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Teltow-Fläming Liebling oder Loser
Lokales Teltow-Fläming Liebling oder Loser
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10:06 19.12.2017
Innerhalb eines Tages mussten die Szenen für den Kurzfilm der Evangelischen Grundschule im Kasten sein.
Innerhalb eines Tages mussten die Szenen für den Kurzfilm der Evangelischen Grundschule im Kasten sein. Quelle: Isabelle Richter
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Jüterbog

„Dann sagts du ,Guck mal da ist Teo, der Loser’“, sagt Medienpädagogin Kristin Ehlert zu Emma Danneberg (11), bevor die Klappe für die nächste Szene fällt. Sie war am Montag in die Evangelische Grundschule nach Jüterbog gekommen, um mit den Sechstklässlern ausdrucksstarke Bewegtbilder für einen sechsminütigen Film einzufangen.

Dieser wird Ende Januar beim fünften Kinderrechte-Filmfestival im Potsdamer Thalia-Kino zusammen mit den Kurzfilmen 15 weiterer Klassen gezeigt. Eine Jury kürt am Ende den Gewinner.

Ein Drehbuch wurde am Ende ausgewählt

In diesem Jahr soll dabei das Thema Armut im Fokus stehen. Vor dem Drehtag wurden die Jüterboger Schüler zunächst in einem Workshop über ein paar grundlegende Dinge aufgeklärt. „Wir haben uns über Kinderrechte unterhalten, verschiedene Spiele dazu gemacht und Rechte festgelegt, die für uns wichtig sind“, berichtet Emma Danneberg.

Im Anschluss ging es für die Klasse ans eigene Drehbuch. Dabei sollten sich die Sechstklässler in verschiedenen Gruppen eine schlüssige Geschichte zum Thema Armut überlegen. Eines der Drehbücher wurde am Ende als Grundlage für den Film ausgewählt.

Mitschüler zu beschimpfen ist normalerweise nicht ihre Art

Entstanden ist eine Geschichte über einen Konflikt zwischen Klassenstar Ben und dem zurückhaltenden Teo. Während Ben aus reichem Hause stammt und von seinem Vater sogar ein Treffen mit Fußballstar Marco Reus geschenkt bekommt, stammt Teo aus einer armen Familie und wird deshalb von seinen Mitschülern gemobbt.

So zum Beispiel von der Figur, die von Emma Danneberg gespielt wird und die, wie sie selbst sagt, „eine ziemliche Zicke“ ist, die Teo ständig beschimpft. Obwohl das normalerweise nicht ihre Art ist, macht es der Elfjährigen Spaß, sich einmal von einer ganz anderen Seite zu zeigen.

„Bei uns gibt es keinen Loser“

„Na Teo darfst du mal wieder nicht mitspielen“, blafft sie ihren Mitschüler Teo Dammmüller, der das gleichnamige Mobbingopfer spielt, von der Seite an. Der Zwölfjährige soll daraufhin traurig gucken. Für den sonst eher fröhlichen Teo Dammmüller eine große Herausforderung. Denn aus dem Alltag kennt er so eine Situation nicht. „Bei uns gibt es keinen Loser in der Klasse“, berichtet er.

Obwohl er beim Filmdreh das Opfer spielt, das den anderen beim Fußballspielen meist nur zusehen darf, hat auch er Spaß an dem Projekt. „Mir gefällt es bisher sehr gut. Ich finde es auch cool, dass wir uns selbst ausdenken müssen, was wir machen“, sagt der Schüler.

Die Schüler drehen komplett allein

In der Tat stehen die Sechstklässler nicht nur vor der Kamera, sondern müssen auch dahinter alles regeln. Bild, Ton, Regie – die Schüler sind beim Dreh hauptsächlich auf sich allein gestellt.

Hintergrund zum Filmfestival

Beim „Kinderrechte-Filmfestival“ übernehmen die Kinder die Regie von der Idee bis zum fertigen Film.

Unterstützung bekommen sie von Kinderrechtsexperten und Filmprofis, die die Klassen besuchen und ihnen Theorie und Praxis erklären. Die Filme werden in Workshops gedreht.

Am 31. Januar werden die Filme der Teilnehmer aus Brandenburg in Potsdam gezeigt und bewertet.

Medienpädagogin Kristin Ehlert gibt zwischendurch lediglich kleine Tipps und Anregungen, wie man einige Szenen lebendiger gestalten könnte. Dinge, die sich der Jüterboger Filmnachwuchs gern zu Herzen nimmt. Denn die Schüler wollen schließlich, dass alles perfekt ist und ihr Film am Ende den ersten Platz macht.

Von Isabelle Richter