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Luckenwalde Rampe für die Friedhofskapelle getestet
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Rampe für die Friedhofskapelle getestet
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06:32 26.10.2018
Rollstuhlfahrer Hartmut Schulze von der AG Barrierefreiheit testet die neue Rampe
Rollstuhlfahrer Hartmut Schulze von der AG Barrierefreiheit testet die neue Rampe Quelle: Margrit Hahn
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Luckenwalde

Für die Trauerhalle auf dem Luckenwalder Waldfriedhof gibt es jetzt eine Rampe. Diese wurde gestern vorgestellt. Die kleine Trauerhalle konnte von Rollstuhlfahrern bisher nicht genutzt werden. Zwei Stufen mit insgesamt 30 Zentimetern waren ein unüberwindbares Hindernis für Rollstuhlfahrer und Rollator-Nutzer.

Das letzte Stück nach oben ist sehr anstrengend. Quelle: Margrit Hahn

Seit Jahren forderte die städtische Arbeitsgruppe Barrierefreiheit unter Leitung von Evelin Kierschk einen barrierefreien Zugang. Bislang wurden mobilitätseingeschränkte Trauergäste durch den seitlichen Diensteingang geleitet, der über eine kleine Betonrampe verfügt.

Das soll sich mit der neuen Rampe für 4000 Euro ändern. Diese ist fünf Meter lang, besteht aus Aluminium und ist zusammenrollbar, so dass sie auch an anderen Standorten eingesetzt werden könnte. Technisch ist die Rampe simpel aufgebaut; defekte Teile könnten problemlos ausgetauscht werden. Allerdings dauert der Aufbau 30 Minuten und dafür sind zwei Personen notwendig.

Eventuell lassen sich noch kleine Veränderungen vornehmen. Quelle: Margrit Hahn

Die Rampe dort ständig aufgebaut stehen zu lassen, kommt nicht in Betracht. Langfinger hätten sie nach wenigen Tagen gestohlen.

Rollstuhlfahrer Hartmut Schulze war gestern der erste, der sie testete. „Jemand, der nicht so viel Kraft hat, schafft es nicht, allein die Rampe hochzukommen“, so sein Urteil. Für ihn ist wichtig, dass Rollstuhlfahrer ohne Hilfe in die Trauerhalle kommen, und dass sei nicht gegeben. Nur mit größter Kraftanstrengung schaffte er die Rampe bis nach oben. Am schwierigsten waren für ihn das erste Stücke und die Mitte. „Die Rampe erfüllt zudem nicht die vorgeschriebene Neigung von sechs Prozent, sondern liegt darüber“, sagt Schulze. Er schlägt kleine Veränderungen vor, so dass die Rampe den Vorgaben entsprechen würde und auch leichter zu bewältigen wäre. Frank Dunker vom Bauhof will sehen, was diesbezüglich gemacht werden kann.

Denkmalschutz ist dagegen

Wie Felix Hochmuth, Leiter der technischen Gebäudeverwaltung, betont, war ursprünglich eine feste Rampe in Betracht gezogen worden. Die Untere Denkmalbehörde hatte sich jedoch dagegen ausgesprochen. Und so musste nach anderen Lösungen gesucht werden. Anderthalb Jahre wurde diskutiert. Der Sozialausschuss hatte auch zu einem Vor-Ort-Termin auf dem Waldfriedhof eingeladen, an dem Mitglieder der AG „Barrierefreiheit“ teilnahmen.

Rampe wird eingesetzt

Die Idee, dass künftig die Bestatter im Vorfeld abfragen sollten, ob sich unter den Trauergästen Rollstuhlfahrer befinden, hält Hartmut Schulze für nicht tragbar. „Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst“, empörte sich der Rollstuhlfahrer. „Man muss sich als Gehandicapter vorher anmelden, um an einer Trauerfeier teilzunehmen. Außerdem wissen selbst nahe Angehörige oft nicht genau, wer an der Beisetzung teilnimmt“, fügt er hinzu.

Evelin Kierschk wünscht sich, dass die Rampe erst einmal eingesetzt wird, zumal sie Rollator-Nutzer oder Menschen mit Gehhilfen auf jeden Fall Erleichterung bringe. Sie schlägt vor, mit den Bestattern in der Stadt das Gespräch zu suchen, denn letztendlich müssten diese sagen, ob die Rampe bei Trauerfeiern mittig oder an der Seite der Treppe aufgestellt werden sollte.

Schulze kritisierte zudem die Löcher vor der Trauerhalle, die für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer gleichermaßen eine Gefahr darstellen.

Von Margrit Hahn