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Luckenwalde Auf dem Boulevard fuhren einst Boote
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Auf dem Boulevard fuhren einst Boote
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18:23 04.06.2018
Bauarbeiten am 2. Bauabschnitt des Boulevards. Quelle: Hartmut F. Reck
Luckenwalde

Dort, wo jetzt die Luckenwalder flanieren und shoppen, ihre Kinder sich an den Wasserspielen ergötzen und die Eisdielen belagern sind einstmals flache Boote gefahren. Das vermutet zumindest der Archäologe Kai Schirmer von der Firma Altum, die die Sanierungsarbeiten des Boulevards seit Beginn archäologisch begleitet.

50 Bohlen freigelegt

„Wir haben etwa 50 Bohlen freigelegt“, berichtet er. Dabei handle es sich zum einen Teil auf jeden Fall um eine Uferbefestigung. „Da war im südlichen Teil der Breiten Straße eine richtige Spundwand, die Balken waren mit Nut und Feder verbunden“, sagt Schirmer.

Historische Holzbohlen wurden bei der Sanierung des Luckenwalder Boulevards entdeckt. Quelle: Hartmut F. Reck

Und dann waren da noch Teile einer größeren Brücke, die über die Nuthe geführt haben muss. Daraus schließt der Archäologe, dass an dieser Stelle die heute weitgehend kanalisierte Nuthe viel breiter war. „Davon habe wir etliche Hölzer herausgeholt, und es stecken auch noch viele im Boden und bleiben dort auch“, sagt Kai Schirmer. Denn in dem feucht-matschigen Boden werden sie weiter gut erhalten für die nächsten Jahrhunderte lagern, während das ans Tageslicht geholten Hölzer nur gut erhalten bleiben solange sie feucht sind, aber schnell austrocknen und zerfallen werden.

Balken vorindustriell gefertigt

Eins steht für den Fachmann fest: Die Balken wurden vorindustriell gefertigt, also nicht wie im Mittelalter mit dem Beil bearbeitet, sondern vermutlich in einer Sägemühle vorgefertigt und dann vor Ort zusammengesetzt. „Wir glauben, dass die Hölzer aus dem 18. Jahrhundert stammen“, meint Schirmer. Endgültige Gewissheit wird es aber erst nach der dendrochronologische Untersuchung geben. Mit dieser Methode wird anhand der Jahresringe genau festgestellt, wann die verwendeten Bäume gefällt worden sind. Die notwendigen Proben haben die Archäologen schon genommen und an das Labor geschickt.

Graben zweigte am Engpass von der Nuthe ab

Aufgrund der gefundenen Spundwände und Uferbefestigungen, die immer wieder neu gesetzt wurden, ist sich Kai Schirmer ziemlich sicher, dass in der heutigen Breiten Straße ein Graben verlief, der im Süden, also etwa beim Engpass, von der Nuthe abzweigte und nördlich der Stadt wieder in die Nuthe mündete. Ob der Graben tatsächlich von Booten befahrbar war, steht nicht fest. Auf jeden Fall wurde er als Gosse benutzt, in der Abfälle entsorgt wurden, wie es viele Keramikscherben und verrostete Eisengegenstände zeigen. Die meisten stammen aus neuerer Zeit. Mittelalterliche Funde gibt es, aber nicht so häufig.

Bronzezeitliche Siedlung gefunden

Dafür hat man schon im ersten Bauabschnitt im Bereich Breite Straße/Theaterstraße eine besonders gut erhaltene Kulturschicht gefunden. Sie gab Hinweise auf eine prähistorische Siedlung aus der Jungbronzezeit. Das heißt, dass dort schon vor etwa 3000 Jahren Menschen gesiedelt haben. „Das ist das älteste, was wir gefunden haben“, sagt der Archäologe stolz.

Lob an die Bauarbeiter

Dies müssen nicht immer Funde sein, sondern können auch Befunde sein. „Befunde kann man nicht in die Tasche stecken“, erklärt Schirmer. Das seien Strukturen wie Bodenverfärbungen, anhand derer man analysieren kann, was dort vor Jahrhunderten war. Bis jetzt sind sich Bauarbeiter und Archäologen nicht in die Quere gekommen. „Die Zusammenarbeit mit der Baufirma klappt sehr gut“, lobt Schirmer. Und wenn man sie aufhalten musste, weil irgendein Zeugnis der Vergangenheit gefunden wurde, dann konnten die Bauarbeiter an einer anderen Stelle weitermachen.

Die Archäologen der Firma Altum waren fast täglich auf der Baustelle. Dabei kamen sie auch mit Passanten ins Gespräch. Viele wollten wissen, wie die alten Gegenstände in die Erde gekommen sind. Kai Schirmer schmunzelt: „Unsere Antwort war: ,Schauen Sie sich doch heute mal die Nuthe an, was da alles am Ufer oder schon drinnen liegt.’“

Von Hartmut F. Reck

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