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Luckenwalde Schmuckgestaltung mit Emaille
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17:06 20.11.2018
Aenne-Maria und Carsten Hinz bei der Arbeit an Schmuckanhängern in ihrer Werkstatt in Luckenwalde.
Aenne-Maria und Carsten Hinz bei der Arbeit an Schmuckanhängern in ihrer Werkstatt in Luckenwalde. Quelle: foto: Margrit Hahn (4)
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Luckenwalde

 Aenne-Maria Hinz taucht einen kleinen Pinsel in den Behälter und tupft dann die hellblaue Farbe mit den Glaspartikeln auf die beiden vorgefertigten Plättchen. Anschließend kommen die Teilchen, die später als Ohrstecker getragen werden, in den Ofen. Bei 600 bis 800 Grad wird das aufgetragene Emaille eingebrannt. Nach spätestens einer Minute holt sie die Schmuckstücke wieder aus dem Ofen. Dabei ist die 34-Jährige ganz vorsichtig, denn erst seit wenigen Tagen ist eine Brandwunde an ihrer Hand verheilt. Während sie den Brennofen bedient, stanzt ihr Mann Carsten Hinz Metallteile aus, die später als Kettenanhänger oder Brosche Verwendung finden. „Wir können uns kein schöneres Hobby vorstellen“, sagt Carsten Hinz.

Carsten Hinz schleift die Teilchen zurecht. Quelle: Margrit Hahn

Ihren Umzug von Potsdam nach Luckenwalde haben Aenne-Maria und Carsten Hinz nicht bereut. Die gebürtige Luckenwalderin hatte schon lange den Wunsch, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Eine glückliche Fügung half dabei. Das Künstlerehepaar Armgard und Manfred Stenzel entschied, ihr Haus und ihre Werkstatt in Luckenwalde zu verkaufen um nach Dresden zu ziehen. Aenne-Maria hatte schon als 14-Jährige ein Schülerpraktikum bei Stenzels absolviert und war seitdem fasziniert von der Kunst, die in der kleinen Werkstatt entstand. Sie verbrachte dort oft ihre Freizeit, um unter fachkundiger Anleitung der Stenzels Emaille-Schmuck anzufertigen. Im Laufe der Jahre ist zwischen den Familien eine enge Freundschaft entstanden. „Stenzels haben unsere Verlobungsringe angefertigt und diese später zu Eheringen umgearbeitet. Sie waren bei unserer Hochzeit und zu allen Familienfesten eingeladen. Sie sind für mich wie Großeltern“, sagt Aenne-Maria Hinz.

Fingerfertigkeit ist gefragt. Quelle: Margrit Hahn

Das Ehepaar hat nicht nur Haus und Werkstatt, sondern auch die Fachliteratur des Künstlerehepaares übernommen. Und Stenzels stehen als Ratgeber weiterhin zur Verfügung: „Ich kann jederzeit anrufen, wenn ich mal professionelle Hilfe brauche“, so Aenne-Maria Hinz. Dass sie mit ihrem Mann jemanden gefunden hat, der ihr Hobby teilt, macht sie um so glücklicher. Selbst die beiden Kinder, der fünfjährige Emil und der vierjährige Gustav, haben ihren Spaß daran, Schmuck zu entwerfen. An alten Plastebeständen des ehemaligen VEB Gablona können die Kinder ihren künstlerischen Ambitionen freien Lauf lassen. Papa Carsten hat für die beiden extra eine Werkbank gebaut.

Diese Schmuckplalette nehmen sie mit ins Kultur-Café Klassmo. Quelle: Margrit Hahn

Ihre Mutter Aenne-Maria Hinze ist eigentlich als wissenschaftliche Angestellte an einem An-Institut der Universität Potsdam in der Lehrerbildung tätig. Der aus Bad Belzig stammende Carsten Hinz ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität und bildet Lehrer im Fach WAT (Wirtschaft – Arbeit – Technik) aus. „Ich hatte im Studium unter anderem Metallverarbeitung. Dadurch passen unsere Hobby sehr gut zusammen“, erzählt der 30-Jährige. Er schreibt derzeit an seiner Doktorarbeit zum Thema Nachhaltigkeit. „Wenn ich mir überlege, dass man mit öffentlichen Verkehrsmittel kaum von Luckenwalde nach Potsdam kommt, ist dass sehr bedauernswert“, so der Familienvater.

Bei Temperaturen zwischen 600 und 800 Grad im Brennofen ist Vorsicht geboten. Quelle: Margrit Hahn

Aenne-Maria Hinz trägt am liebsten ihren eigenen Schmuck. „Das ist kein Modeschmuck. Er erfüllt künstlerische Ansprüche“, fügt sie hinzu. Dementsprechend verwendet sie auch keine billigen Materialien sondern überwiegend Feinsilber. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, fahren Hinzes zu Designer-Messen, um sich Inspirationen für ihren Schmuck zu holen und mit anderen Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Die winzigen Teile sind auf der Werkbank kaum zu sehen. Quelle: Margrit Hahn

Am Sonntag, dem 25. November präsentieren sie ihren Schmuck erstmal öffentlich. Von 13 bis 18 Uhr zeigen sie im Kultur-Café „Klassmo“ in der Potsdamer Straße in Luckenwalde ihre Kollektion und bieten neben anderen Akteuren eine Mitmach-Aktion an. Interessierte können selbst ein kleines Schmuckstück gestalten. Dafür haben Hinzes extra einen kleinen Brennofen mit Sichtfenster angeschafft. So kann man beim Brennen zusehen.

Aenne-Maria Hinz mag maritime Motive. Ihr Mädchenname ist Seemann. Quelle: Margrit Hahn

Vor kurzem hat das Ehepaar in seiner Werkstatt den ersten Workshop angeboten. Drei Freundinnen haben die Gelegenheit genutzt, um Ohrringe zu machen und waren am Ende hellauf begeistert, dass sie nun Schmuck besitzen, den sonst keiner hat. Schmuckgestalten sei wie Meditation, fanden sie.

Carsten Hinz will in der Adventszeit einen Schmuckworkshop für Männer anbieten. Diese können dabei für ihren Frauen ein schönes Weihnachtsgeschenk herstellen. „Das wird bestimmt lustig“, so Carsten Hinz, für den die Werkstatt sowieso viel interessanter und abwechslungsreicher ist als Fernsehen.

Internet: www.schmuck-werkstatt-hinz.com; E-Mail: schmuck-werkstatt-hinz@web.de

Von Margrit Hahn