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Teltow-Fläming Kitas bereiten Kinder auf die Schule vor
Lokales Teltow-Fläming Kitas bereiten Kinder auf die Schule vor
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15:15 05.05.2015
In der Kita „Brüderchen und Schwesterchen“ in Königs Wusterhausen,
In der Kita „Brüderchen und Schwesterchen“ in Königs Wusterhausen, Quelle: Gerlinde Irmscher.
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Dahmeland-Fläming

Einfach die Kinder hüten war gestern, heute suchen Eltern Kitas nach deren Erziehungs-Profil aus. Die Einrichtungen in der Region haben sich darauf eingestellt. Früh übt sich, wer später mal eine begehrte Fachkraft werden will. Jeden Morgen um neun wird in der Kita „Brüderchen und Schwesterchen“ in Königs Wusterhausen experimentiert: Die Kleinsten stehen am Duschrand und lassen mit einer Gießkanne Wasser über eine Spielzeugmühle laufen. Nebenan lernen Jungen und Mädchen, was passiert, wenn man Zucker oder Salz in ein Glas Wasser rührt. Und in einem anderen Raum geht es darum, einen Eisblock aus einer Tupperware zu lösen. Nota bene: Wasserbad in Kombination mit roher Gewalt führt zum gewünschten Ergebnis.

Schon die Jüngsten langsam aber sicher an die Naturwissenschaften heranführen: Dafür hat die Kita „Brüderchen und Schwesterchen“ das Zertifikat „Haus der kleinen Forscher bekommen“, einer von der Bundesregierung geförderten Initiative von Wirtschaft und Wissenschaft, die den Nachwuchs so früh wie möglich für Physik, Biologie oder Chemie begeistern will. Aber die ASB-Kita ist längst nicht das einzige Beispiel dafür, wie Kitas in der Region um die Herzen der Eltern buhlen – oder Eltern gleich ihre eigene Kita gründen.

„Wir waren unzufrieden mit dem bestehenden Angebot in Rangsdorf, große Einrichtungen, wenig Spezialisierung“, erzählt Ulf Reinshagen. „Also haben wir 2009 einen Trägerverein und dann die Kita ,Lino‘ gegründet.“ 29 Kinder, vier Erzieherinnen und eine Auszubildende, Schwerpunkt: Erziehung zum Nachhaltigkeitsgedanken. „Wir sind keine Waldorf-Kita, aber die Kinder sollen schon darauf achten, was sie essen und Müll zu vermeiden“, sagt Ulf Reinshagen.

Einen Zwang zur Vereinsmitgliedschaft gibt es für Eltern nicht, „aber wir legen schon Wert darauf“, so der 40-jährige Versicherungsgutachter und Vater von fünf Kindern. „Weil wir im Verein natürlich auch das Programm gestalten.“ Bis auf einen Extra-Mitgliedsbeitrag zahlen Eltern in der Kita „Lino“ die gleichen Gebühren wie in städtischen Kitas. „Unsere Elternpaare kommen aus allen sozialen Schichten, das Ganze hat eher was von einer Nachbarschaftsinitiative“, so Reinshagen.

Aber nicht nur freie Träger wie der Kita-Lino-Verein setzen auf Profilbildung. Das DRK etwa bietet in seinen insgesamt acht Kitas in der Region auf Kneipp-Kuren, Bewegungs-Erziehung oder Betreuung durch englische Muttersprachler. „Die Eltern orientieren sich inzwischen auch immer stärker an den Schwerpunkten der Kitas“, berichtet Simone Rathmann, die Leiterin der DRK-Kita in Großbeeren und Praxisberaterin des Kreisverbandes. „Früher hätten wir uns gewünscht, dass sich die Eltern unsere Konzepte mal durchlesen. Heute erklären sie die uns.“

Besonders Akademiker-Eltern gingen heute bewusster mit dem Thema Erziehung um als früher: „Da wird das Profil einer Kita als große Chance gesehen, zum Beispiel um das Kind zweisprachig oder zu besonders gesunder Lebensweise zu erziehen“, sagt Simone Rathmann. „Alles steht unter der Frage, Kind, was soll mal aus dir werden?“

Themen wie gesunde Ernährung und Zweisprachigkeit spielen auch in den zehn Kitas eine Rolle, die die AWO in der Region Dahmeland-Fläming unterhält. Dort setzt man zudem auf das so genannte Infans-Konzept, das vom Berliner Institut für angewandte Sozialisationsforschung entwickelt wurde. „Das Infans-Konzept basiert auf dem Gedanken, dass Bildung immer von der eigenen Person ausgeht“, erklärt Katja Hilbert, die AWO-Fachbereichsleiterin für Kinder- und Jugendarbeit. „Es geht darum, zu beobachten, welche Interessen das Kind gerade hat und entsprechende Angebote zu machen.“

In der Wünsdorfer AWO-Kita „Rappelkiste“ wird das Infans-Konzept nicht nur angewandt, sondern auch weitervermittelt. Rund 400 Erzieherinnen und Erzieher haben das Angebot der Konsultations-Kita im vergangenen Jahr in Anspruch genommen. Selbst aus Baden-Württemberg und der Schweiz reisen inzwischen die Pädagogen an, um sich fortbilden zu lassen. „Die ,Rappelkiste‘ ist bundesweit modellhaft und ein Beispiel dafür, wie gut sich die Kita-Landschaft in Brandenburg zum Teil entwickelt hat“, sagt Detlef Diskowski, der im brandenburgischen Bildungsministerium für Kitas zuständig ist. „Das ist moderne Pädagogik, die dort praktiziert und gelehrt wird.“

Aber der Erziehungsexperte sieht nicht alle Entwicklungen im Kita-Bereich so euphorisch: „Initiativen wie Haus der kleinen Forscher sind gut, weil sie Bewegung in die Kita-Landschaft bringen und ja auch viel Engagement und neue Ideen bedeuten“, sagt der 64-Jährige, der seit 1992 im Ministerium ist. Aber manchmal ist die Umsetzung zu einfach gedacht. Wenn man Kinder eine Glühbirne einschalten lässt und ihnen dann in einfachen Worten das Prinzip Elektrizität erklärt, macht das aus ihnen noch keine angehenden Ingenieure. Im Bereich Musik und Sport gilt das Gleiche.“

Die Fachkräfte von morgen wachsen vielleicht nicht in den Kitas heran: „Aber auf jeden Fall eine sehr selbstbewusste Generation heran, die auch keine Angst hat, dem Chef die Meinung zu sagen“, glaubt Simone Rathmann vom DRK. „Darauf müssen wir uns als Gesellschaft einstellen.“

Von Martin Küper

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