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Teltow-Fläming Schnaps aus Kloster Zinna bald aus Holland
Lokales Teltow-Fläming Schnaps aus Kloster Zinna bald aus Holland
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10:26 09.01.2015
Nach geheimem Rezept wird die Kräuteressenz des Klosterbruders in der Schaudestille in der Neuen Abtei im Kloster Zinna hergestellt.
Nach geheimem Rezept wird die Kräuteressenz des Klosterbruders in der Schaudestille in der Neuen Abtei im Kloster Zinna hergestellt. Quelle: Iffert
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Kloster Zinna

Ende Februar soll die Spirituosenproduktion der Zahnaer Likörfabrik eingestellt werden. Das betrifft nicht nur den Verkaufsschlager „Fläminger Jagd“, des Unternehmens „Drinks & Food“ Vertriebs-GmbH im sachsen-anhaltinischen Zahna-Elster, sondern auch das südbrandenburgische Regionalprodukt „Zinnaer Klosterbruder“ aus Kloster Zinna, das zur breiten Angebotspalette des Spirituosenherstellers gehört.

Entscheidung wurde in Holland getroffen
Der Entschluss, das Unternehmen am Standort Zahna-Elster „strategisch neu auszurichten“, so Marketing-Managerin Stella Bouchette in einer Pressemitteilung, sei zwar kein leichter, aber ein notwendiger Schritt. Der scheint aber auch für sie überraschend gekommen zu sein, weil er nicht in Zahna getroffen wurde, sondern in der Konzernzentrale der Unternehmensgruppe Koninklijke Distilleerderij M. Dirkzwager B.V. in den Niederlanden. Diese hatte das Zahnaer Familienunternehmen 2006 übernommen und besonders im Vertriebsbereich ausgebaut.

Keine neuen Produktionsaufträge mehr

Seit mehr als 25 Jahren agieren die Zahnaer Schnapsbrenner als landesweit bekannter Produzent und Anbieter von nationalen und internationalen Marken. Doch: „Leider besteht weiterhin ein Überangebot auf den wesentlichen Märkten“, heißt es in der Pressemitteilung, „sodass die Geschäftsergebnisse der Vergangenheit den Erwartungen nicht entsprechen konnten.“ Das hat zur Folge, dass die niederländische Muttergesellschaft beschlossen hat, „ihre unternehmenseigenen Produktionsstätten in Deutschland und den Niederlanden effizienter zu gestalten“. Und das heißt für „Drinks&Food“ in Zahna: Einstellung der Schnapsproduktion zum 28. Februar. Das heißt auch, dass keine neuen Produktionsaufträge mehr angenommen werden. Die Produktion der bisher in Zahna hergestellten Getränke werde künftig wahrscheinlich von Schwesterbetrieben in den Niederlanden oder von externen Dienstleistern übernommen, sagte Stella Bouchette gegenüber der MAZ.

Essenz kommt weiterhin aus der Region

Allerdings „wird die Kräuteressenzherstellung für unsere beliebten Produkte – ,Zinnaer Klosterbruder’ und ,Fläminger Jagd’ – weiterhin in den heimatlichen Regionen erfolgen“, sagt die Firmensprecherin, „damit alle Produkte in gewohnter Qualität erhalten bleiben.“ So soll die Schaudestille in der Neuen Abtei im Kloster Zinna erhalten bleiben. Dort wird die Essenz für den Kräuterlikör „Zinnaer Klosterbruder“ nach der seit 1759 unveränderten Rezeptur im traditionellen Verfahren hergestellt.

Dies erledigen drei Teilzeitkräfte. „Der Betrieb des Kloster-Shops wird aufrecht erhalten“, sagte Stella Bouchette gegenüber der MAZ. Zu personellen Einzelheiten wollte sie aber noch keine Stellungnahme abgeben, da zunächst sämtliche notwendigen Anpassungen mit dem Betriebsrat erörtert werden müssten. Dieser wurde über die beschlossene Umstrukturierung informiert. Betriebsbedingte Kündigungen sollen „nur soweit wie nötig vorgenommen“ werden, heißt es, und es soll „nach einer guten sozialverträglichen Lösung gesucht werden“. Von den fast 140 Stellen bei „Drinks&Food“ werden aufgrund der Umstrukturierung etwa 60 Vollzeit- und Teilzeitarbeitnehmer betroffen sein, kündigte die Marketing-Managerin an. Befristete Arbeitsverhältnisse liefen aus.
Übrig bleibe in Zahna nur noch ein Vertriebs- sowie Logistikzentrum für den nationalen und internationalen Markt. Mit der Umstrukturierung könne sich „der Standort Zahna-Elster effizienter auf die Erschließung neuer – auch internationaler – Märkte konzentrieren“, heißt es in der Pressemitteilung.

