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Teltow-Fläming Drei Jahre und acht Monate Haft für Cannabis-Anbau
Lokales Teltow-Fläming Drei Jahre und acht Monate Haft für Cannabis-Anbau
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15:41 28.08.2019
Die Hanf-Plantage nach ihrer Entdeckung 2018. Quelle: Polizeidirektion West
Klausdorf / Potsdam

Drei Jahre, acht Monate – zu dieser Haftstrafe verurteilte das Landgericht Potsdam am Dienstag den 26-jährige Justin S. in Haft, nachdem er im alten Ziegeleiwerk in Klausdorf drei Monate lang eine riesige Cannabis-Plantage betrieben hatte.Die Anlage mit rund 350 Pflanzen, die im Straßenverkauf etwa 230.000 Euro erbracht hätte, war von der Polizei im Oktober 2018 kurz vor der Erntereife entdeckt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, binnen einer Woche können S. und auch die Staatsanwaltschaft Revision einlegen.

Angeklagter gesteht

Am letzten Verhandlungstag hatte S. schließlich doch noch gestanden, die Plantage allein aufgebaut zu haben – nachdem die Beweislage erdrückend war. Als wenig später das Urteil verkündet wurde, musste aber auch er tief durchatmen und legte die Hände vors Gesicht. Die 4. große Strafkammer ging über die Forderung von Staatsanwalt Karsten Kukuk hinaus, der drei Jahre Gefängnis für den Plantagen-Betrieb gefordert hatte. S. Anwalt Steffen Beilke hatte dagegen zwei Jahre für angemessen gehalten.

Er geriet in Berlin und Brandenburg auf die schiefe Bahn

Für das Betreiben der Anlage, das rechtlich als Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge eingestuft wird, setzten die Richter dabei drei Jahre und sechs Monate an. Anschließend bezogen sie drei Geldstrafen ein, zu denen S. kurz vor seiner Zeit als Cannabis-Pflanzer von zwei Amtsgerichten verurteilt worden war – für das Fahren mit falschen Nummernschildern und ohne Führerschein. Schon da war klar geworden, dass der berufsbedingte Ausflug des gebürtigen Bocholters nach Berlin und Brandenburg ihn in einen nicht vorteilhaften Freundeskreis und auf die schiefe Bahn geführt hatte.

Richter Axel Gerlach ließ die Stationen Revue passieren: Kokainkonsum, Verlust des Führerschein, dann der Arbeit als Anlagenmechaniker, schließlich auch der Wohnung in Zossen. Zuletzt hauste er in einem kleinen Raum neben der Plantage. Dort fand ihn die Polizei, die mit einem Durchsuchungsbeschluss wegen eines Tankdiebstahls angerückt war, im Oktober 2018. Seitdem sitzt S. in Untersuchungshaft.

Richter: Große Menge ist der Grund für harte Strafe

„Was Ihnen auf die Füße fällt, ist diese ungeheuer große Menge“, sagte Gerlach. Die nicht geringe Menge von 7,5 Gramm Wirkstoffgehalt sei um das 300-fache überschritten. „Damit hätte man eine Kleinstadt mal eine Zeit lang flachlegen können“, formulierte der Richter. Dass ein als Taschenlampe getarnter Elektroschocker von verschiedenen Polizisten nicht auf Funktionsfähigkeit getestet wurde, ersparte ihm eine höhere Strafe. Die Waffe war, ebenso wie ein Beil, auch bei der Durchsuchung gefunden worden, aber nicht in der Nähe der Pflanzen.

Ermittlungen dauern an

Beendet sind die Ermittlungen rund um die Cannabis-Plantage in Klausdorf damit aber noch lange nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen vier weitere Personen, Anklage wurden noch nicht erhoben. Dass die Dimensionen erheblich sein dürften, wurde an den sechs Sitzungstagen immer wieder deutlich. S. selbst gab keine Namen von angeblichen Mittätern oder Hintermännern preis. Strafverteidiger Beilke sprach in seinem Plädoyer davon, S. habe „Angst um seine Familie und sein Leben, wenn er sich weiter einlässt“. Auch aussteigen hätte er nicht können, es gab eine „erhebliche Drucksituation“.

Offenbar Druck auf den Angeklagten von außen

Ähnlich hatten es Polizisten wahrgenommen, die nach der Festnahme mit S. gesprochen hatte. „Er hat mehrfach angedeutet, dass er in Haft wollte“, sagte ein Beamter vergangene Woche aus. Ein anderer meinte, S. habe auf der Plantage nur die Drecksarbeit gemacht. Er habe alles auf seine Kappe genommen, aber aufgrund der Gesamtumstände „geht das nicht allein“. S. sei hin- und hergerissen gewesen zwischen Reinen-Tisch-Machen und dem Druck von außen. Er hätte auch erwähnt, schon mal in eine scharfe Waffe geguckt zu haben.

Justin S. will Strafe in NRW absitzen

Mehrmals bat S. die Beamten auch darum, nicht in die JVA Cottbus zu müssen – auch am Dienstag wiederholte er seine Bitte vor Gericht. Er hofft, seine Strafe in Nordrhein-Westfalen absitzen zu können. Dort, wo er herstammt und wo seine Familie lebt, will er sein Leben „rechtschaffen“ gestalten, versprach er den Richtern. Dann musste er zurück in die Zelle.

Von Ingmar Höfgen

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