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Teltow-Fläming Landwirtschaft sieht die Region als Absatzmarkt
Lokales Teltow-Fläming Landwirtschaft sieht die Region als Absatzmarkt
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20:09 07.11.2019
Podiumsrunde zum Thema Ernährungswirtschaft mit Hans-Hermann Specht, Phillip Kliem, Mario Schwanke, Reinhard Freydank und Johann Meierhöfer (v. l.). Quelle: Gerald Bornschein
Luckenwalde

Erstmals fand im Rahmen der Wirtschaftswoche Teltow-Fläming ein Tag der Ernährungswirtschaft statt. Ziel der Veranstaltung war, die verschiedenen Akteure, also Landwirte, Verarbeiter und Vermarkter, zum Austausch an einen Tisch zu bekommen. Dass eine starke Landwirtschaft ein wichtiger Faktor für den Erfolg einer Region ist, betonten bei der Begrüßung sowohl Siegmund Trebschuh, Dezernent und Amtsleiter für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung, als auch Johann Meierhöfer, Leiter des Landwirtschaftsamtes. Nicht umsonst ergebe die Bündelung beider Ämter in einem Dezernat zahlreiche Synergieeffekte.

Johann Meierhöfer benannte als Grundproblem in ganz Deutschland, dass Landwirte nicht genug Geld für ihre Produkte erhalten und dass die Agrarförderung „diese Wunde nur zum Teil schließt“. Wie kann man nun auf Kreisebene dagegen halten? Als Leiter einer der wenigen im Amtsstatus verbliebenen Landwirtschafts-Verwaltungen in Brandenburg sieht er sich hier in der Pflicht. Die überarbeitete Neuauflage der Karte „Landtraum Teltow-Fläming“ als kulinarischem und kulturellem Wegweiser stoße bereits auf reges Interesse sogar bis nach Berlin.

Siegmund Trebschuh und Johann Meierhöfer begrüßen die Gäste zum Thema Ernährungswirtschaft bei der Wirtschaftswoche TF. Quelle: Gerald Bornschein

Dennoch gebe es, so Meierhöfer, bei den Akteuren „vieles, was man voneinander nicht weiß“. Die Gesprächsrunden sollten Abhilfe schaffen und vielleicht sogar neue Projekte in Gang bringen. In Runde 1 nahmen zum Thema „ Mehr Tier von hier!“ Reinhard Freydank von der Binnenfischerei Potsdam GbR, Mario Schwanke von der Jüterboger Agrargenossenschaft, Phillip Kliem von der Fleischerei Lehmann GmbH und Hans-Hermann Specht als Betreiber des gleichnamigen Edeka-Marktes in Ludwigsfelde teil.

Fangfrische Fische als Spezialität

Die Binnenfischerei Potsdam betreibt mit dem Forellenhof in Gottow-Unterhammer und dem Fischladen in Blankensee zwei Standorte im Landkreis. Fangfrischer Fisch von Forellen über Saiblinge und Störe bis zu Aal und Karpfen sind die Spezialität des Unternehmens. Die Vermarktung erfolgt meist direkt über die Höfe mit Vor-Ort-Fang und Schlachtung sowie begrenzten Verarbeitungsmöglichkeiten. Daneben gibt es den Lebendfisch-Handel und die Bedienung der (touristischen) Angelschiene. Investitionen, um mit Zertifikaten und höheren Kapazitäten die Anforderungen des Einzelhandels zu erfüllen, sind derzeit nicht darstellbar, sagte Reinhard Freydank.

Die Agrargenossenschaft Jüterbog hätte dagegen noch Potenzial, sagte Mario Schwanke, obwohl sie bereits einen zuverlässigen Handelspartner in Leipzig bediene. Neben der Bewirtschaftung von 4000 Hektar Acker- und Grünland werden 2500 Schweine und 1500 Kühe gehalten. Mit dem Tochterbetrieb Neumarkt-Fleischerei erfolgt über inzwischen neun Filialen zudem eine Eigenvermarktung. 500 bis 800 Liter Jüterboger Frischmilch werden pro Woche regional ausgeliefert. Die Kunden würden bewusst einkaufen und auf Fleischqualität achten, so Schwanke.

