Wäldern ebenso kritisch wie sein Amtskollege Raue. Am Montag sei es mehrfach zu Detonationen im Wald zwischen Hennickendorf und Ahrensdorf gekommen. Zudem haben sich auf den durch schwere Technik zerfahrenen Wegen etliche Fahrzeuge festgefahren. Ein Generator ist heiß gelaufen und ein Feuerwehrfahrzeug ist in Brand geraten, konnte aber schnell gelöscht werden.

Feuer ging von einem Holzstapel aus

Jens Dockhorn vom Bundesforstbetrieb hat sich am Dienstagfrüh die abgebrannten Waldflächen noch einmal angesehen. „Insgesamt sind rund 50 Hektar Wald rings um Hennickendorf und Ahrensdorf den Flammen zum Opfer gefallen. Davon die Hälfte Landeswald und etwa 25 Hektar Privatwald“, so Dockhorn. Nach ersten Erkenntnissen ist das Feuer von einem Holzstapel ausgegangen. Der Verdacht, dass es sich um Brandstiftung handelt, nimmt immer mehr zu.

Märtensmühle stand vor der Evakuierung

Wenn sich das Feuer am Montag weiter ausgebreitet hätte, wäre Märtensmühle evakuiert worden. „Das größte Problem für uns war, dass sich der Brand so schnell ausgebreitet hat und die Wälder eng bewachsen sind. Durch die schlechte Zuwegung sind wir nicht rankommen und dann gab es mehrere Detonationen. Wir sind nur an die Ränder gekommen und nicht in die Fläche. Und dann waren durch Feuer und Rauch auch noch die Wege dicht“, sagte Einsatzleiter Mathias Richter.

Beregungsanlagen sollen Ausbreitung des Feuers verhindern

Damit die Kameraden nicht die Munitionsflächen betreten müssen, wurden am Dienstagvormittag Abrollcontainer an den Waldrändern um Hennickendorf aufgestellt. Das sind Beregnungsanlagen, die ein Ausbreiten des Feuers verhindern sollen. Schon jetzt steht fest, dass die Feuerwehrleute auch in den nächsten Tag noch mit den Bränden zu tun haben werden. „Ein großer Dank gilt nicht nur den Feuerwehrleuten, sondern auch den Bauern und Agrarbetrieben aus Nuthe-Urstromtal, die uns unterstützen“, so Scheddin.

Erste Löscherfolge bei Hennickendorf und Baruth

Ein zweiter Brand bei Hennickendorf ist unter Kontrolle, aber nach wie vor nicht gelöscht. Hier hatten sich die Flammen am Montag auf ein Areal von circa 60 Hektar ausgedehnt. Nach wie vor sind auch dort Feuerwehrkräfte im Einsatz.

Zwei weitere Brände bei nahe dem Baruther Ortsteil Mückendorf und dem Jüterboger Ortsteil Neuheim konnten am Montag gelöscht werden.

Von Margrit Hahn, Isabelle Richter und Hartmut F. Reck

15 Jahre lang war sie Ortsvorsteherin in Kloster Zinna, zehn Jahre Stadtverordnete. Aus Enttäuschung über das neue Wahlergebnis nimmt Gabriele Schröder (SPD) die Wahl in den Ortsvorstand nicht an.

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