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Teltow-Fläming Landesumweltamt prüft Wolfs-Attacke in Ihlow
Lokales Teltow-Fläming Landesumweltamt prüft Wolfs-Attacke in Ihlow
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09:58 09.01.2014
Ihlow

15 Schafe sollen von Wölfen in der Nähe von Ihlow gerissen worden sein. Steffen Butzeck konkretisiert. Der Biologe im Landesumweltamt (LUGV) Burg ist für Schäden, die Wild verursacht zuständig. Er erläutert, dass zwischen Niendorf und Ihlow tagsüber Schafe frei weiden. Abends werden sie in einen sogenannten Nachtpferch getrieben. Am 22. Dezember wurden sie vermutlich erschreckt und flohen aus ihrem Pferch. Sieben Schafe wurden getötet.

Der Halter fand sie am nächsten Morgen und verständigte das Landesumweltamt, das den Fall unter Mitwirkung des Halters untersucht. „Acht Lämmer sind verschwunden. Ein weiteres getötetes Lamm wurde nach einem zweiten Übergriff untersucht. Die Auswertung des Falles läuft bei uns noch. Der Wolf wird nach vorliegenden Fakten als Verursacher nicht ausgeschlossen“, sagt Butzeck. In seiner Behörde werden seit sieben Jahren, seit die ersten Tiere in Brandenburg von Wölfen gerissen wurden, Erfahrungen sammelt.

Butzeck sichert zu, dass der betroffene Schäfer auf jeden Fall entschädigt wird, wenn Wölfe in Frage kommen. Er erläutert, dass dafür viele Fakten gesammelt werden. Wenn nicht zweifelsfrei zu klären ist, ob ein Wolf oder ein großer Hund das Nutztier gerissen hat, „wird der Fall wie beim Wolf behandelt. Der Landwirt bleibt nicht im Regen stehen. Das Landwirtschaftsministerium lässt den Wert des getöteten Tieres ermitteln.“ Kosten für den Tierarzt, für die Entsorgung sowie zerstörte Zäune würden ebenfalls übernommen.

Das Prozedere ist den Landwirten bekannt. Binnen 24 Stunden müssen sie die Schadens-Hotline anrufen. Die Meldefrist ist deshalb so kurz, weil es in freier Natur viele Interessenten für tote Tiere gibt, Raben beispielsweise. Wenn deren Mahlzeit beendet ist, können die Experten nicht mehr so viele Spuren sichern. Die sind indes wichtig, um den Fall beurteilen zu können. „Kommt ein Anruf, fährt ein Biologe raus, egal, um welche Uhrzeit. Der bespricht mit dem Halter Maßnahmen, um weitere Tiere zu schützen und nimmt gegebenenfalls genetische Proben vom toten Tier, das komplett abgehäutet wird“, erläutert er. Ist das Fell abgezogen, sind Blutergüsse und andere Verletzungen besser zu sehen. Selbstverständlich wird auch der Amtstierarzt einbezogen.

„Fuchs- und Wolfsriss sind leicht zu unterscheiden.“ Ein Tier mit Kehlbiss, das nicht angefressen sei, spreche gegen den Wolf. Der spielt nicht mit seinem Essen, sondern beißt kurz und kräftig zu, um das Muskelfleisch zu fressen. Manchmal schleift er das erlegte Tier auch ein Stück. Hunde leben ihren Jagdtrieb aus, haben aber keinen Hunger; sie sind nur mal ausgebüxt und wissen, wo ihr gefüllter Fressnapf steht. „Etwa die Hälfte der Fälle, die dem Wolf angelastet wird, hat andere Ursachen“, sagt Butzeck. Da es aber Überschneidungen von Rissmerkmalen der Wölfe und denen großer Hunde gebe, werde im Zweifelsfall für den geschädigten Tierhalter entschieden.

Um weiteren Schaden zu verhüten, sei mit dem Schäfer in Ihlow gesprochen worden. „Er hat sein Weideregime sofort angepasst und nutzt nun für Portionsweiden am Tage vorübergehend Leihzaunmaterial des LUGV.“ Solche Materialien hat das Amt über ein Kooperationsprojekt mit den Naturschutz-Fonds Brandenburg für Notfälle, wie diesen vorrätig. „Nachts stehen die Tiere jetzt in einem zusätzlich gesicherten Nachtpferch. Wir hoffen alle, dass das Risiko weiterer Nutztierrisse deutlich reduziert“, so Butzeck.

Er verweist auf Untersuchungen, wonach der Wolf hauptsächlich Wild jagt. Reh, Wildschwein und junges Rotwild bildet das Gros der Beute. Aber wenn die Gelegenheit günstig ist, verschmäht er auch Schafe nicht.

Forschungsthema Wolf

Im Rahmen von Promotionsarbeiten am Senckenberg-Museum Görlitz wurden mehr als 3000 Wolfs-Kotproben untersucht. Danach machen Nutztiere 0,6 Prozent der Wolfsnahrung in Sachsen und Brandenburg aus.
Das Landesumweltamt Brandenburg besucht und berät Tierhalter auch präventiv.
Gesucht werden Förderwege so für wolfssichere Zäune.
Mehr ist auf der Homepage unter: www.lugv.brandenburg.de zu erfahren. Dort gibt es auch eine Jahresstatistik über Schadensereignisse per 30.November 2013.

Von Gertraud Behrendt

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