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Teltow-Fläming Landwirte auf dem Trockenen
Lokales Teltow-Fläming Landwirte auf dem Trockenen
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19:05 29.04.2019
Der Regen des Wochenende brachte, wie hier auf dem Acker der Meinsdorfer Agrargenossenschaft, etwas Entlastung. Eine Drillmaschine ohne Staubwolke ist ein seltener Anblick geworden. Quelle: Uwe Klemens
Teltow-Fläming

 Montagmorgen auf dem Maisacker der Meinsdorfer AgrargenossenschaftLändeken“. Die Sorgenfalten auf dem Gesicht von Fred Weißbrodt sind seit dem Wochenende deutlich weniger tief, als noch am Freitag. Der seit Wochen sehnsüchtig erwartete Regen ist endlich da und stimmt den „Ländeken“-Chef sichtlich milder. Dass es reicht, die Ernte 2019 zu einem Erfolg werden zu lassen, glaubt der Meinsdorfer nicht. „Zwei Tropfen auf den heißen Stein sind zwar schön, aber das wird nicht reichen“, lautet seine nur wenig optimistische Prognose.

Vorjahresdefizit noch nicht ausgeglichen

Zwischen 25 Prozent beim Getreide und 50 Prozent Verlust beim Raps fuhren die 24 Genossenschaftsbauern, die eine Fläche von 1720 Hektar bewirtschaften und eine Schweinemast und eine Biogas-Anlage betreiben, nach dem Hitzesommer 2018 Jahr ein. Mit dem Regendefizit von 200 Liter je Quadratmeter starteten sie in die neue Saison. „500 bis 550 Liter sind bei uns der Durchschnitt, 360 waren es, weshalb die Böden noch immer trocken sind, da es auch in diesem Jahr bisher wenig Niederschläge gab“, erläutert Weißbrodt.

„Für sich genommen liegt die bisherige Niederschlagsmenge 2019 mit 165 Litern knapp unter Durchschnitt, der im Zeitraum von Januar bis April etwa bei 200 Litern liegt, aber der Boden hat eben keine Feuchtigkeitsreserven. Dazu kommt der seit Wochen anhaltende, warme Ostwind, der die Böden noch trockener macht“, sagt der Agraringenieur.

Zukäufen wären finanzielles Fiasko

Da der Betrieb seine Ernte zum Teil an die eigenen Tiere verfüttert und in der Biogas-Anlage verwertet, blieben die Meinsdorfer bei der für 2018 gezahlten Dürrehilfe aufgrund der Richtlinien außen vor. „Noch so ein Jahr überstehen wir nur, wenn wir nicht noch zukaufen müssen, um Schweine und Biogas-Anlage zu füttern“, sagt Weißbrodt. Denn die Lager sind nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Nachbarländern leer und die geforderten Preise utopisch. Zumal sich Silage für die Anlage auch nicht von weither ankarren ließe. „Wenn es so trocken bleibt, werden wir unsere 1,2-Megawatt-Anlage wohl drosseln müssen –aber daran wage ich derzeit noch gar nicht zu denken“, so Weißbrodt.

Die ersten Anzeichen für Ernteausfälle gibt es bereits. Die Spitzen der Getreidepflanzen sind schon gelblich verfärbt und das Wachstum auf den Grünland-Flächen kaum voran, obwohl in etwa zehn Tagen der erste Schnitt auf dem Kalender steht. Dass Bund und Land den Landwirten seit Jahren Steuererleichterungen verwehrt, mit denen jeder Betrieb Risiko-Rücklagen bilden könnte, kann der Agrar-Chef bis heute nicht verstehen, obwohl das seiner Meinung unterm Strick viel preiswerter wäre, als Millionenschwere Dürrehilfen auszuzahlen.

Noch kann es sich zum Guten wenden

Mit 3400 Hektar Bewirtschaftstungsfläche ist die Jüterboger Agrargenossenschaft exakt doppelt so groß, wie der Meinsdorfer Nachbar. Auch deren Chef Mario Schwanke blickt angesichts der Wetterlage wenig optimistisch in die Zukunft. Nach einem Totalausfall beim Raps, der 2018 auf einer Fläche von 400 Hektar verdorrte, hat man in diesem Jahr vorsichtshalber auf dessen Aussaat gänzlich verzichtet und sich für mehr Winterkulturen, Erbsen, Hafer und Grünland entschieden. „Wenn wenigstens der Weizen kommt, kann sich’s noch zum Guten wenden“, sagt Schwanke.

Beregnete Flächen gibt es weder in Meinsdorf, noch in Jüterbog. „Aber wir überlegen zunehmend, wenigstens eine Teilfläche mit Beregnung auszustatten um ausreichend Futter für unsere Kühe und Schweine zu erzeugen“, so der Jüterboger Agrar-Chef.

„Bis jetzt ist noch alles offen, aber trotzdem sind die ersten Schäden auf unseren 100 Hektar Roggenfläche schon sichtbar“ fasst Wilfried Krieg, Chef der Agrargenossenschaft Welsickendorf, die derzeitige Situation auf den Feldern zusammen. 50 Prozent betrug die Verlustrate 2018 bei der Kartoffelernte, dem wichtigsten Produkt, das die Welsickendorfer auf 175 Hektar anbauen. 32 Prozent Ausfall wurden durch die Dürrehilfe ausgeglichen.

Eine Woche überleben

„Der Regen des Wochenendes kam 14 Tage zu spät, sichert jetzt aber zumindest erstmal eine Woche lang das Überleben der Pflanzen“, so Krieg. „Wenn es im Mai ausreichend regnet, können wir zumindest auf ein durchschnittliches Ergebnis hoffen“.

Die Möglichkeit zum Bewässern haben die Welsickendorfer im vergangenen Jahr voll ausgeschöpft und auch in diesem Jahr laufen die Anlagen auf einer Fläche von 250 Hektar seit gut einer Woche. „Mehr als 600 000 Kubikmeter pro Jahr dürfen wir nicht dem Grundwasser entnehmen“, erläutert der Welsickendorfer und verweist auf das Grundwasser-Management der Unteren Wasserbehörde, die die Wassermenge reglementiert. „Im vergangenen Jahr hätten wir mehr gebrauchen können, aber das Grundwasser-Management ist in unserem eigenen Interesse“, so Krieg. Durch die Förderhöhe von 80 Metern mit dem entsprechendem Stromverbrauch und durch die Bindung von Personal sind die Kosten für die Beregnung auch so schon immens.

Erste Befürchtung wurde wahr

„Es war schon zum Jahresende zu befürchten, dass die Herbstaussaat kaum etwas werden würde. So ist es gekommen“, sagt Landwirt Stephan Ziehe, der in Hennickendorf als Alleinstreiter auf 100 Hektar einen privates Agrarunternehmen betreibt. Roggen, Weizen, Hafer, Erbsen und Lupinen hat er auf seinem Acker bestellt. Im Vorjahr betrug der Ernteausfall mehr als 50 Prozent. Ohne die bisher erst zur Hälfte ausgezahlte Dürrehilfe hätte er kaum überlebt.

„Auch in diesem Jahr sind die Niederschläge deutlich untern Durchschnitt, aber noch sehe ich die Lage nicht als dramatisch. Der Boden in unserer Region ist nun mal genau das, was man unter einer ’echten märkischen Sandbüchse’ versteht und ich kann nichts gegen die Trockenheit unternehmen, außer in die Kirche zu gehen“, sagt Ziehe.

Von Uwe Klemens

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