Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Luckenwalde „Es fehlt noch an der Zusammengehörigkeit“
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde „Es fehlt noch an der Zusammengehörigkeit“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:04 11.07.2019
Katharina Fichtner leitet das IHK-Regionalcenter in Luckenwalde seit April 2019. Quelle: foto: Victoria Barnack
Luckenwalde

Seit 100 Tagen leitet Katharina Fichtner das Regionalcenter der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Luckenwalde. Ihr Vorgänger Randolf Kluge war viele Jahre lang das Sprachrohr der Wirtschaft in Teltow-Fläming. Im MAZ-Interview verrät Fichtner, welche großen Aufgaben er ihr hinterlassen hat und was sich die Unternehmen in TF wünschen.

Frau Fichtner, Sie haben sich den wirtschaftlich stärksten Landkreis in Brandenburg ausgesucht. Man könnte meinen, es gäbe in TF kaum noch etwas für Sie zu tun.

Katharina Fichtner: Das sehe ich anders. Ja, Teltow-Fläming ist wirtschaftlich stark. In meinen ersten 100 Tagen habe ich gemerkt, dass hier unheimlich viel Dampf im Kessel ist. Das gilt vor allem für den berlinnahen Norden, aber auch Luckenwalde als Mittelzentrum wird stärker. Der Erfolg ist aber kein Selbstläufer und muss immer wieder hart erarbeitet werden. Es gibt also auch künftig viel zu tun. Was den Landkreis aus meiner Sicht so interessant macht, sind die regionalen Unterschiede. Gleichzeitig ist das Nord-Süd-Gefälle die große Herausforderung im Kreis.

Dazu haben viele Menschen eine Meinung. Was ist Ihre Idee, um das Gefälle zu überwinden?

Die Voraussetzungen, um das zu schaffen, sind besser denn je. Zahlreiche Standorte sind nach dem Ausbau der B 101 inzwischen sehr gut erreichbar. Dennoch bleibt Teltow-Fläming dreigeteilt: ein starker Norden im BER-Umfeld, die wachsende Region um das Mittelzentrum Luckenwalde und der touristisch geprägte Süden. Mein Eindruck ist, dass es dazwischen oft noch an der Zusammengehörigkeit untereinander fehlt. In Teltow-Fläming bietet sich eine Kooperation der Städte und Gemeinden entlang dieser zentralen Verkehrsader B 101 aber geradezu an.

Wie soll das konkret funktionieren?

Die Kooperation „Nordgate“ vor den Toren Hamburgs entlang der A7 macht es vor: Sechs Kommunen haben sich zusammengeschlossen. Sie bewerben zum Beispiel ihre Gewerbeflächen auf einer einheitlichen Internetpräsenz und treten bei Messen gemeinsam auf. So könnte auch ein Standortnetzwerk zwischen Großbeeren, Ludwigsfelde, Trebbin, Luckenwalde und Jüterbog funktionieren.

Warum ergreift die IHK nicht die Initiative für dieses Projekt?

In erster Linie müssen hier die Städte und Gemeinden zusammenarbeiten, um ein Zeichen über den Landkreis hinaus zu setzen. Als IHK können und wollen wir dabei natürlich unterstützen, indem wir die richtigen Partner aus der Wirtschaft mit an den Tisch holen. Am Ende geht es doch darum, die Region oder die eigene Stadt lebenswerter zu machen. Smarte Industrien, lebendiger Handel und innovative Dienstleistungen tragen mit ihren attraktiven Arbeitsplätzen maßgeblich dazu bei. Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen.

Die da wären?

