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Luckenwalde Immer mehr Probleme mit dem Tierschutz in Teltow-Fläming
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Immer mehr Probleme mit dem Tierschutz in Teltow-Fläming
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00:23 16.05.2019
Die Tierschutzprobleme in Teltow-Fläming sind vielfältig. Sie reichen von illegalem Handel über verwahrloste Tiere bis zu Missständen in Großbetrieben. Quelle: Franziska Kraufmann/dpa
Luckenwalde

Das Thema Tierschutz spielt in Teltow-Fläming eine immer größere Rolle. Während vor fünf Jahren noch knapp 180 Anzeigen vom Veterinäramt der Kreisverwaltung bearbeitet wurden, waren es 2018 insgesamt 234. Noch öfter, 267 Mal, hat die Behörde im Jahr 2018 Halter von Nutztieren kontrolliert.

Rinder, Hunde oder Exoten: Zu einer pauschalen Aussage, wer öfter mit dem Tierschutz in Konflikt gerät, lässt sich Teltow-Flämings Amtstierärztin Silke Neuling nicht hinreißen. „Probleme können wir in allen Größenordnungen haben“, sagt sie, „das hängt immer vom Halter ab.“

Zahlen und Fakten

234 Tierschutzanzeigen wurden im Jahr 2018 in Teltow-Fläming bearbeitet. 143 davon betrafen Hunde, Katzen und andere Heimtiere, 65 Mal ging es um Nutztiere. 80 Tiere wurden im Landkreis ausgesetzt, beschlagnahmt oder vom Halter fortgenommen, darunter 41 Hunde, 18 Katzen und fünf Pferde.

Acht Tierhalteverbotewurden 2018 neu ausgesprochen. Insgesamt wurden 34 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten im Tierschutz eingeleitet. Dabei wurden Bußgelder in einer Höhe von 2375 Euro verhängt.

38.530 Euro waren 2018 nötig, um amtlich fortgenommene oder verwahrte Tiere zu versorgen.

Immer mehr Personen mit psychischen Problemen oder Einschränkungen halten sich im Landkreis Teltow-Fläming Tiere. Das Veterinäramt bemerkte während der Kontrollen bei manchen Haltern unter anderem auch Alkoholsucht und Demenz.

Neben besonders extremen Fällen, die in jedem Jahr vorkommen, sieht die Leiterin der Behörde vor allem den ständig steigenden Aufwand kritisch. „Die Kontrollberichte im Bereich des Tierschutzes sind sehr umfangreich“, erklärt Neuling.

Deswegen schlagen sich zunehmend auch Mängel nieder, die schnell beseitigt werden können. „In der Landwirtschaft hatten wir 2018 nur zwei wirklich gravierende Fälle zu verzeichnen“, sagt die Amtstierärztin.

Dieser Fall von „Animal Hoarding“ in Zossen machte 2018 Schlagzeilen: 20 Hunde wurden beschlagnahmt und im Tierheim Zossen betreut. Quelle: Ursula Bauer/Aktion Tier

So musste ein Rinderhalter mit 400 Milchkühen und dazugehöriger Nachzucht an Jungrindern und Mastbullen seinen Betrieb im vergangenen Jahr kurzfristig auflösen. Über einen langen Zeitraum hinweg hatten die Tiere keinen Zugang zu Wasser, die Liegeplätze für die Mutterkühe waren nicht tierschutzgerecht und erkrankte Rinder wurden nur mangelhaft versorgt.

In einem anderen Fall musste ein Schweinehalter seinen 60 Tiere großen Betrieb auflösen, weil es an einer vernünftigen Wasserversorgung mangelte.

Extremfälle betreffen vor allem Hunde, Katzen und andere Haustiere

„Massive Probleme haben wir in Teltow-Fläming eher mit der Heimtierhaltung“, berichtet Silke Neuling. Was die Amtstierärztin meint, ist nicht die Mehrheit der Hunde- und Katzenliebhaber, sondern sind zunehmend Extremfälle.

Drei von vier Tierschutzanzeigen im Landkreis befassen sich mit Heimtieren. Unter allen beschlagnahmten, ausgesetzten oder fortgenommenen Tieren war 2018 kein einziges Rind, Schwein, Ziege oder Schaf.

Verfilztes Fell und keine Pflege: Immer wieder nehmen Tierheime wie das in Zossen beschlagnahmte Tiere aus Teltow-Fläming auf. Quelle: Ursula Bauer/Aktion Tier

Schlagzeilen machte im Frühjahr 2018 ein Fall von „Animal Hoarding“ in Zossen. Die Mitarbeiter des Veterinäramtes beschlagnahmten auf einem privaten Grundstück zwölf Französische Bulldoggen, acht Mischlinge und zwei Katzen bei einem Ehepaar.

Die ärztliche Untersuchung zeigte nicht nur, dass die Tiere verfilzt und unterernährt waren. Zwei Hunden wurden außerdem bösartige Tumore entfernt.

Tierhandel noch immer ein lukratives Geschäft“

Qualzuchten sind leider weiterhin ein Thema, das neben den typischen Heimtierarten auch Exoten betrifft“, sagt Amtstierärztin Neuling. Besonders im Bereich rund um Rangsdorf würde der Handel mit solchen Tieren florieren. Grundsätzlich findet sich illegaler Tierhandel aber im gesamtem Landkreis.

„Wir liegen zu nah an Osteuropa, als dass wir davor gefeit wären“, sagt sie. „Der Tierhandel ist noch immer ein sehr lukratives, illegales Geschäft. Hier müssen wir auf bessere Informationen setzen.“

Aus Osteuropa werden illegal gezüchtete Tiere immer wieder auch nach Teltow-Fläming gebracht. Quelle: Ursula Bauer/aktion tier - menschen für tiere e.V.

Neuling plädiert aber auch für Neuerungen in anderen Bereichen. Die Amtstierärztin setzt sich etwa dafür ein, die Liste gefährlicher Hundearten grundsätzlich zu überdenken.

Sie sei nicht mehr zeitgemäß. „Wir sollten nicht die Tiere diskriminieren“, sagt sie. „Es sind nicht die Hunde, sondern die Halter, die aus ihnen gefährliche Tiere machen.“

Größtes Thema 2019: Kupierte Schwänze in der Schweinezucht

Während Qualzuchten, Tiersammler und illegaler Handel seit Jahren bekannte Probleme für das Veterinäramt sind, ist man beim größten Thema 2019 noch unerfahren: Spätestens ab dem 1. Juli muss jeder Schweinehalter, der dann noch Tiere mit kupierten Schwänzen hält, dafür einen besonderen Bedarf nachweisen.

Silke Neuling ist Amtstierärztin und Amtsleiterin des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes der Kreisverwaltung Teltow-Fläming. Quelle: Hartmut F. Reck

Unerwartet kommt diese Vorgabe nicht. Neuling sieht ihre Behörde und auch die Betriebe darauf aber nicht ausreichend vorbereitet. „Die neuen Vorgaben verkomplizieren den gesamten Sachverhalt“, sagt sie. Für Züchter in Teltow-Fläming sei es schwierig nachzuweisen, dass das Kürzen der Ferkelschwänze unerlässlich ist, vor allem weil die Tiere zum Teil über die deutschen Grenzen hinaus verkauft werden. Neuling befürchtet nun: „Spätestens am 15. Juli haben wir die Tierschützer im Stall.“

Der Landestierschutzbeauftragte Stefan Heidrich hat heute seinen ersten Jahresbericht vorgelegt.

Von Victoria Barnack

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