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Teltow-Fläming Kündigungsgrund: Zu nett zu Flüchtlingen
Lokales Teltow-Fläming Kündigungsgrund: Zu nett zu Flüchtlingen
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13:44 08.10.2013
Quelle: Julian Stähle
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Luckenwalde

Vor dem Arbeitsgericht in Potsdam einigten sich die Sozialpädagogin und ihr ehemaliger Arbeitgeber auf einen Vergleich. Die 54-Jährige erhält eine Abfindung und der Landkreis muss alle Vorwürfe gegen sie zurücknehmen.

Sie sei entsetzt gewesen über die Begründung der Kündigung, sagt Schmitz: "Ich sei zu nett zu den Flüchtlingen gewesen, das hat man mir vorgeworfen." Genau heißt es in dem Schreiben, Schmitz habe "aus ihrer Einstellung zu Gunsten der Flüchtlinge keinen Hehl" gemacht. "Natürlich tun mir die Menschen leid. Sie kommen hier an, haben niemanden und sind meist schwer traumatisiert", sagt Schmitz.

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Das Thema Flüchtlinge begleitet die gebürtige Berlinerin schon seit Ende der 1970er Jahre. Seit damals begleitet sie Menschen, die mit ihrer Aufenthaltserlaubnis Probleme haben. Beim Einstellungsgespräch habe sie ehrlich gesagt, dass sie mit der Asylpolitik in Deutschland und ihrer Umsetzung in vielen Flüchtlingsheimen nicht immer einverstanden sei. "Ich habe mit offenen Karten gespielt", sagt Schmitz. Umso verwunderter sei sie gewesen, dass sie die Stelle damals erhielt.

Am 7. Februar fing sie im Übergangswohnheim in der Luckenwalder Rudolf-Breitscheid-Straße an. Am 18. Februar bezogen 42 Tschetschenen die Räumlichkeiten. "Ich habe alles vorbereitet, die Zimmer eingerichtet, zur Begrüßung eine Suppe gekocht." Von der Zusammenarbeit mit ihren Vorgesetzten im Kreis-Sozialamt sei sie angetan gewesen. "Es wurde von der Verwaltung alles wunderbar vorbereitet." Mit einer Kündigung habe sie nicht gerechnet. Zu keinem Zeitpunkt habe sie illegale Dinge durchgezogen. "Aber ich wollte den Leuten natürlich im Rahmen der Gesetze etwas Gutes tun."

Schmitz setzte auf Mitbestimmung. In einem Plenum befragte sie die Bewohner, wie sie die Kontrolle am Eingang wünschen. Entschieden wurde, dass der Wachschutz die Personalien nicht kontrolliert. Schmitz setzte sich für einen Internetanschluss ein, wollte den Außenbereich neu gestalten, einen Gebetraum einrichten und sie träumte von einem Lehmbackofen. "Aber nicht im Alleingang. Ich habe alles mit dem Landkreis besprochen", beteuert sie. Der Vorwurf, sie habe "wiederholt ihre Kompetenzen überschritten und auch finanziellen Schaden angerichtet", ärgert sie. "Ich wollte mich für die Flüchtlinge einsetzen und dann bekomme ich so eine Kündigung."

Rückhalt bekam Schmitz vom Flüchtlingsrat Brandenburg. Ihre Arbeit sei gut gewesen, wurde vor Gericht ausgesagt. Dies muss nun auch der Landkreis bescheinigen und Nina Schmitz ein Arbeitszeugnis mit der Gesamtnote "gut" ausstellen. Wegen formaler Fehler hätte Schmitz auch wieder eingestellt werden müssen, die Parteien einigten sich jedoch auf einen Vergleich. "Schade, dass das Arbeitsverhältnis so auseinander gegangen ist", sagt Schmitz. Für die Flüchtlinge wünsche sie sich, "dass sie mit Respekt behandelt werden".

Der Landkreis wollte den Fall nicht kommentieren. Es sei Stillschweigen vereinbart worden, heißt es seitens der Pressestelle.

Von Aglaja Adam

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