Im berlinnahen Raum müssen die Wachstumsschmerzen bewältigt werden. Die Menschen brauchen Wohnungen und Bauland. Auch das Problem fehlender Kita- und Schulplätze hat mit Luckenwalde inzwischen den Süden erreicht. Genauso braucht es eine vernünftige Infrastruktur. Niemand hat Lust, auf dem Weg zur Arbeit in überfüllten Zügen zu sitzen oder im schlimmsten Fall zu stehen. Außerdem berichten mir Unternehmen immer wieder, dass sie gerade junge Fachkräfte nicht zu sich bekommen. Denn was nützt das angekündigte 365-Euro-Ticket für Azubis, wenn gar kein Bus oder keine Bahn fährt? Optionen wie Fahrgemeinschaften, Shuttles oder Wohnheime werden bisher leider nicht flächendeckend angeboten.

Die schwächeren Kommunen im Süden von TF würden solche Angebote sicher gern erbringen. Oft fehlt es aber am Geld.

Die Finanzierung darf kein Totschlagargument sein. Als IHK plädieren wir genau deshalb dafür, gemeinsam mit den Unternehmen vor Ort nach Lösungen zu suchen. Eine starke regionale Wirtschaft zeichnet sich immerhin durch gut funktionierende Netzwerke aus, von denen alle profitieren. Ein positives Beispiel aus dem ländlichen Raum ist der Kranich-Express. Der Rufbus zeigt, wie aus einer guten Idee eine gemeinsame Lösung entstehen kann.

Mobilität ist aber nicht alles. Im wirtschaftlich stärksten Landkreis des Ostens fehlt vielen Betrieben auch im Jahr 2019 noch ein Breitbandanschluss.

Von langsamem Internet habe ich in meinen ersten drei Monaten in TF tatsächlich oft gehört. An diesem Thema werden wir dranbleiben. Denn die Unternehmen brauchen schnelles Internet, um die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse voranzutreiben.

Wenige Monate nach Ihrem Start in Teltow-Fläming haben Sie öffentlich mehr Unterstützung für wissensintensive Wirtschaftszweige gefordert. Hapert es daran noch in TF?

Vor allem junge Unternehmen und Start-Ups wünschen sich einen stärkeren Wissensaustausch und mehr Ansprechpartner vor Ort, die neue Technologien entwickeln oder dazu forschen – seien es innovative Antriebstechnologien oder neue Verfahren im Bereich der Medizintechnik. Gut ist, dass wir in Luckenwalde die neue Präsenzstelle der TH Wildau und der FH Potsdam haben. Damit kommen die Hochschulen in die Fläche und bieten neben Unternehmen auch Bildungseinrichtungen zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten. Auch das ist am Ende ein Beitrag, um das Nord-Süd-Gefälle zu überwinden.

Zur Person

Katharina Fichtner hat in Stockholm und Frankfurt (Oder) Politik- und Kulturwissenschaften studiert. Über ein Praktikum knüpfte sie erste Kontakte zur IHK in Ostbrandenburg.

Später arbeitete sie als Projektkoordinatorin bei der IHK Heilbronn-Franken sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der IHK Berlin.

Zuletzt war sie als Referentin bei der SPD-Landtagsfraktion in Potsdam tätig. Auslandserfahrungen sammelte Fichtner unter anderen in Brüssel, Dubai und San Francisco. Heute wohnt die IHK-Regionalcenter-Leiterin von TF in Jüterbog.

Von Victoria Barnack

Der Bundesgesundheitsminister verspricht dem Luckenwalder Krankenhaus eine sechsstellige Summe – dafür, dass es den ländlichen Raum medizinisch versorgt. Wofür das Geld genutzt wird, verriet der Betreiber aber noch nicht.

09.07.2019

Reisekaufmann Dirk Heinze bestätigt: Für viele Menschen aus Teltow-Flämings Kreisstadt ist Deutschland nach wie vor Reiseziel Nummer Eins. Besonders oft zieht es die Einwohner an das Meer und in die Berge.

09.07.2019
Luckenwalde Blankenseer Musiksommer - Ein Abend mit Bach

Der Blankenseer Musiksommer feierte am Freitag sein Beinahe-Jubiläum. Zum 199. Konzert gab Anne-Dore Baumgarten ein beeindruckendes Orgel-Concertino mit Stücken von Bach und Co. zum Besten.

07.07.2019