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Luckenwalde Was macht eine gute Kita aus?
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Was macht eine gute Kita aus?
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00:26 25.05.2019
Zur Diskussion ins Kreishaus kamen am Dienstag auch Eltern, Erzieher und Mitarbeiter der Verwaltungen. Quelle: foto: Victoria Barnack
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Luckenwalde

„Beim Thema Kita gibt es so viele Beteiligte, dass ein Dialog nicht ausreicht“, sagte Steffen Große. Der Regionalleiter des Paritätischen Landesverbandes in Teltow-Fläming hatte deshalb am Dienstag gleich ein ganzes Dutzend Gesprächspartner zur Diskussion geladen. Was macht eine gute Kita aus? Was muss die Kindertagesbetreuung leisten? Und was braucht es, um die Kitas zu verbessern? So viel vorweg: Die absolute Lösung haben auch die Politiker von SPD, CDU, Linken und Grünen, die Kommunen und die Träger am Dienstag nicht finden können.

Steffen Große ist Leiter des Paritätischen Landesverband im Bereich Fläming/Elster. Quelle: Victoria Barnack

Zumindest bei ihrer Wunschvorstellung waren sich aber alle Diskussionsgäste einig. „Eine gute Kita, das sind strahlende Augen bei den Kindern, bei den Eltern und bei den Betreuern“, sagte Paul Niepalla. In Ludwigsfelde leitet er den Fachbereich, der die Kindertagesbetreuung umfasst.

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Zu den vierstelligen Geburtenzahlen kommen in der Speckgürtel-Stadt noch die Zuzüge. Allein 85 Kinder unter sechs Jahren wurden in Ludwigsfelde 2018 neu im Rathaus angemeldet, quasi eine komplette Kita.

In Ludwigsfelde jagt derzeit ein Kitabau den nächsten. Im Stadtviertel Ludwigsdorf entsteht die neue Einrichtung mit dem Namen „Schwalbennest“. Quelle: Jutta Abromeit

Das Erfolgsrezept im Moment ist kein Geheimnis. Es heißt bauen, bauen, bauen“, sagte Niepalla. Denn in fast allen Kommunen in Teltow-Fläming fehlt es an Kitaplätzen. „Was nützt uns die schönste Kita, wenn es Kinder gibt, die davon ausgeschlossen sind, weil wir nicht genug Plätze für sie haben oder die Betreuer fehlen“, erklärte er.

Im Spannungsfeld zwischen Erwartungen und Finanzen

Genau an dieser Stelle beginnt der Teufelskreis in der Kitadiskussion. Denn: Wer ist Schuld? Der Landkreis, weil die Baugenehmigungen zu lange dauern? Die Landespolitik, weil nicht genug Geld für gut ausgebildetes Personal zur Verfügung steht? Oder doch der Verwaltungsaufwand, der Kitaleiter an den Schreibtisch bindet statt an die Seite der Kinder?

Zahlen und Fakten zu Kitas in TF

14.612 Plätze standen 2018 zur Verfügung, um Kinder tagsüber in Teltow-Fläming zu betreuen. 13.715 dieser Plätze sind Kitaplätze.

2019 wird in den Kitas gebaut. Bis Ende des Jahres soll es im Landkreis 15.191 Betreuungsplätze geben. 2020 sollen es noch einmal knapp 230 Plätze mehr sein.

456 Plätzefehlten 2018 in TF für die Betreuung von Kindern, die noch nicht zur Schule gehen. In diesem Jahr soll das Defizit auf 330 Plätze gesenkt werden. 2020 fehlen laut der Planung dann noch 317 Plätze.

Im Hortbereich fehlten 2018 insgesamt 76 Betreuungsplätze. In den nächsten Jahren steigt das Defizit hier sogar auf 100 und mehr.

Niedergörsdorfist laut Planung die einzige Kommune, in der die angebotenen Plätze den Bedarf komplett abdecken. In allen anderen Städten und Gemeinden in Teltow-Fläming ist die Versorgung bisher eingeschränkt.

„Alle Beteiligten beim Thema Kita stehen im Spannungsfeld zwischen Erwartungen und finanziellen Rahmenbedingungen“, fasste Moderatorin Annett Bauer am Dienstag zusammen. Für die inhaltliche Diskussion darüber, was eine gute Kita überhaupt leisten muss, bleibt dabei im Podium wie im echten Leben kaum Raum.

