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Luckenwalde Tag der Architektur in TF und LDS
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Tag der Architektur in TF und LDS
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00:33 30.06.2019
Das Luckenwalder Hospiz „Hand in Hand“ kann am Sonntag beim bundesweiten Tag der Architektur besichtigt werden. Quelle: Elz Architekten BDA
Dahmeland-Fläming

Was sich anderswo schon seit einigen Jahren rund um den Tag der Architektur etabliert hat, findet nun erstmals auch in der Dahmeland-Fläming-Region statt: Der Tag der offenen Architekturbüros. Dieser ist am kommenden Samstag, am Tag darauf dann können einige herausragende neuere Bauprojekte wieder direkt erkundet werden. „Räume prägen“ ist das Motto des diesjährigen Tags der Architektur, der seit Jahren auch in der Region veranstaltet wird.

Das mit den offenen Architekturbüros fängt landesweit noch zaghaft an; insgesamt sechs nehmen teil in ganz Brandenburg. Mit dabei ist die Ateliergemeinschaft Archityp in Töpchin; Künstler und Architekten wirken gemeinsam, schaffen „Erlebnisräume für alle Sinne“. Was damit gemeint ist, kann am Samstag von 13 bis 18 Uhr entdeckt werden.

Einfamilienhaus von Margit Kleibaum Architekten in Schönefeld beim Tag der Architektur 2019. Quelle: Margit Kleibaum Architekten

Inspirationen für potenzielle Häuslebauer bieten dann am Sonntag zwei besondere Einfamilienhausprojekte in Schönefeld und Schulzendorf: „Eine nachhaltige ökologische Bauweise war gewünscht“, erzählt Architektin Margit Kleibaum über das in Massivholzbauweise errichtete Wohnhaus in Schönefeld. Noch dazu befindet sich das Gebäude recht nah am Flughafen, sodass Schallschutz für die Architektin auch eine wichtige Prämisse war. Gelöst wurde das, indem der von vorn kubisch wirkende Bau in der Straßenansicht zweigeschossig ist, zum Garten hin aber eingeschossig wird – so schirmt das Haus selbst etwaigen Lärm ab. Die Bauzeit selbst war kurz, aber die ganze Vorplanung bei dem klar gegliederten Bau sehr aufwendig; bis hin zur Steckdose musste vorher alles genauestens geklärt sein. Insgesamt acht Monate umfasste die Bauzeit letztlich.

Transstruktura schufen dieses Wohnhaus in Schulzendorf. Quelle: Transstruktura

In Schulzendorf dagegen sahen die Architekten ihre Aufgabe darin, eine geschickte Verbindung zwischen Straße und an das Grundstück angrenzenden Kiefernwald zu schaffen. „Es ist zum ,Durchwohnen’“, erklärt Architekt Andreas Heim, der das Haus gemeinsam mit Nataliya Sukhova und Viktor Hoffmann realisiert hat. Gemeinsam agieren sie unter dem Namen Transstruktura. Das Durchwohnprinzip meint, dass der innere Grundriss des Hauses so aufgeteilt ist, dass die Raumstruktur von einer Seite zur anderen geht, und zwar der Länge nach. Das Haus sei vom Energiestandard sehr gut, so Heim. Ungewöhnlich ist die Fassadengestaltung: Wie in Schönefeld dominiert Holz.

Spezielle Oberflächenbehandlung

Es ist aber komplett anders bearbeitet worden. Das Holz wurde karbonisiert, also quasi verkohlt. Der Effekt ist toll – silbrig-schwarz wirkt das Holz. „Das ist eine alte japanische Holzoberflächenbehandlung“, erklärt Andreas Heim. Praktisch ist, dass es gar nicht mehr behandelt werden muss im Gegensatz zu anderen Holzfassaden, die alle paar Jahre eine Auffrischung benötigen. So relativiere sich der im Vergleich höhere Preis für karbonisiertes Holz. Das Erdgeschoss des Hauses ist massiv. „Das Holzhaus ist quasi als Schatulle darauf gebaut“, erläutert der Architekt. Sowohl die Bauherren als auch die Architekten werden am Sonntag vor Ort sein. „Wir sind offen für Fragen“, sagt Heim.

Und genau darum geht es beim Tag der Architektur: Die Chance zu haben, einfach mit großer Neugier alles entdecken zu können, sich die Besonderheiten, die Ideen, die Wünsche und Ansprüche der Bauherren und der Baumeister erklären zu lassen. Technische Details zu erfahren, vielleicht auch ungewöhnliche neue Materialien kennenzulernen. Oder auch einfach mal mit den neuen Nachbarn ins (Fach-)Gespräch zu kommen.