Kommentar

Zinna, Zahna oder Zandvoort?

Hartmut F. Reck fragt, wo der Klosterbruder bald herkommen mag

Thüringer Bratwurst aus Tennessee, Spreewaldgurken aus Nebraska, Fläminger Jagd aus South Dakota und „Zinnaer Klosterbruder“ aus North Carolina? So könnte es aussehen, wenn das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP der EU mit den USA zustande kommt. Globalisierung pur. Nun ja, warum sollten deutsche Gaumen- und Geistesfreuden nicht auch den Amerikanern vergönnt sein, aber müssen sie deshalb gleich dort hergestellt und womöglich noch hierher zurück exportiert werden? Bestimmt nicht! Und so weit wird es mit unseren geliebten regionalen Kräuterschnäpsen auch nicht kommen. Jedenfalls nicht ganz so weit. Denn der niederländische Mutterkonzern hat neben dem nun zu schließenden Produktionsstandort noch drei davon in Holland und einen in Polen. Von hier oder dort wird der „Klosterbruder“ kommen, es sei denn, ein externer Dienstleister von sonstwo wird beauftragt. Spätestens dann stellt sich die Frage: Wo bleibt da noch die Regionalität? Diese nur im Namen beizubehalten, ist zu wenig. Einen „Jägermeister“ kann man überall herstellen, aber einen „Fläminger Jagd“ nur im Fläming und einen „Klosterbruder“ nur in Kloster Zinna. Deshalb ist die Ankündigung des Zahnaer Schnaps-Händlers, wenigstens die Essenzen an ihren Ursprungs orten herzustellen, beruhigend. Hoffentlich bleibt das auch so! Denn, liebe Holländer: Lasst uns den „Klosterbruder“, dann lassen wir euch euren „Bessenjenever“!

Marken sollen weiter im Portfolio bleiben

So gehören zur Angebotspalette des Zahnaer Tochterunternehmens nicht nur der „Fläminger Jagd“ und der „Zinnaer Klosterbruder“, sondern auch deren Nebenprodukte „Fläminger Jagd Bitter“, „Klosterbruder Kirsch“ und „Klosterbruder Honig“. Sie alle sollen „vorerst“ auch im Portfolio verbleiben, sagte die Firmensprecherin auf Nachfrage. Ungeachtet der Umstrukturierung in Zahna wird „Food&Drinks“ wieder bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin vertreten sein, seine Produkte verkaufsfördernd anbieten und auch Neuigkeiten präsentieren wie „Foxy Cola“, ein Mixgetränk aus „Fläminger Jagd“ und Cola.

Für den „Zinnaer Klosterbruder“ ist das nicht die erste Umstellung. Den beliebten Kräuterlikör stellte ursprünglich die Firma Falckenthal in Luckenwalde nach traditionellem Rezept her. Das Familienunternehmen wurde 1952 zwangsverstaatlicht und ging nach 1990 wieder in den Familienbesitz über. 1995 übernahm der Getränkehersteller Berentzen das Unternehmen. Er schloss das Werk in Luckenwalde etwa zwei Jahre später und errichtete 1998 die Schaudestille in Kloster Zinna.

Dann übernahm 2010 die Mampe Group die Zinnaer Klosterspirituosen GmbH und erhielt bei der internationalen DLG-Qualitätsprüfung 2011 sogar eine Goldmedaille für den Kräuterlikör. Im selben Jahr übernahm „Drinks & Food“ aus Zahna die Produktion und den Vertrieb des Klosterbruders, um „die eigene Marktposition auszubauen und die Vielfalt der deutschen Spirituosenlandschaft zu bewahren“, wie es damals hieß.

Von Hartmut F. Reck

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