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Luckenwalde Turley-Orgel barg eine echte Überraschung
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08:18 05.01.2019
Das Orgelgehäuse ist leergeräumt. Pfarrerin Stephanie Hennings und Kreiskantor Peter-Michael Seifried schauen durch den mittleren Prospekt, wo sonst die Zinnpfeifen stehen. Quelle: Hartmut F. Reck
Frankenfelde

Da staunten die Orgelbauer nicht schlecht, als sie Ende November die Orgelpfeifen der national bedeutsamen Kirchenorgel in Frankenfelde auseinander nahmen, um sie zur Restauration in die Orgelbauerwerkstatt Schuke in Berlin Alt-Schönow zu bringen. Beim Abbau der von 1824 stammenden Orgel stellte sich heraus, dass der damals gerade mal 20-jährige Orgelbauer Johann Friedrich Turley bei seinem Erstlingswerk einen Trick anwendete, um der Orgel zu einem besonders tiefen, sonoren Bass zu verhelfen. Heute würde man sagen, dass er es schaffte, ihr einen satten Sound zu verpassen, was für kleine Dorfkirchen eigentlich nicht möglich war.

Turley sorgte für mehr Wumms

Bei einer Begehung des derzeit entkernten Orgelgehäuses am Freitagvormittag verweist Pfarrerin Stephanie Hennings auf handschriftliche Hinweise Turleys auf einer Leiste, die man beim Abbau entdeckt hat. Sie geben für die Pedalposition Posaune 16 und Quinte 10 an. Fachleuten dürfte jetzt ein Licht aufgehen, für den blutigen Laien erläutert Kreiskantor Peter-Michael Seifried den Trick: „Turley machte sich die Akustik zunutze, um mehr Wumms in die Orgel zu kriegen. Damit erreichte er denselben Effekt, als wenn er eine weitere Pfeife mit der doppelten Länge von 5,40 Meter gebaut hätte.“

Hier verewigte sich der junge Johann Friedrich Turley auf der Rückseite des Orgelgehäuses mit den Worten: „Friedrich Turley junior Orgelbauer aus Treuenbrietzen“. Quelle: Hartmut F. Reck

Wie dem auch sei: Der junge Kerl, der später zum königlichen Orgelbauer aufstieg, hatte nicht nur für einen jugendlichen und munteren Klang seiner ersten Orgel gesorgt, wie Seifried anerkennend feststellt, sondern ihr auch noch den dazu passenden Bass verpasst.

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal

„Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal“, freut sich die Luckenwalder Pfarrerin Hennings. Ein Grund mehr, der die aufwendige Sanierung der Orgel rechtfertigt. Dafür werden gut 150.000 Euro benötigt, die dank vieler Spenden, 28 Orgelpatenschaften und vieler Benefizkonzerte zusammenkamen.

Kreiskantor Peter-Michale Seifried und Pfarrerin Stephanie Hennings inspizieren den Balgraum hinter der Orgel. Er versteckte sich bisher hinter einer Bretterwand und soll künftig einsehbar werden, um Gästen die Funktionsweise einer Orgel demonstrieren zu können. Quelle: Hartmut F. Reck

Doch nicht nur die Orgel an sich ist bemerkenswert, sondern auch ihr Umfeld. So befindet sich hinter der Orgel der Balgraum, in dem die Keilbalganlage mit Treteinrichtung stand, um der Orgel die richtige „Puste“ zu geben. Hier wurden also die aus Schafsleder bestehenden Bälge getreten, weil: „Jede Orgel muss atmen“, so Kirchenmusikdirektor Seifried.

Spitzbogen gibt Rätsel auf

Die Tatsache, dass der Balgraum unter einem gemauerten Spitzbogen im Turmbereich liegt, lässt Pfarrerin Hennings vermuten, dass hier ursprünglich das Eingangsportal der Kirche war, bevor später der wehrhafte Kirchturm davor gebaut wurde. Ob das tatsächlich so war, daran scheiden sich aber die Geister. Vorgesehen ist, diesen vorher mit einer Bretterwand verdeckten Bereich zu verglasen und somit einsehbar zu machen.

Mit der Fertigstellung und dem Eröffnungskonzert rechnet Pfarrerin Hennings bis zum Frühherbst.

Von Hartmut F. Reck

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