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Teltow-Fläming Wirtschaftswoche Teltow-Fläming eröffnet
Lokales Teltow-Fläming Wirtschaftswoche Teltow-Fläming eröffnet
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17:02 05.11.2019
Der Münchener Professor Peter Nieschmidt bei seinem impulsiven Vortrag im Luckenwalder Kreistagssaal. Quelle: Gerald Bornschein
Luckenwalde

Die Wirtschaftswoche Teltow-Fläming 2019 ist eröffnet. Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) begrüßte die Gäste am Montagabend im Kreistagssaal gemäß dem Motto „Teltow-Fläming – bereit für die Zukunft“. Sicher berechtigt im Hinblick auf die erreichte Einwohnerzahl von 168.000, die sich „deutlich von dem unterscheidet, was und noch vor wenigen Jahren prognostiziert wurde“. Der Landkreis sei mit einem „tollen Branchenmix“ breit aufgestellt, neben der Spitzenlage im Handwerk auch in den Bereichen Industrie und Logistik. Aufgabe des Landkreises sei es, „den Wirtschaftsstandort Teltow-Fläming zu sichern und das Wachstum nachhaltig, ökologisch verträglich und auch sozial gerecht zu gestalten“.

Landrätin Kornelia Wehlan eröffnet die Wirtschaftswoche Quelle: gb-design Gerald Bornscheingb-design Gerald Bornschein

Siegmund Trebschuh, Leiter des Dezernats IV und des Amtes für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung, gab einen kurzen Ausblick auf das gemeinsam mit vielen Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung gestaltete Programm, das „nicht für Sie, sondern mit Ihnen organisiert wurde“.

Vortrag von Peter Nieschmidt

Mit einem impulsiven Vortrag startete im Anschluss Peter Nieschmidt, Professor an der Fachhochschule München. Statt einer Powerpoint-Präsentation verließ er sich mit den Worten „ein guter Schulmeister braucht Tafel und Kreide“ auf Flipchart und Stifte als Hilfsmittel. Das Thema „Arbeit und Führung im Wandel“ begann er mit der Definition von Arbeit zwischen Zwang und Entfaltung.

Diese sei eng verbunden mit der Religionsentwicklung, so wurde im katholischen Verständnis von „Bete und arbeite“ Arbeit immer als soziale Interaktion begriffen. Im lutherischen kommt Beruf von „Berufung“, die Arbeit als „Pflichterfüllung“ stehe im Mittelpunkt. Die berufliche Tätigkeit des Handwerksmeisters verbindet sich seit der Reformation mit der Ehre. Schließlich kommt das calvinistische Verständnis dazu, das vom Bild des Menschen als „natura corrupta“ ausgeht. Der liebt die Müßigkeit, die bekanntlich „aller Laster Anfang“ sei, und müsse daher mit Arbeit diszipliniert werden. Quantität statt Qualität sei nun angesagt.

Prof. Dr. Peter Nieschmidt bei seinem impulsiven Vortrag Quelle: gb-design Gerald Bornscheingb-design Gerald Bornschein

Anhand dieser drei Kriterien könne jeder Arbeitsvorgang und jedes Führungshandeln klar beurteilt werden, findet Nieschmidt, allen drei zu entsprechen sei keine leichte Aufgabe. Am Beispiel von VW-Manager Martin Winterkorn führte er seine Thesen aus: Der habe zwar „im Sinne des calvinistischen Verständnisses einen tollen Job gemacht“, nämlich mehr Autos verkauft als jeder andere. Im lutherischen Sinn hätte er dagegen bessere Autos ohne Schummel-Software verkaufen sollen, ohne die deutsche Ingenieurskunst in Verruf zu bringen. Zudem habe er gegen das katholische Prinzip der sozialen Interaktion verstoßen, indem er „seinen gesamten Vertrieb unehrlich“ gemacht hat.

Im weiteren Verlauf zeigte Nieschmidt, wie Führung seiner Ansicht nach funktioniert. Aus fiktiven Mitarbeitern stellte er ein Team zusammen, das nicht aus Produktions- oder Kostenfaktoren besteht, sondern aus Persönlichkeiten. Sie alle hätten unterschiedliche Lernerfahrungen und Beziehungen untereinander. Dies bei der Besetzung von Aufgaben zu beachten, Mitarbeiter zu entwickeln und zu fördern, bedeute Führungskompetenz. Eine Führungskraft dürfe nicht an der Spitze stehen, sondern mitten in der Mannschaft, sagt er.

Interview mit Inhaber der Merzdorfer Landbäckerei

Beim nächsten Programmpunkt gab Bäckermeister Stephan Sembritzki von der Merzdorfer Landbrotbäckerei Auskunft über die Entwicklung seines Unternehmens. Förderberater Tilo Hönisch von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), die den Eröffnungsabend gemeinsam mit dem Landkreis veranstaltete, stellte kurze Fragen, auf die Sembritzki frei und ausführlich antwortete. Neben der Geschichte ging es auch hier um Führungstätigkeit, denn zusätzlich zu den neun Mitarbeitern hat er Verantwortung für 26 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr.

Tilo Hönisch von der ILB im Interview mit Bäckermeister Stephan Sembritzki (rechts) Quelle: gb-design Gerald Bornscheingb-design Gerald Bornschein

Befragt nach dem Geheimnis seines Erfolgs, meinte Sembritzki: „Bodenständig bleiben.“ Er schwört auf die althergebrachten und rustikalen Rezepte. „Meine Mannschaft und ich sind ein tolles Team, und wir stehen dahinter.“ Dennoch ist er offen für die Zukunft, mit Hilfe der ILB-Förderung für die energieeffiziente Herstellung von Lebensmitteln hat er in moderne Technik investiert. Großen Zuspruch finden auch die aus einer „Schnapsidee“ heraus entstandenen Backseminare. Für seine Antwort auf Tilo Hönischs Frage, was er sich als Unternehmer für den Landkreis wünschen würde, bekam er spontanen Applaus: „Schafft die Bürokratie ab.“

Nach der Auszeichnung der Akteure beim Stadtradeln 2019 gab es für alle Beteiligten und Gäste ausgiebig Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch.

Von Gerald Bornschein

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