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Luckenwalde Familie sucht neues Zuhause
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Familie sucht neues Zuhause
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00:24 28.04.2019
Die Familie Strauhs/Vater sucht dringend eine neue Wohnung. Quelle: Margrit Hahn
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Holbeck

Sandra Strauhs und Mathias Vater erwarten in wenigen Tagen ihr erstes gemeinsames Kind. Die Freude auf das Baby ist groß, doch noch größer ist die Ungewissheit, wie es weitergehen soll. Die Patchworkfamilie, die bald sieben Personen zählt, wohnt in Holbeck in einer 153 Quadratmeter großen Wohnung. Seit längerem sieht Mathias Vater seine Familie und sich durch Schimmel an den Wänden bedroht, es gibt kaputte Fliesen, rostende Heizkörper, Stockflecken, aufsteigende Nässe und defekte Fenster. Deshalb forderte er den Vermieter im Herbst 2018 auf, die Mängel zu beseitigen.

Eine Überprüfung durch einen Gutachter ergab eine schlechte bauliche Substanz. Doch das war nicht das einzige, was bei dieser Gelegenheit festgestellt wurde, sondern auch, dass die Wohnung größer sei, als der vor zehn Jahren geschlossene Mietvertrag besagt. Deshalb fordert der Vermieter eine höhere Miete. Ansonsten bietet er an, dass die Familie die Wohnung ohne Kündigungsfrist räumen könne.

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„Auszug wäre für alle Beteiligten das beste“

Für den Vermieter ist vieles nicht nachvollziehbar.„Ich bin zehn Jahre gut mit Mathias Vater ausgekommen“, sagt Manfred Heß. Er bedauert, dass die Familie keinen Handwerker in die Wohnung lässt, um die Probleme beseitigen zu können. „Deshalb wäre ein Auszug für alle Beteiligten das beste“, sagt er. 

Die Wände in der Wohnung sind teilweise in einem sehr schlechten Zustand. Quelle: Margrit Hahn

Täglich schaut Mathias Vater auf die Immobilienportale. Der Wunsch nach fünf oder sechs Zimmern mit 140 bis 150 Quadratmetern scheint utopisch. Vor allem, wenn er auf die Mietpreise schaut. „Ich verschweige weder die Anzahl der Kinder noch die Tatsache, dass Noel durch seine Krankheit viel lauter ist als gesunde Kinder“, sagt er. Vater will mit offenen Karten spielen und nicht bei der ersten Beschwerde wieder ausziehen müssen.

„Lediglich Stockflecken in Küche und Bad“

Die Familie ärgert sich besonders über die Aussage von Jobcenter und Kreisverwaltung, die sich am 19. Februar die Wohnung angesehen haben und feststellten, das es sich lediglich um Stockflecken in der Küche und im Bad handelt. „Weitere Schimmel- und Feuchtigkeitsablagerungen konnten in er gesamten Wohnung bei der durchgeführten Vorortbesichtigung nicht festgestellt werden“, heißt es im Schreiben des Sozialgerichts. Das Jobcenter teilte mit, dass für die Beseitigung von Schimmel- und Stockflecken vorrangig der Vermieter verantwortlich ist. Da keine akute Gesundheitsgefährdung vorliege, sei ein Umzug in eine angemessene Unterkunft nicht notwendig.

Wie die stellvertretende Landrätin Kirsten Gurske mitteilte, würde die Wohnraumberatungsstelle des Landkreises Hilfesuchenden mit Empfehlungen zur Seite stehen, ansonsten sei in diesem Fall aber das Jobcenter zuständig. „Laut Richtlinie wäre eine Wohnung bis 120 Quadratmeter angemessen. Alle bisherigen Wohnungsangebote, die die Familie eingereicht hat, entsprachen den Vorgaben leider weder in Größe noch Preis“, so Gurske.

Jobcenter will Lösung finden

Die Wohnungen, die Sandra Strauhs und Mathias Vater dem Jobcenter bisher vorgeschlagen haben, wurden aus Kostengründen abgelehnt. Das Jobcenter verweist jedoch darauf, dass es einen intensiven Austausch mit der Wohnraumberatung gibt und wöchentlich der Wohnungsmarkt gesichtet wird, um eine passende Lösung für die Familie zu finden. „Auf der anderen Seite agieren wir jedoch auch mit Steuergeldern. Es wird schwer zu vermitteln sein, weshalb in diesem konkreten Fall das doppelte der zulässigen Bruttogesamtmiete aus allgemeinen Steuergeldern gezahlt wird. Unabhängig davon bin ich optimistisch, dass wir mit unserer weiterhin intensiven Arbeit bald eine bezahlbare, angemessene Wohnmöglichkeit für die Familie finden“, so Annett Sonnenburg, Geschäftsführerin des Jobcenters Teltow-Fläming.

Von Margrit Hahn