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Luckenwalde Das Karree wird zum Sanierungsgebiet
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19:07 09.10.2019
Sanierte Villa neben Ruine: Im Quartier Karree gibt es an vielen Stellen Handlungsbedarf vom baulichen Zustand bis zum sozialen Miteinander. Quelle: Victoria Barnack
Luckenwalde

Industriebrachen, sozialer Brennpunkt, zu wenig Spielplätze: Im Karree zwischen Bahnhof und Zentrum gibt es nicht das eine große Problem. Es gibt viele kleine, unterschiedliche Probleme. Genau deshalb will die Stadt Luckenwalde das Quartier zum Sanierungsgebiet machen. „Damit würden sich zahlreiche Möglichkeiten bieten, die Investoren finanziell aber auch beratend zu unterstützen“, sagt der Leiter des Stadtplanungsamtes, Peter Mann.

Das Motto im Karree könnte nach den Sanierung lauten: Wohnen mit Industriecharme in Bahnhofsnähe. Quelle: Victoria Barnack

Das Karree ist bei Weitem nicht das erste Sanierungsgebiet in der Kreisstadt. Relativ neu sind die Areale Auf dem Sande und Am Anger. Schon länger ausgewiesen ist das Quartier Dahmer Straße. „In diesem Sanierungsgebiet gab es beispielsweise erhebliche Rückstände, die nun Geschichte sind“, sagt Mann, „hier wurde Leerstand in großem Umfang beseitigt und über 100 Wohnungen saniert.“

Das sind die Vorteile:

Der größte Vorteil an der neuen rechtlichen Stellung des Quartiers: Es winken Fördermittel und steuerliche Vorzüge für Investoren und Hausbesitzer, die es sonst nicht gibt.

Wer wie hier aufwendig in den Erhalt des gründerzeitlichen Erscheinungsbildes investiert, darf mit Fördermitteln und Steuervorteilen rechnen. Quelle: Victoria Barnack

Auch die Mitarbeiter der Stadt können ihr Wissen beispielsweise zur Wohnungsbauförderung dann gezielter weitergeben. „Der Gewinn an Informationen für die Eigentümer ist erheblich“, sagt Peter Mann.

Das sind die Nachteile:

Mit dem neuen Sanierungsrecht verbinden sich aber auch Nachteile. Beispielsweise bedürfen Vorhaben, die sonst genehmigungsfrei sind, dann eventuell einer Zustimmung. Am Ende müssen die Hausbesitzer in der Regel einen Ausgleich an die Stadt zahlen, weil sich durch die gesamte Sanierung des Quartiers der Bodenwert jedes einzelnen Grundstücks erhöht hat.

Auch der bürokratische Aufwand ist nicht unerheblich. Allein die Stadt und externe Berater sind mehrere Monate lang damit beschäftigt, nachzuweisen, dass im Karree überhaupt Handlungsbedarf besteht. „Eine Entscheidung fällen die Stadtverordneten im besten Fall 2020“, sagt Mann. Erst dann kann das Vorhaben zwischen Bahnhof und Zentrum wirklich starten.

Industrieruinen wie alte KBL-Fabrik in der Poststraße prägen den Charakter des Quartiers. Quelle: Victoria Barnack

Derzeit läuft die Bestandsanalyse und eine Bewertung des Karrees. Erste Untersuchungen zeigen: Jedes dritte Gebäude im Quartier ist teilweise oder komplett sanierungsbedürftig. Stadtteilprägend ist beispielsweise die marode Kontaktbauelemente-Fabrik in der Poststraße. Ein Investor will in die Ruine Wohnungen bauen.

„Der Aufwand ist durch eine normale Rendite kaum zu erwirtschaften“, erklärt Peter Mann, „mit möglichen Fördergeldern ist der Investitionsanreiz hingegen wesentlich höher.“

Das Karree hat auch ein soziales Problem

Saniert werden müsste aber auch das soziale Miteinander. Das Karree ist durch eine extreme Mischung geprägt – Sozialbauten stehen direkt neben aufwendig sanierten Fabrikantenvillen. 

Baulich ist das Volltuch-Viertel in einem guten Zustand. Hier gibt es aber soziale Probleme. Quelle: Victoria Barnack

„Das Quartier ist eines der dynamischsten in der ganzen Stadt mit einer besonders jungen Bevölkerung. Ein Teilziel wird es sein, das soziale Zusammenleben im Quartier so zu organisieren, dass eine Durchmischung künftig verträglich ist“, sagt der Amtsleiter. Zentrale Einrichtungen wie Kitas, Jugendclubs oder Kulturstätten könnten dieses Ziel fördern.

Wann und wie genau das alles passieren soll, ist noch unklar. Die Stadt geht derzeit den zweiten von vier nötigen Schritten, bevor die Stadtverordneten abstimmen dürfen. Zwischendurch muss auch die Bevölkerung beteiligt werden. „Details sind im Moment also noch Zukunftsmusik“, sagt Peter Mann.

Von Victoria Barnack

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