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Luckenwalde Fremdenfeindliche Wahlwerbung am Luckenwalder Bahnhof – AfD will nichts davon wissen
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06:22 16.07.2019
Selbst der Fahrkartenautomat am Bahnsteig samt Display war mit den Aufklebern verschandeln worden. Quelle: Elinor Wenke
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Luckenwalde

Unbekannte haben am Wochenende mit einer Fülle von Aufklebern Teile des Luckenwalder Bahnhofs verschandelt. Hunderte Klebezettel mit Wahl-Werbung und politischen Botschaften waren auf den Fußboden, auf Treppenstufen und an Gerätschaften gepinnt worden.

Mechthild Falk, Pfarrerin im Ruhestand und Leiterin der Jüterboger Flüchtlingshilfe, traute ihren Augen nicht, als sie am Sonntagmorgen mit ihrem Mann per Bahn in Richtung Berlin fahren wollte. „Schon von weitem sahen wir am Berliner Platz die unzähligen weißen Folien, von denen die Aufkleber abgezogen waren“, berichtet die 63-Jährige.

Die Rest der Aufkleber sind im Bahnhofstunnel noch zu sehen. Quelle: Elinor Wenke

Dann der Schock im Bahnhofstunnel: „Wie ein Mosaik-Teppich verunstalteten die Aufkleber den ganzen Fußboden im Durchgang“, so Mechthild Falk. Auf den Treppenstufen ging es weiter. „Sogar der komplette Fahrkartenautomat samt Display war vollgeklebt“, berichtet Mechthild Falk.

Das Bittere: Etliche Aufkleber hatten diskriminierende oder fremdenfeindliche, zum Teil makabere Botschaften und Slogans zum Inhalt. Dem Betrachter wurde suggeriert, dass es sich dabei um Wahlwerbung der und für die Partei AfD handelt.

Verunstaltungen am Fahrkartenautomaten. Quelle: Elinor Wenke

Ausländerfeindliche Werbung verklebte das Display am Fahrkartenautomaten, als gerade ein dunkelhäutiger Fahrgast sein Ticket holen wollte. „Es war so peinlich und beschämend“, sagt Mechthild Falk; sie half dem Fremden wenigstens, sein Ticket zu ziehen.

„Wir waren sehr geschockt und erbost über so viel Menschenverachtung und auch über die Sachbeschädigung“, sagt die Pfarrerin. In den verbleibenden Minuten bis zur Abfahrt entfernte sie so viele Aufkleber wie möglich. Aus dem Zug heraus telefonierte sie mit ihrer Pfarrerkollegin Julia Daser in Luckenwalde. Die wiederum rief im sonntäglichen Gottesdienst dazu auf, gemeinsam die Aufkleber zu entfernen. „Als wir abends wiederkamen, waren alle Aufkleber weg“, lobt Mechthild Falk. Die hässlichen Reste sind allerdings immer noch zu sehen.

Auch die Treppenstufen zum Bahnsteig waren beklebt worden. Quelle: Elinor Wenke

Die AfD selbst distanziert sich von dieser Tat. „Die Aufkleber stammen definitiv nicht von uns“, sagt Dietmar Ertel, Kreisvorsitzender der AfD und Direktkandidat zur Landtagswahl. „Das angebliche Logo der Partei ist nicht die Corporate identity der AfD“, versichert er und verweist auf genau festgelegte Farbtöne, „die stimmen in diesem Fall nicht“.

AfD: „Keine Aufkleber“

Zum einen hausiere man in der Wahlwerbung nicht mit fremdenfeindlichen Parolen, zum anderen würden Aufkleber generell nicht verwendet und Sachbeschädigung nicht gutgeheißen. „Ich nehme an, da wollte jemand der AfD im guten Glauben nutzen, aber das geht nach hinten los“, sagt Ertel, „denn abgesehen von den Inhalten wollen die meisten Leute doch keinen verschandelten Bahnhof.“ Ertel sieht aber keinen Handlungsbedarf für seine Partei.

Ein Fall für den Staatsschutz

Inzwischen beschäftigt der Fall die Polizei, denn auch auf dem Luckenwalder Boulevard wurden derlei Aufkleber entdeckt und den Behörden gemeldet. „Die Polizei hat den Sachverhalt aufgenommen. Dieser wird nun im Staatsschutz der Polizeidirektion West bearbeitet“, teilt Polizeisprecherin Therese Franz mit. Ob und um welche Straftaten es sich dabei handelt, werde von der zuständigen Staatsanwaltschaft geprüft. Polizeibeamte haben die Situation dokumentiert und die Aufkleber sichergestellt. Das Ordnungsamt der Stadt wurde ebenfalls verständigt.

Von Elinor Wenke

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