Elternvertreter, Politiker und Mitarbeiter aus den Verwaltungen diskutierten über gute Kitas. Quelle: Victoria Barnack

„Wir als Eltern bekommen immer mehr den Eindruck, dass unsere Kinder weniger betreut als verwaltet werden“, sagte Mathias Vogel. Was der Vorsitzende des Kita-Elternbeirates in Teltow-Fläming sagt, ist keine Kritik an Betreuern oder Leitern der Einrichtungen, sondern viel mehr an den politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre. „Das Gute-Kita-Gesetz ist sicherlich gut gemeint, jetzt sollte man aber auch alles daran legen, es in die Tat umzusetzen.“

Mathias Vogel ist Vorsitzender des Kita-Elternbeirates in Teltow-Fläming. Quelle: Jonas Nayda

Rund 164 Millionen Euro sollen aus dem Bundesprogramm bis 2022 nach Brandenburg fließen. „Damit wollen wir unter anderen zusätzliche Betreuungszeiten schaffen“, erklärte SPD-Generalsekretär und Kreistagsabgeordneter Erik Stohn. Vor allem in der Pendlerregion Teltow-Fläming sei das wichtig, da Eltern immer mehr im Arbeitsleben eingespannt sind.

„Von den Erziehern wird die eierlegende Wollmilchsau erwartet“

Umso mehr rücken die Erzieher in den Fokus, die sich Woche für Woche immer länger um die Kinder kümmern. Dass es gut ausgebildetes und vor allem mehr Personal in den Kitas braucht, um das Problem zu lösen, darüber waren sich am Dienstag alle einig. Für Streit sorgte aber die Rolle der Eltern.

„Von den Erziehern wird heute erwartet, dass sie die eierlegende Wollmilchsau sind“, sagte Niepalla. Weil die Betreuer aber nicht alles leisten könnten und auch nicht sollten, sieht er vor allem die Eltern in der Pflicht und erhält dafür Zustimmung vom Paritätischen Landesverband.

Weil die Eltern berufstätig sind und pendeln, werden immer mehr Kinder länger in den Kitas betreut. Quelle: Gerald Bornschein

Auch Steffen Große plädiert dafür, dass sich Eltern mehr einbringen, wenn über die Einrichtungen diskutiert wird. Er sieht aber vor allem den Landkreis in der Verantwortung. „Der Kreis hat hier die Gesamtverantwortung einschließlich der Planung“, sagte er.

Kreis fordert komplette Finanzierung und weniger Bürokratie

In der Kreisverwaltung sieht man hingegen ganz andere Schwerpunkte bei dem Thema. „Kitas sind Bildungseinrichtungen und sollten deswegen ausfinanziert sein“, erklärte Kirsten Gurske (Linke), die Erste Beigeordnete und Sozialdezernentin beim Landkreis.

Würden die bisher zahlreichen Säulen der Finanzierung zu einer einzigen Quelle zusammengefasst, wäre auch das zweite große Problem aus Sicht der Verwaltung gelöst: „Denn damit würde ein erheblicher Teil des aktuellen Verwaltungsaufwandes wegfallen“, sagte Gurske in Richtung der Landespolitiker.

Im Zwiegespräch: Sozialdezernentin und Erste Beigeordnete, Kirsten Gurske, diskutiert mit Luckenwaldern im Publikum. Quelle: Victoria Barnack

Die wiederum sehen sich auch nicht allein in der Bringepflicht für gute Kitas. Nur weil die Abgeordneten im Landtag am Ende über ein neues Kitarecht für Brandenburg abstimmen, würde das nicht heißen, dass sie allein in der Verantwortung stünden, erklärte Grünen-Politikerin Marie Luise von Halem.

Für genau dieses neue Kitagesetz laufen bereits die ersten Vorgespräche in Potsdam. „Liebe Eltern und freie Träger, ich bitte Sie:, bringen Sie sich in die Diskussionen ein“, sagte von Halem, „auch die Kommunen können zum Beispiel über den Städte- und Gemeindebund mitdiskutieren.“

Feedback: Die Teilnehmer der Diskussion konnten sich auch zu den Forderungen des Landesverbandes äußern. Quelle: Der Paritätische

Und zumindest das ist ein Fazit und erster Schritt, der am Dienstag in Luckenwalde für bessere Kitas gegangen wurde: Über Partei- und Institutionsgrenzen hinaus haben sich Träger, Kommunen, Politiker und Eltern einmal ernsthaft über ihre Wünsche und Nöte ausgetauscht.

Von Victoria Barnack