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Luckenwalde Streik in Kitas der Volkssolidarität
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Streik in Kitas der Volkssolidarität
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00:26 09.06.2019
Kindergartenkinder in der Kita „Burg“ beim Frühstück. Quelle: Elinor Wenke
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Luckenwalde

Ausnahmezustand am Donnerstagmorgen in den Luckenwalder Kitas „Burg“ und „Vier Jahreszeiten“ in Trägerschaft der Volkssolidarität (VS): Die Gewerkschaft Verdi hatte die Beschäftigten der VS in den Verbandsbereichen Fläming-Elster und Uckermark zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Die Gewerkschaft will damit den Tariflohn für die rund 1000 Beschäftigten im Landesverband der Volkssolidarität durchsetzen.

Die Kita „Burg“ in Luckenwalde. Quelle: Elinor Wenke

In Luckenwalde waren die beiden VS-Kitas betroffen. Die Eltern der Kita-Kinder wurden erst im Laufe des Mittwochs darüber informiert, dass die Einrichtung zumindest auf dem Papier geschlossen ist. „Der Tag hat uns Nerven gekostet“, berichtete Manuela Asztalos, Leiterin der Kita „Burg“. Sie habe am Mittwoch durch Zufall mitbekommen, dass Elternzettel von der Gewerkschaft in den Fächern der Kinder lagen. „Dann hat sich das bei den Eltern über soziale Medien wie ein Lauffeuer verbreitet“, sagte die 62-Jährige. Das befürchtete Chaos blieb aber aus.

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Manuela Asztalos, Leiterin der Kita „Burg“ in Luckenwalde. Quelle: Elinor Wenke

In der Kita „Burg“ werden derzeit 320 Kinder von 27 Erziehern betreut. Die besondere Situation: Seit Wochen waren für Donnerstag Ausflüge mit den Mädchen und Jungen geplant. Die Kindergartenkinder wollten in den Dino-Park nach Potsdam fahren; für die Hortkinder war eine Exkursion zum Bambooland in Wildau vorbereitet. Zumindest die Wildau-Fahrt konnte trotz der unerwarteten Situation stattfinden. Für die Fahrt nach Potsdam machte eine Bus-Panne einen Strich durch die Rechnung.

Kampf für bessere Bezahlung

Erzieher Thorsten Lehmann beteiligte sich nicht am Streik. „Wir unterstützen unsere streikenden Kollegen, die uns bei der Kundgebung vertreten und für eine bessere Bezahlung kämpfen“, sagte Lehmann. Und weiter: „Aber wir können nicht alle streiken. Wir haben eine Verantwortung für unsere Kinder. Die haben sich lange auf die Ausflüge gefreut.“

Verständnis für den Arbeitskampf

Peggy Neumann, die ihren Sohn Cornell (3) in die Kita brachte, hat Verständnis für den Arbeitskampf. „Die Erzieher sind sehr belastet“, sagte sie, war aber auch froh, dass der Ausflug wie geplant stattfinden konnte. Manuela Asztalos hat generell Verständnis für den Streik, kritisierte aber die Begleitumstände. „Jeder Warnstreik wird 24 Stunden vorher angekündigt. Das hätte ich mir in diesem Fall auch gewünscht“, sagte die Kita-Chefin.

Anne-Kathrin Illner konnte ihren Sohn Linus glücklicherweise bei der Oma unterbringen. Quelle: Elinor Wenke

Etwa die Hälfte der Erzieher war dem Streikaufruf gefolgt. Lobend bemerkte Manuela Asztalos, dass sie spontan vom VS-Landesverband mit elf Mitarbeitern unterstützt wurde. Für die Krippenkinder, die nicht anderweitig untergebracht werden konnten, gab es eine Notbesetzung. Am Morgen waren sieben Kleinkinder da.

In der Kita „Vier Jahreszeiten“ gab es eine Notbesetzung. Quelle: Elinor Wenke

Ähnlich die Situation in der Kita „Vier Jahreszeiten“. 150 Kinder werden dort üblicherweise betreut. „Wir wurden sehr kurzfristig mit der Situation konfrontiert“, sagte Leiterin Carmen Scheibe, „aber unsere Eltern haben verständnisvoll reagiert.“ Die meisten versuchten, ihre Kinder anders unterzubringen, wie zum Beispiel Anne-Kathrin Illner. Ihr Sohn Linus kam bei der Oma unter. „Ich hätte aber nicht arbeitsfrei nehmen können, bei uns ist Urlaubszeit“, sagte die junge Mutter, hat aber Verständnis für den Streik. Carmen Scheibe hatte indes eine Notbesetzung organisiert, von der schließlich 18 Kinder betreut wurden.

Wie Dirk Brigmann vom VS-Landesverband mitteilt, wurde der Bereich „Essen auf Rädern“ in Luckenwalde aufrecht erhalten.

Von Elinor Wenke