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Teltow-Fläming Fundstücke der Roten Armee in Ex-Kaserne ausgestellt
Lokales Teltow-Fläming Fundstücke der Roten Armee in Ex-Kaserne ausgestellt
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21:10 16.08.2019
Norbert Wagner, Vorsitzender des Fördervereins, mit der Kreis-Beigeordneten Dietlind Biesterfeld (SPD), Susanne Kösterin, Chefin des Landesmuseumsverbandes, Karin Melzer vom Kulturministerium und seinem Vereinskollegen Christian Bergner (v. l.). Quelle: Jutta Abromeit
Kummersdorf

Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass in Kummersdorf-Gut 1300 Soldaten der Roten Armee auf dem Kasernenhof verabschiedet wurden. Daran erinnert seit Samstag die Ausstellung „Fundstücke“; es ist die erste eigene des Fördervereins Museum Kummersdorf auf dem ehemaligen Militärgelände. Und das ist mit weit mehr als 3000 Hektar zehnmal so groß wie das Tempelhofer Feld in Berlin.

Die jetzt eröffnete Ausstellung „Fundstücke“ in der ehemaligen Kaserne ist erstmals eine Präsentation direkt auf dem Kummersdorfer Ex-Militärgelände.

Zudem gehört die frühere Heeresversuchsstelle Kummersdorf zu den eindrucksvollsten Arealen in der militärischen Geschichtslandschaft: Seit 1870 agierten dort vier Militärsysteme. Dort und in Gottow steht mit den Versuchen der Männer um Wernher von Braun die Wiege der deutschen Raumfahrt, von dort kommen aber auch die schrecklichsten Waffen, die Deutschland in beiden Weltkriegen einsetzte.

25 Jahre Abzug Rote Armee vom Heeresversuchsplatz Kummersdorf-Gut; „Fundstücke" - erste eigene Ausstellung des Fördervereins Museum Kummersdorf Quelle: Jutta Abromeit

Die seit 1994 gesammelten „Fundstücke“ präsentieren die Männer und Frauen vom Förderverein Museum Kummersdorf vorerst bis zum 29. Oktober. Und das teils mit Humor: Da schaut ein Foto-Lenin direkt auf ein Cow-Girl – Soldaten hämmerten es in ihrer Freizeit in Kupferblech. Oder Besucher sehen ein rotes Plast-Telefon, statt der Nummer lesen sie auf dem Schildchen „Moskau“. Es gibt Dienst- und Fahrpläne zu sehen, Kopfbedeckungen, Blechgeschirr, Temperatur-Diagramme oder Ausweise.

25 Jahre Abzug Rote Armee vom Heeresversuchsplatz Kummersdorf-Gut; "Fundstücke" - erste eigene Ausstellung des Fördervereins Museum Kummersdorf Quelle: Jutta Abromeit

Zu den Besuchern gehörte mit dem Berliner Maxim Sankov jemand, der 1986 bis ’90 in der DDR lebte, weil sein Vater im Haus der russischen Wissenschaft und Kultur arbeitete und später mit der eigenen Familie nach Deutschland zog.

Die Gebäude leiden unter Sonne und Regen. Nicht nur Fenster der alten Kaserne sind undicht, auch die Dächer des einst ansehnlichen Backsteinbaus sind kaputt, es regnet teils bis in die Keller hinunter.

Anerkennung für den Verein

Ausdauer und Engagement der Vereinsmitglieder würdigten oder bewunderten nicht nur rund drei Dutzend Gäste und erste Besucher, sondern auch der Kreis und das Land. So erklärte Dietlind Biesterfeld (SPD), Beigeordnete des Kreises Teltow-Fläming, der Verein verdiene die Unterstützung, weil er maßgeblich dafür sorge, dass der gesamte Denkmalkomplex Interessierten überhaupt gezeigt und bekannt gemacht werden kann. Diese Ausstellung und die Gast-Präsentation „La Coupole“ 2018 würden zur öffentlichen Wahrnehmung der Denkmale in Kummersdorf, Gottow und Sperenberg beitragen.

Auseinandersetzung mit dem Krieg

Karin Melzer, Referatsleiterin im Kulturministerium, hält es gerade in der Region Berlin-Brandenburg, die wie keine andere in Deutschland von Militär und Kriegsspuren geprägt sei, für immens wichtig, sich kritisch mit Krieg, Militär, Gewalt und ihren Folgen für die Menschen auseinander zu setzen. Die Ausstellung bewege sich im Spannungsbogen von „Die Russen kommen“ – Defa-Filmtitel von Heiner Carow – und „Die Russen gehen“, Titel einer Foto-Dokumentation und eines Buches von Frank Gaudlitz, so Melzer.

Eine Zeitreise in Fundstücken

Das in Kummersdorf Gezeigte sei eine Zeitreise und werfe Fragen auf: Wie haben die Soldaten hier gelebt, was haben sie gefühlt, wie war ihr Verhältnis zu den Deutschen, wie erging es ihnen nach dem Abzug, wenn sie nach Russland, Georgien oder Usbekistan zurück kamen? Das Kulturland-Thema 2020 heiße „Krieg und Frieden“, so Melzer. „Mit Blick auf die Geschichte und angesichts der aktuellen Entwicklung in der Welt wird uns das mindestens genauso beschäftigen wie der Klimawandel“, sagte sie.

Das größte Kompliment

Die größten Komplimente erhielt der Verein von Susanne Köstering, der Geschäftsführerin des Museumsverbandes Brandenburg. Diese Ausstellung sei ein unglaublich wichtiger Schritt und ein großer Erfolg. „Diese doppelte, dreifache, vierfache Militärgeschichte mit ihren Kriegs- und Friedenszeiten zu verstehen und aufzuarbeiten, ist eine hochkomplexe Aufgabe nicht nur fürs Militär, sondern für die ganze Gesellschaft“, so die promovierte Frau, „das wird uns noch in 20, 30, 50 und 100 Jahren beschäftigen“.

Susanne Kösterin: „Grab, wo du stehst“

Deshalb sei sie dem Verein sehr dankbar für den Schritt vom kleinen, aber wichtigen Gebäude an der Konsumstraße nebenan hierher auf dieses Gelände, so Köstering. Sie sagt: „Sie als Verein kommen nicht mit Forderungen und nicht mit einer fertigen Anschauung, sondern nähern sich der Riesenaufgabe wie ein Spurensucher, wie Spurenleser, nach dem Motto ,Grab, wo du stehst’.“

Von Jutta Abromeit

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