Hospiz mit zwölf Gästezimmern

Auch das in Luckenwalde entstandene neue Hospiz „Hand in Hand“ wird beim Tag der Architektur vorgestellt. Ein Ort, an dem Schwerstkranke bis zu ihrem Tod begleitet werden können. Betreut werden sie dort von Palliativmedizinern, speziell ausgebildeten Pflegekräften und Sozialpädagogen. Zwölf Gästezimmer gibt es, berichtet Architekt Andreas Elz. „Die Schwierigkeit war, dass das Grundstück sehr beengt war und wir relativ viel Nutzfläche unterbringen mussten“, erzählt er von dem eigens für den Hospiz-Neubau ausgelobten Wettbewerb, den Elz Architekten dann mit ihrer städtebaulichen Idee gewannen. Sie hätten sich die Nachbarschaft genau angesehen, so Elz; die Dachformen und die Öffnungen in den Fassaden studiert. Entstehen sollte ein Bau, der sich einerseits gut integriert, aber auch behaupten kann.

Geschaffen wurde ein atriumartiger Innenhof, um diesen orientieren sich fast alle der Gästezimmer. Diese haben Balkone, sodass die Betten der Kranken auch rausgeschoben werden können. Der als Rückzugsort für die Bewohner und ihre Angehörigen konzipierte Hof wurde von Beusch Landschaftsarchitekten gestaltet. Die hell verputzte Fassade und die Holzfenster orientieren sich ebenfalls an der Umgebung. Im Inneren sind übrigens auch Kunstwerke zu entdecken; ein Gemälde der Oehnaer Künstlerin Emily Pütter und ein Glasfenster des Baruther Künstlers Karsten Wittke.

Haus 19 der TH Wildau ist beim Tag der Architektur dabei. Quelle: Rüthnick Architekten

Geöffnet ist am Sonntag auch das als neues Gebäude für die Technische Hochschule Wildau gewonnene Haus 19 auf dem Campus am Wildauer Bahnhof. Die 1913/14 entstandene Eisenhärterei der einstigen Lokomotivfabrik wurde durch Rüthnick Architekten umgebaut zu einem zweigeschossigen Studentenklub, Büros und einer Kita. Auch diese darf am Sonntag im Rahmen von Führungen besichtigt werden. „Das ist das Spannende: So einen reinen Industriebau für eine ganz neue Nutzung umzugestalten“, sagt Philip Grell vom Architekturbüro. Wärmestandards wurden ganz im Sinne des Denkmalschutzes ausgeführt, also als Innendämmung, um die sehenswerte Backsteinfassade nicht zu beeinträchtigen. Ein Stahlträgerfachwerk wurde in der Decke freigelegt, das ist im großzügigen Studentenklub gut zu sehen.

Im Inneren wurde ein spezielles Farbkonzept umgesetzt, immer wieder tauchen Pink- und Grüntöne auf. Ein nicht auf die baulichen historischen Gegebenheiten Rücksicht nehmender Umbau zu einem Mehrzweckgebäude in den 1950er-Jahren konnte durch die neue Umbaumaßnahme korrigiert werden; die Fassade, in die Fenster reinmontiert worden waren, wurde nach altem Vorbild wiederhergestellt. Und im Außenbereich wird – nicht zuletzt durch passende Spielgeräte der Kita – der direkte Bezug zur Geschichte als Lokomotivwerk hergestellt. „Räume prägen“, das Motto des Architekturtages, ist hier also auch bis in den Außenraum nachvollziehbar.

Adressen und Infos

Offenes Architekturbüro: Ateliergemeinschaft Archityp, Wünsdorfer Straße 33 in Töpchin, Samstag 13 bis 18 Uhr.

Tag der Architektur am Sonntag von 13 bis 18 Uhr, Führungen nach Bedarf beziehungsweise in Wildau um 13 und 15 Uhr.

Adressen: Einfamilienhaus in der Schönefelder Gartenstraße 70. Wohnhaus in der Schulzendorfer Herweghstraße 41a. Haus 19 auf dem Campus der TH Wildau. Hospiz in der Kurzen Straße 4 in Luckenwalde.

Weitere Informationen unter: www.ak-brandenburg.de

Von Karen Grunow

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