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Luckenwalde Vier neue Straßennamen am Luckenwalder Zapfholzweg
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Luckenwalde: Vier neue Straßennamen am Zapfholzweg

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16:32 27.10.2021
Die neuen Straßen im Gewerbegebiet am Luckenwalder Zapfholzweg sollen jetzt Namen bekommen.
Die neuen Straßen im Gewerbegebiet am Luckenwalder Zapfholzweg sollen jetzt Namen bekommen. Quelle: Elinor Wenke
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Luckenwalde

In der Stadt Luckenwalde wird es vier neue Straßennamen geben. Die Bedeutung für Otto-Normalbürger dürfte sich zwar in Grenzen halten, wichtig ist eine künftige exakte Anschrift dennoch. Denn die Straßen befinden sich im Gewerbegebiet am Zapfholzweg, wo in Zukunft weitere Ansiedlungen erwartet werden.

Die Bürger durften bei der Namensfindung ein Wörtchen mitreden. Vor zwei Jahren hatte die Stadt die Einwohner aufgerufen, Namen für die beiden neuen Erschließungsstraßen A und B im B-Plangebiet Zapfholzweg II vorzuschlagen. Die Vorschläge wurden im Stadtplanungsamt gesammelt. „Weil vermehrt Gewerbegrundstücke im Plangebiet vermarktet werden, soll vorausschauend auch eine dritte Straße, die Planstraße C, benannt werden“, erklärt Amtsleiter Peter Mann.

163 Vorschläge von Bürgern

Kriterien für Namenswünsche waren ein hoher Wiedererkennungswert, ein örtlicher Bezug, Objektnamen, Personennamen und sinnbildliche Bezeichnungen. Insgesamt 163 Vorschläge sind eingegangen. Der größte Teil bezog sich auf Personennamen. Diese wurden von der Stadt auf eine historische Belastung, zum Beispiel zur NS-Vergangenheit, geprüft.

Kritik an Fritz-Haber-Straße

In diesem Zuge gab es auch die Forderung, die schon bestehende Fritz-Haber-Straße im Biotechnologiepark umzubenennen. Wie bekannt wurde, hatte der Chemiker Fritz Haber während des Ersten Weltkrieges die Technik für die Produktion und den Einsatz von Giftgasen als Massenvernichtungsmittel entwickelt. Diese Straße wird künftig Clara-Immerwahr-Straße heißen – benannt nach Habers Frau, ebenfalls Chemikerin, die die Forschungen ihres Mannes öffentlich kritisiert und sich aus Protest gegen die chemische Massenvernichtung 1915 erschossen hatte. In der Fritz-Haber-Straße gibt es noch keine Ansiedlungen und Hausnummern, daher gilt die Änderung logistisch als unproblematisch.

Die Fritz-Haber-Straße im Biopark Luckenwalde soll in Clara-Immerwahr-Straße umbenannt werden. Quelle: Elinor Wenke

Keine Naturnamen

Wer für die drei neuen Straßen am Gewerbegebiet Zapfholzweg idyllische Naturnamen erwartet hat, liegt falsch. Die Straßen sollen ebenfalls nach Wissenschaftlern benannt werden, von denen zumindest einige vielen Luckenwaldern unbekannt sein dürften.

Die Planstraße A wird künftig Lise-Meitner-Straße heißen. Die Kernphysikerin (1878–1968) arbeitete 30 Jahre mit Otto Hahn zusammen, der für die Entdeckung und den radiochemischen Nachweis der Kernspaltung 1944 den Nobelpreis bekam. Lise Meitners Verdienste daran wurden nie öffentlich gewürdigt. Die Straßenbenennung soll auf markante Weise die herausragende Leistung von Frauen widerspiegeln.

Der Plan für die Straßenbenennungen am Zapfholzweg. Quelle: Elinor Wenke

Die Planstraße B wird an den Chemiker Carl-Dietrich Harries erinnern, der 1866 in Luckenwalde geboren wurde. Er studierte Zoologie in Jena und später Chemie in München und Berlin. Carl-Dietrich Harries gilt als Wegbereiter der Kunststoffherstellung.

Die Physikerin und Chemikerin Marie Curie ist die Namensgeberin für die Planstraße C, die nicht gewidmet ist. Sie hatte radioaktive Substanzen erforscht und sich im Ersten Weltkrieg darum gekümmert, dass die radiologischen Diagnosemethoden verwundeten Soldaten zugute kamen. 1903 erhielt sie den Nobelpreis für Physik und 1911 den Nobelpreis für Chemie.

Entscheidung ohne Debatte

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umwelt hatte am Dienstagabend bei der Namensgebung die Wahl zwischen zwei Varianten, stimmte aber mehrheitlich für den favorisierten Vorschlag der Verwaltung. Für eine Diskussion darüber gab es offensichtlich keinen Bedarf, aber Anja Jürgen (LÖS) lobte die Verwaltung: „Das ist ein tolles Beispiel für gute Bürgerbeteiligung.“

Von Elinor Wenke