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Luckenwalde Gesundheitsmobil der Uni Potsdam untersucht die Luckenwalder
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19:53 10.04.2019
Dominik Sonnenburg von der Potsdamer Hochschulambulanz untersucht in ganz Brandenburg den Gesundheitszustand von freiwilligen Probanden wie dem Luckenwalder Michael Haynitzsch. Quelle: Victoria Barnack
Luckenwalde

„Früher habe ich mehr Sport gemacht“, sagt Michael Haynitzsch, „aber seit ich nicht mehr arbeiten gehe, bin ich ein bisschen faul geworden.“ Der 54-Jährige wollte deshalb schon lange zum Arzt. Sich einfach mal durchchecken lassen. Gewissheit haben, dass noch alles in Ordnung ist mit seinem Körper. „Aber beim Hausarzt muss man ja ein halbes Jahr auf einen Termin warten“, sagt er weiter.

Das Gesundheitsmobil der Potsdamer Universität kam ihm am Mittwoch deshalb genau recht. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie gesund die Brandenburger sind. In dieser Woche machten sie deshalb Halt vor der Fläming-Therme in Luckenwalde.

Nach der Blutabnahme wird binnen weniger Minuten klar, ob Blutzucker und -fett normal sind Quelle: Victoria Barnack

„Vielleicht habe ich Zucker oder ein bisschen Cholesterin“, sagt Michael Haynitzsch vor der Untersuchung, die nur 15 Minuten dauert. Wie viele andere, die ihre Werte freiwillig analysieren lassen, macht er sich immer wieder mal Gedanken über seine Gesundheit.

Wegen einer Krankheit musste der ehemalige Feldjäger seine berufliche Karriere beenden. Mit den Gelenken hat er es. Und ja, auch der Cholesterinspiegel war vor zehn Jahren schon einmal zu hoch, erzählt Haynitzsch.

Wissenschaftler forschen nach dem „metabolischen Syndrom“

Vom „metabolischen Syndrom“ hat der Luckenwalder allerdings noch nie gehört. „Keine Seltenheit“, sagt Dominik Sonnenburg, der den 54-Jährigen untersucht, „viele Menschen kommen zu unserer Prävention, ohne zu wissen, wonach wir genau forschen.“

Bluthochdruck, Übergewicht, ein ungewöhnlicher Fettstoffwechsel oder ein erhöhter Blutzuckerspiegel: „Ab einer bestimmten Anzahl summieren sich solche Symptome zu einem Risikofaktor“, erläutert Dominik Sonnenburg. Die Folge kann ein Herzinfarkt sein genauso wie Demenz, ein Schlaganfall oder Depressionen.

Vom Blutdruck bis zum Cholesterinspiegel: Alle Werte können die Wissenschaftler aus Potsdam unterwegs messen. Quelle: Victoria Barnack

Weil in Brandenburg überdurchschnittlich viele Menschen an solchen Krankheiten leiden, hat die Potsdamer Universität vor drei Jahren die Forschung zum „metabolischen Syndrom“ gestartet.

Kostenfrei untersuchen die Mitarbeiter der Hochschulambulanz Brandenburger wie Michael Haynitzsch direkt in ihren Heimatorten. Ende des Jahres sollen knapp 4000 freiwillige Probanden die solide Basis für neue Erkenntnisse über die Ursachen bilden.

Weitere Kontrolle beim Hausarzt ist wichtig

Wie bei dem 54 Jahre alten Luckenwalder werden die Körpermaße aufgenommen, der Blutdruck gemessen und mit einer Probe Blutzucker und -fett analysiert. „Manchmal sind die Werte unauffällig“, berichtet Sonnenburg, „dann können wir den Menschen nicht viel mehr als ein ,Weiter so’ mit auf den Weg geben.“

Bei Michael Haynitzsch ist es nicht ganz so einfach. Der Luckenwalder hat einen besonders hohen Blutdruck und gerät ins Nachdenken. „Ich trinke zurzeit mehr Kaffee als sonst“, sagt er, „besonders gestresst oder aufgeregt fühle ich mich aber nicht.“

Vor einem Jahr war das Gesundheitsmobil in Jüterbog zu Gast. Quelle: Isabelle Richter

Die Ursache kann der wissenschaftliche Mitarbeiter im Gesundheitsmobil am Mittwoch nicht klären. Dominik Sonnenburg rät seinem Probanden die Werte noch einmal zu Hause oder beim Arzt prüfen zu lassen.

Denn eine Diagnose gibt es nicht. „Das erwarten die Menschen, die zu uns kommen auch nicht“, erklärt er. „Viele wollen einfach nur eine Bestätigung, dass sie gesund sind oder einen generellen Eindruck über ihren Zustand bekommen.“

„Menschen schätzen das unkomplizierte Angebot“

Trotz des überraschenden Ergebnisses: Michael Haynitzsch ist froh, den Weg zum Gesundheitsmobil auf sich genommen zu haben. „Vielleicht war das der kleine Arschtritt, den ich brauchte, um wieder mehr für mich und meinen Körper zu tun“, sagt er nach der Untersuchung. Das Blatt Papier mit den Werten, die Dominik Sonnenberg bei ihm gemessen hat, will er auf jeden Fall gut aufheben und noch einmal kontrollieren lassen, was dahinter steckt.

„Die Resonanz auf unser Projekt ist wie hier in Luckenwalde sehr positiv“, fasst Sonnenburg zusammen, „die Menschen schätzen das unkomplizierte Angebot.“ Über den durchschnittlichen Gesundheitszustand der Luckenwalder möchte er aber nichts sagen. Nur so viel: „Luckenwalde liegt gut im Brandenburger Schnitt. An allen Orten haben wir Menschen dabei, die kerngesund sind und andere, bei denen wir Anzeichen für eine Krankheit finden.“

Noch bis Ende 2019 läuft das Projekt in ganz Brandenburg. Mit den umfangreichen Daten wollen die Wissenschaftler aus Potsdam die Früherkennung des „metabolischen Syndroms“ verbessern und klären, ob die oft schlechte ärztliche Versorgung in ländlichen Region wie dem Süden von Teltow-Fläming eine Rolle dabei spielt.

Von Victoria Barnack

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