„Kein Bio, aber von hier“

Noch einen Schritt weiter im Regionalgeschäft ist die Fleischerei Lehmann in Trebbin. Seit 1998 werden Schweine aus Saalow unter der gemeinsam entwickelten Marke „Saalower Kräuterschwein“ vermarktet. „Kein Bio, aber von hier“, sagte Phillip Kliem. Seine Fleischerei sei einer der wenigen selbst schlachtenden Betriebe im Landkreis, auch industrielle Schlachtbetriebe finden sich in Brandenburg nicht. Seit acht Jahren bestehe zudem eine enge Kooperation mit dem Edeka-Markt in Ludwigsfelde.

Dessen Betreiber Hans-Hermann Specht ist selbst Fleischer von Beruf. Für ihn ist Regionalität „ein Megathema“. Bereits seit Jahren hat er Verträge mit etwa 100 Lieferanten regionaler Lebensmittel, also aus Brandenburg und Berlin. Begonnen habe es mit Spargel aus Ludwigsfelde und Erdbeeren aus Diedersdorf, allein auf der Grünen Woche 2019 seien drei neue Partner dazugekommen. Das neueste Projekt „Lammfleisch aus Ihrer Region“ hat er gemeinsam mit Phillip Kliem und dem Schäfer Jürgen Körner entwickelt.

2000 Schafe, 42 Hunde, vier Mitarbeiter

Die Fläming-Schäferei Körner aus Borgisdorf im Niederen Fläming betreibt mit 2000 Schafen, vier Mitarbeitern und 42 Hunden professionell Landschaftspflege in der Region. Bisher ist Schaf als Lebensmittel in Brandenburg ein „homöopathisches“ Nischenprodukt, geschlachtet wir meist in türkischen Betrieben in Berlin. Mit der neuen Zusammenarbeit eines Händlers, der das Produkt anbieten möchte, einem Verarbeiter, der Produkte entwickelt, und einem Tierhalter, der gute Qualität liefert, könnte sich das ändern.

Marktstart bei Edeka-Specht war vor 14 Tagen, das Marketing wurde an erfolgreiche Lammfleisch-Vermarktung (meist aus Neuseeland) angelehnt. Zum Start werden fünf Lämmer pro Woche verarbeitet, vermarktet werden dabei neu entwickelte Lamm-Salami, Lamm-Knacker und Lamm-Bratwurst das komplette Tier.

Präsentation auf der Grünen Woche

Wenn alle Partner gewillt sind, kann der regionale Absatz gesteigert werden, ist sich Specht sicher, „der Endverbraucher muss zu Produkt und Preis ja sagen“. Das regionale Angebot wachse derzeit jedenfalls stärker als die Bio-Sparte. Siegmund Trebschuhs Vorschlag, die komplette Kette der Lammfleisch-Vermarktung auf der nächsten Grünen Woche zu präsentieren, stieß auf offene Ohren.

Auch in der zweiten Gesprächsrunde „ Aus der Region, für die Region“ wurden bereits aktive oder mögliche Kooperationen aufgezeigt. Dabei tauschten sich Sebastian Klass (Bio-Hof Klass Wiesenhagen), Jana Gäbert (AGT Agrargenossenschaft Trebbin eG), Belinda Minkwitz (Jouis Nour GmbH Dahlewitz) und Uwe Buba (Fläming Blumen Felgentreu GmbH & Co. KG) aus. Es zeigte sich, dass in Zeiten von Klimawandel und Wassermangel eine gegenseitige Akzeptanz von Klein und Groß, von Bio und konventionell vorhanden ist. „Wir helfen uns gegenseitig, damit es uns auch übermorgen noch gibt“, sagte Jana Gäbert. In der dritten Runde lautete das Thema „Klimawandel auch bei uns – was tun?“

Von Gerald Bornschein

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