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Teltow-Fläming Schüler gucken Landwirten über die Schulter
Lokales Teltow-Fläming Schüler gucken Landwirten über die Schulter
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01:16 25.05.2019
Landwirt Paul Ziegelmann erläutert, wie die Giftspritze startklar gemacht wird und welche Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind.
Landwirt Paul Ziegelmann erläutert, wie die Giftspritze startklar gemacht wird und welche Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind. Quelle: Uwe Klemens
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Welsickendorf

„Landwirt sein ist mehr, als Traktorfahren“, ist einer der Lieblingssprüche von Wilfried Krieg. Als Chef der Welsickendorfer Agrargenossenschaft und als leidenschaftlicher Landwirt gibt Krieg dieses Motto gern auch an Jüngere weiter, die sich für das interessieren, was Bauern den ganzen Tag über so treiben. Denn dass der Nachwuchs immer weniger über die Landwirtschaft weiß, ist ein weiterer Lieblingssatz des Agrarchefs.

Gegen den Trend der Entfremdung

Um der Tendenz dieser Entfremdung von den Grundlagen unserer Ernährung etwas entgegen zu setzen, suchte Krieg vor knapp zehn Jahren den Kontakt zu den Brandenburgischen Initiativen Land-aktiv und Agrar-aktiv, die Schulprojekte zum Thema Landwirtschaft organisieren. Gemeinsam entstand die Idee regelmäßiger Projekttage für Schüler, die thematisch und auf kindgerechte Weise alle Bereiche der Landwirtschaft behandeln. Als Kooperationspartner mit ins Boot geholt wurden die Achim-von-Arnim-Grundschule in Werbig sowie der Deutsche Raiffeisenverband und die Raiffeisen-Stiftung, die das Projekt jährlich mit 1500 Euro für die Finanzierung des Shuttle-Busses unterstützen.

Wissenswertes über Pflanzen, Tiere und Technik

Seit acht Jahren besucht einmal pro Schuljahr jede Klasse einen Tag lang den Agrarbetrieb. In Vorträgen, aber auch bei Touren über die Äcker und durch die Hallen und Ställe der Genossenschaft erfahren sie interessante Dinge über den Kartoffel- und Getreideanbau, über die Aufzucht von Rindern und über die Milchproduktion, aber auch über die Technik. Denn wenn Landwirtschaft auch weit mehr ist, als mit dem Traktor durch die Landschaft zu gondeln – ohne die moderne Technik ließe sich riesige Menge an Produkten kaum noch realisieren.

Am Mittwoch stand Krieg den Fünftklässlern zum Thema Landtechnik einen Tag lang Rede und Antwort. „Nur dank Technik kann ein Landwirt im Durchschnitt 126 Menschen ernähren, vor etwa 100 Jahren waren es nur fünf“, erläuterte Krieg und erntete dafür großes Staunen. Dass ein Mähdrescher deshalb auch so viel kostet wie 15 moderne Pkw, war eine Zahl, mit der auch Fünftklässler etwas anfangen können.

Erste Runde auf dem Bock

Wie die Technik funktioniert, durften die Mädchen und Jungen dann in der Werkstatt selbst untersuchen und staunten dabei über die riesigen Maschinen. Das Angebot, selbst einmal im Führerstand eines Mähdreschers Platz zu nehmen oder mit dem GPS-gestützten Ackerschlepper eine Runde über den Hof zu drehen, ließ sich niemand entgehen.

Marcel Schulze, hier mit seinem Chef Wilfried Krieg auf dem Kartoffelacker, ist ein Projektteilnehmer der ersten Stunde und mittlerweile Landwirte-Azubi. Quelle: Uwe Klemens

„Es ist ein schöner Tag, auch wenn ich nicht viel Neues gelernt habe, weil ich schon oft Trecker gefahren bin“, sagte Benjamin Lehmann am Ende des Tages. Beeindruckt von den vielen neuen Dingen zeigte sich sein Schulfreund Noah Garn, der bei Kriegs Frage, wer denn Landwirt werden wolle, stolz den Finger hob. „Auch ich fand den Tag sehr schön, aber ich will trotzdem Landschafts-Fotografin werden“, verriet Hanna Reiche, nachdem sie aus dem Führerhaus geklettert war.

Projekt trägt erste Früchte

Die ersten Früchte des Schulprojektes hat auch Wilfried Krieg mittlerweile geerntet. Denn zwei der ehemaligen Werbiger Grundschüler arbeiten seit dem vergangenen Sommer als Azubis in der Genossenschaft, auch, oder gerade weil sie wissen: Landwirt sein ist mehr als Treckerfahren.

Von Uwe Klemens

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