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Luckenwalde Lisa Krüger ist in der Tischler-Werkstatt am richtigen Platz
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde

Lisa Krüger ist mit 23 Jahren Tischlermeisterin

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17:08 04.09.2021
Tischlermeisterin Lisa Krüger.
Tischlermeisterin Lisa Krüger. Quelle: Jacqueline Steiner
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Luckenwalde

„Hoch die Tischlerkunst“ steht auf der Gürtelschnalle von Lisa Krüger. „Das war eine Auszeichnung als Klassenbeste im dritten Lehrjahr“, erzählt sie. Ihre damalige Lehrerin hatte ihr die Gürtelschnalle überreicht. Aus der Tischlergesellin Lisa Krüger ist inzwischen eine Tischlermeisterin geworden. Aber wenn die heute 23-Jährige ihre Arbeitskluft anlegt, gehört die Gürtelschnalle immer mit dazu. Traditionen sind ihr wichtig. „Meine Familie ist sehr traditionell“, erzählt die junge Frau, die aus Sietzing im Oderbruch stammt. Es ist eine Familie mit Handwerker-Tradition. Genauer: mit drei Zimmerern.

Aufmaß wird auf dem Brett genommen

Lisa Krüger arbeitet bei Möbelhandwerk Berlin – Krämer & Grimm in Luckenwalde (Teltow-Fläming). Gerade ist sie dabei, ein Möbelstück für einen Kunden herzustellen. Wenn sie das Holz zurechtsägt, legt sie die fertigen Teile ans Brett-Aufmaß an, um zu prüfen, ob alles passt. Tischler machen ihre Aufmaße nicht auf Papier, erklärt die Jungmeisterin. Es wird aufs Brett geschrieben. Das reißt nicht ein, verrutscht nicht und kann wiederverwendet werden. Das spart Papier.

In der Werkstatt am richtigen Ort

„Sobald ich hier in der Werkstatt bin, bin ich entspannt“, sagt Lisa Krüger. Hier fühlt sie sich am richtigen Ort. Und sie erzählt von einem Arbeitstag, der sie besonders glücklich gemacht hat. Es war ein Mittwoch. Es ging zu zwei Baustellen. Schiebetür, Möbel, Raumtrenner. Bis zum Abend war alles eingebaut, die Kunden waren zufrieden und die Tischlermeisterin war einfach nur glücklich. Die eigene gelungene Arbeit zu sehen – das ist das Schöne an ihrem Beruf.

Es begann mit einem Praktikum

Bei ihrem Onkel Veit Templin – einem Zimmerermeister – hatte Lisa Krüger als 14-Jährige ein Praktikum gemacht. Sie war fasziniert von den Maschinen in der Werkstatt. Für das Handwerk war es ein Fall von erfolgreicher Berufsorientierung. Lisa Krüger machte ihre Ausbildung zur Tischlerin bei der SIK-Holzgestaltungs GmbH in Langenlipsdorf (Teltow-Fläming), einem Produzenten von Kinderspielplätzen. Turmbauerin war sie dort und arbeitete viel mit der Kettensäge. Doch irgendwann wollte sie mehr. Mehr Tischlerarbeiten, neue Erfahrungen. Da kam der Brief von der Handwerkskammer mit dem Angebot zur Meisterausbildung gerade recht. Eigentlich. Ihre erste Reaktion war: „Ach nee, keinen Bock.“ Doch ihr Vater hat ihr den Meistertitel schmackhaft gemacht. Sie will Karriere im Handwerk machen, auch gutes Geld verdienen – da ist der Meister das Richtige. Die SIK-Holzgestaltungs GmbH unterstützte sie bei ihrem Meistervorhaben. Dafür ist sie bis heute dankbar. Aber sie entschied sich, für ihre berufliche Zukunft nach Luckenwalde zu gehen. „Ich bin hier, um zu lernen“, betont die Jungmeisterin. Beim betriebswirtschaftlichen Teil in den Meisterkursen habe sie mit den Zahlen recht wenig anfangen können. Jetzt, in der betrieblichen Praxis, werden aus bloßen Zahlen zum Beispiel Investitionen in Maschinen und Material.

Meisterausbildung war „happig“

Die Meisterausbildung war für Lisa Krüger alles andere als leicht. Mit Anfang 20 über viele Monate hinweg eine 6-Tage-Woche zu managen, sei happig gewesen. Und dann auch noch Corona und die Masken! „Mit den Masken sprechen die Leute undeutlich, ein bisschen verwaschen“, erklärt die Tischlerin. Außerdem: Sie kann nicht mehr die Lippen der Gesprächspartner sehen. Ein großer Nachteil für Lisa Krüger. Denn sie ist von Geburt an gehörlos. Im Alter von drei Jahren bekam sie ihr erstes Cochlea-Implantat für das rechte Ohr und konnte dadurch hören. Mit großer familiärer Unterstützung hat sie die Lautsprache gelernt. So gut, dass jemandem, der ihr Handicap nicht kennt, wohl nichts auffallen würde. Lisa Krüger hat es jedenfalls gelernt, sich durchzusetzen. „Vielleicht bin ich gerade deswegen als Frau in einem von Männern dominierten Handwerk gelandet“, meint sie.

Ursprünglich stand auf ihrem Berufswunschzettel der Beruf der Zimmerin. Ganz im Sinne der Familientradition. Doch die Arbeit hoch oben auf dem Dach ist mit ihrem Handicap nicht möglich, denn es hat Auswirkungen auf den Gleichgewichtssinn. So ist sie bodenständige Tischlerin geworden. Zur Meisterfeier haben ihr die Eltern eine maßgeschneiderte Zunftkleidung geschenkt. Ein altes Accessoire wird sie aber weiterhin tragen: die Gürtelschnalle mit dem Schriftzug „Hoch die Tischlerkunst“.

Von Ute Sommer