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Luckenwalde Ein Viertel mit großer Geschichte
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15:52 02.02.2020
Wolfgang Bohmann (l.) und der Vorsitzendes Siedlervereins, Ralf Müller, hatten die Idee zur Chronik. Quelle: Victoria Barnack
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Luckenwalde

Als Chronist der Luckenwalder Bergsiedlung hatte Wolfgang Bohmann eigentlich nicht unbedingt die besten Voraussetzungen. Er ist gar kein ursprünglicher Einwohner der Siedlung, sondern Neusiedler. Während die ersten echten „Frankenfelder Siedler“, wie sie sich damals nannten, im Westen der Stadt bauten, zog er erst 1994 dorthin.

Und dann spielt er die Bedeutung des Viertels und seiner Arbeit dazu auch noch mit einer rhetorischen Frage charmant herunter. „90 Jahre Bergsiedlung – was ist daran schon Besonderes?“, fragt er.

Aber irgendetwas muss es ja auf sich haben mit diesem Viertel, denn Wolfgang Bohmann hat zusammen mit Kollegen zum Jubiläum eine Chronik über sie verfasst, die es in sich hat: 267-Seiten Ortsgeschichte, die er am Freitagabend im Siedlerheim vorstellte.

Fast 650 Menschen leben heute in rund 250 Haushalten in der Luckenwalder Bergsiedlung. Quelle: Privat

Den rund 100 Besuchern erzählt er, dass die ursprünglichen Siedler nur bauen durften, weil ein Bauer sein Waldstück verkaufte. Auch das sei noch nichts Besonderes, so Bohmann. Aber dann kommt er doch zu dem Punkt, der die Bergsiedlung wirklich speziell macht: „Es gab damals keinen Investor.“

Ein Maurermeister aus Berlin, Hermann Habedank, wurde mit der Parzellierung, mit Straßenbau, Entwässerung und Elektroanschlüssen beauftragt. Die Siedler befürchteten, dass damit eine Lawine an Kosten auf sie zukommen würde. Kurzerhand gründeten sie einen Verein. 20 Mitglieder waren die „Frankenfelder Siedler“ zu ihrer Gründung am 5. November 1929.

Wolfgang Bohmann leitet den Arbeitskreis für die Chronik der Bergsiedlung. Quelle: Margrit Hahn

„Heute leben 637 Einwohner in der Bergsiedlung“, erzählt Bohmann. „Doppelt so viele Menschen wie in Frankenfelde.“ Und das obwohl man der Siedlung einst bescheinigte, sie sei „auf Dauer nicht existenzfähig“. Bohmann und seine Kollegen aus dem Chronik-Arbeitskreis haben das aus alten Dokumenten herauslesen können. Rund drei Jahre lang arbeiteten sie an dem dicken Werk.

Heute wieder 70 Mitglieder im Verein

Die Idee, zum Jubiläum eine Chronik der Bergsiedlung drucken zu lassen, hatte Ralf Müller. Er ist Vorsitzender des Siedlervereins. „Ohne eine Chronik wissen wir doch irgendwann gar nicht mehr, wo wir Siedler einmal herkamen“, sagt er.

Auch Müller ist ein Neusiedler. „Ich bin 2001 hergezogen“, berichtet er. Obwohl er selbst sagt, noch nicht lange in der Siedlung zu leben, hat er schon viel miterlebt im Verein. Dass sie heute wieder 70 Mitglieder sein würden, war vor einigen Jahren noch nicht abzusehen. „Die Siedlung war alt und damit war es auch der Verein“, sagt Ralf Müller.

Das Osterfeuer gehört in der Bergsiedlung zu den größten Veranstaltungen. Quelle: Lorenz Reck

Gerettet hat den Siedlerverein das Siedlerheim. Mitten in dem Wohnviertel steht es und ist heute wieder Dreh- und Angelpunkt der Bergsiedlung. „An rund 200 Tagen im Jahr finden hier Veranstaltungen statt, üben Tanzgruppen oder werden private Feste gefeiert“, erzählt der Vereinschef.

Verjüngt: Verein schafft Altersgrenze ab

Eine Tanzgruppe brachte vor einigen Jahren die Verjüngungskur. Der Verein schaffte seine Altersgrenze nach unten ab und erneuerte den Vorstand. „Mit dem Bruch kamen neue Themen und Veranstaltungen“, erzählt Ralf Müller.

Heute gibt es nicht nur einmal im Monat den Ruheständler-Treff. Auch die „Jüngeren“ – das sind die 30- bis 60-Jährigen – treffen sich regelmäßig. Und für die Kinder ist mit Drachenfest und Halloween ohnehin gesorgt.

Halloween wird in der Bergsiedlung erst seit einigen Jahren groß gefeiert. Quelle: Margrit Hahn

Die bewegte Geschichte der Bergsiedlung und ihres Vereins lässt sich dank Unterstützung der Stadt Luckenwalde und Fördermitteln heute in der Chronik mit vielen Fotos nachlesen. „Die erste Auflage war vergriffen, bevor sie überhaupt gedruckt war“, erzählt Wolfgang Bohmann.

Die Siedler planen deshalb eine zweite Auflage. „Wer Interesse hat, kann sich noch melden“, sagt Ralf Müller. 20 Euro kostet ein Exemplar. „Wenn wir genug Bestellungen zusammenhaben, geht der Auftrag raus“, so Müller.

Pläne für 100 Jahre Bergsiedlung

Abgeschlossen ist die Chronik damit noch lange nicht. Das Original hat keine Seitenzahlen. „Wir wollen es weiterführen und könnten auch noch Dokumente einfügen, die sich erst jetzt anfinden“, sagt Bohmann. Dann könnte es zum 100-jährigen Bestehen der Bergsiedlung noch einmal einen ganz neuen Druckauftrag geben.

Von Victoria Barnack

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