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Luckenwalde Berufsbetreuer in Teltow-Fläming vor dem Aus
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Berufsbetreuer in Teltow-Fläming vor dem Aus
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17:00 19.11.2019
Meist führt eine Krankheit wie Demenz oder Psychosen dazu, dass Menschen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst organisieren können. Quelle: Björn Wagener
Luckenwalde

Seit Monaten bekommen sie kein Geld. Die Berufsbetreuer in Teltow-Fläming gehen deshalb jetzt auf die Barrikaden. „Wenn sich in den nächsten zwei Wochen nichts tut, müssen mehrere von uns Insolvenz anmelden“, sagt Birgit Nippe in dieser Woche während eines Krisentreffens.

„Oftmals nicht gern gesehen“

Sie ist eine von fast 30 Berufsbetreuern in Teltow-Fläming. Ihre Klienten sind Menschen, die allein nicht mehr zurecht kommen, meist weil sie körperlich, geistig oder psychisch krank sind. Alkohol, Drogen, Waffen und Gewalt sind an der Tagesordnung im Berufsalltag.

Auch Messies gehören zu den Klienten der Berufsbetreuer. Quelle: Kai Remmers/dpa

„Oftmals sind wir Betreuer nicht gern gesehen“, sagt Birgit Nippe. Auch sie ist schon körperlich angegriffen und mit Waffen bedroht worden. „Nicht selten sitze ich bei meinen Klienten in vermüllten Haushalten oder mit einem Schirm in der Hand im Hof auf einem umgedrehten Eimer“, erzählt sie.

„Job würde ich immer wieder wählen“

Trotzdem: „Den Job als Berufsbetreuerin würde ich immer wieder wählen“, sagt Birgit Nippe, „die finanzielle Situation zwingt mich nun aber dazu, über einen Berufswechsel nachzudenken.“ Denn die gesetzlich bestellten Betreuer werden nicht wie normale Angestellte im selben Monat bezahlt. „Im Schnitt erhalten wir unser Geld zehn Monate nach Beginn der Betreuung“, berichtet sie.

Mit dem Betreuerpass können sich ehrenamtliche und selbstständige Betreuer ausweisen. Quelle: Victoria Barnack

Schon vor einem Jahr standen die Berufsbetreuer in TF vor demselben Problem. Abhilfe schaffte damals ein Schreiben an das Oberlandesgericht und ein anschließendes Gespräch mit der Direktorin des Luckenwalder Amtsgerichtes. Denn dort stellen die Betreuer die Anträge auf ihre Vergütung. Eine Frist, bis wann ein Antrag bearbeitet sein muss, gibt es nicht.

Genau an dieser Stelle liegt offenbar der eigentliche Kern des Problems. Denn im Amtsgericht fehlen die nötigen Rechtspfleger, um die Anträge der Betreuer zu bearbeiten.

„Betreuung hat kaum eine politische Lobby“

„Inzwischen ist es fünf nach Zwölf“, sagt Andreas Herrmann, Geschäftsführer des Betreuungsvereins Fläming, einer von vier Vereinen in TF. Dass erst vor wenigen Monaten die Vergütung für die Betreuer erhöht wurde, hilft da kaum.

Bei dem Krisentreffen in dieser Woche suchten Vereine und Berufsbetreuer nach einer Lösung, um den Berufsstand im Landkreis zu retten. Nicht einmal eine Hand voll Politiker folgten der Einladung. „Die Betreuung hat kaum eine politische Lobby“, berichtet Herrmann, „deshalb haben wir im Alltag immer wieder mit solchen Problemen zu kämpfen.“

Zahlen und Fakten

Eine gesetzliche Betreuung ordnet das Gericht an. Typische Erkrankungen, die dazu führen, sind Altersdemenz, Psychosen, Alkoholismus oder aber auch geistige Behinderungen.

Fast die Hälfte aller Betreuungen leisten Angehörige oder andere Ehrenamtler. Sie kümmern sich meist um einfache Fälle. In der Regel sind das ältere Menschen, die in einem Heim leben.

Berufsbetreuerkümmern sich um schwierigere Fälle. Sie melden sich bei der Betreuungsbehörde des Landkreises an. Diese schlägt sie dann dem Gericht vor.

Die Vergütung der Betreuer ist in einem bundesweiten Gesetz geregelt. Die Höhe staffelt sich unter anderem nach der Qualifikation des Betreuers und danach, ob der Betreute mittellos ist oder in einem Heim lebt.

Maximal gibt es knapp 51 Euro pro Stunde, die alle entstehenden Kosten wie Sprit, Porto und Versicherungen abdecken sollen.

Als einziger Landespolitiker nahm Erik Stohn (SPD) an dem Gespräch teil. Er betont, wie wichtig die Eigeninitiative der Berufsbetreuer ist und verweist auf die Förderung der Betreuungsvereine durch das Land. Diese Finanzierungshilfe ist in diesem Jahr fast verdoppelt worden. „Ohne Gespräche wie dieses hätte es das nicht gegeben“, so Stohn.

Er hat den Betreuern nun Unterstützung zugesagt. Eine kurzfristige Lösung könnten zusätzliche Rechtspfleger am Luckenwalder Amtsgericht sein oder aber eine pauschale Bearbeitung der Vergütungsanträge.

„An unserem Beruf hängen Familien und Existenzen“

Die Hilfe des Generalsekretärs der SPD im Landtag könnte für einige Berufsbetreuer dennoch zu spät kommen. Nämlich dann, wenn aus dem Amtsgericht bis Jahresende keine Entscheidung über die Anträge fällt.

Inzwischen sind die Rücklagen bei vielen Berufsbetreuern in TF aufgebraucht. Eine Insolvenz wäre das berufliche Ende für sie. Denn mit einem Eintrag im Schuldnerverzeichnis dürfen sie nicht mehr als Berufsbetreuer arbeiten.

„Wenn wir untergehen, fallen auch unsere Klienten hinten runter“, sagt Birgit Nippe. Durchschnittlich 30 und 60 Menschen betreut jeder der knapp 30 Berufsbetreuer im Landkreis; einige von ihnen sogar mehr. „An unserem Beruf hängen zahlreiche Familien und Existenzen.“

Von Victoria Barnack

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