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Luckenwalde Busfahrer trotz mehr Lohn unzufrieden
Lokales Teltow-Fläming Luckenwalde Busfahrer trotz mehr Lohn unzufrieden
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00:20 21.04.2019
Ein Bus der VTF in Großbeeren Quelle: Krischan Orth
Teltow-Fläming

Zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und dem Kommunalen Arbeitgeber Verband (KAV) ist ein neuer Tarifvertrag vereinbart worden. Die Arbeitnehmer der 18 Brandenburger Verkehrsgesellschaften haben ab März fünf Prozent mehr Lohn erhalten. Ab Juli 2020 wird eine weitere Erhöhung um 3,5 Prozent fällig. Der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Teltow-Fläming (VTF), Volker Fleischer, sieht in dem neuen Tarifabschluss einen Kompromiss für beide Verhandlungsseiten, wie er jetzt der MAZ sagte.

Busfahrer: Entlohnung im Verhältnis zur Arbeitsbelastung „unterirdisch“

Peter Simm hält die Stimmung unter seinen Kollegen im Bezug auf den Tarifabschluss für geteilt. Er ist Busfahrer und Vertreter für die Arbeitnehmer der VTF während der Tarifabschlüsse. In den Verhandlungen hatte die Gewerkschaft ursprünglich 1,80 Euro mehr Stundenlohn vorgeschlagen, die KAV wiegelte hier ab. Schließlich habe man sich aber recht schnell auf 1,10 bis 1,28 Euro Lohnsteigerung einigen können, sagt Simm. Positiv findet er, dass die Einigung ohne große Arbeitskampfmaßnahmen zustande gekommen ist, jedenfalls in Teltow-Fläming. Aber: „Im Verhältnis zur Arbeitsbelastung ist die Entlohnung unterirdisch“, sagt er.

Fahrer verdienen 600 weniger als in Berlin

Denn trotz des hohen Abschlusses erscheint der neue Tarif für einige Berufsgruppen der VTF nur als nomineller Erfolg. Die Busfahrer aus Brandenburg erhalten im Vergleich zu ihren Berliner Kollegen rund 600 Euro brutto weniger, im Vergleich mit Bayern sogar 800 Euro weniger. Als Einstiegsgehalt erhalten Busfahrer 2093,68 Euro. Alle vier Jahre steht der Wechsel in die nächste Gehaltsstufe an. Nach 24 Jahren Dienstzeit hat sich das Gehalt insgesamt um nur 422,57 Euro erhöht. Damit wäre dann auch die letzte Lohnstufe erreicht. Die Brandenburger Busfahrer bleiben damit Schlusslicht im Bundesvergleich. VTF-Geschäftsführer Volker Fleischer ist sich dieser Lage bewusst. Es bereite ihm Sorgen, dass seine Busfahrer ins nahe Berlin abwandern könnten. Bereits jetzt bestehe Personalnot. Es können zwar alle Dienste besetzt werden, aber: „Wir suchen permanent Personal“, betont er.

Problem geteilter Dienst

Jens Gröger saß für Verdi am Verhandlungstisch. Er ist vorläufig zufrieden mit der prozentualen Erhöhung der Löhne. Der Gewerkschafter kennt aber auch die spezifischen Schwierigkeiten des Dienstes in der Mark. Gemeint ist damit der sogenannte „geteilte Dienst.“ Besonders in dünn besiedelten Regionen wird auf diese Praxis zurückgegriffen, aber auch im Berliner Speckgürtel wird diese Form des Dienstes aus Personalnot genutzt.

Linienverkehr nur zu den Stoßzeiten

Der geteilte Dienst sieht vor, den Linienverkehr vornehmlich zu Stoßzeiten zu bedienen, am Morgen den Schüler-, und abends den Berufsverkehr. Zwischen dem erhöhten Verkehrsaufkommen morgens und abends, wird der Bus nicht bewegt. „So kann es vorkommen, dass die Busfahrer 12 bis 13 Stunden Dienst leisten, aber maximal für acht Stunden bezahlt werden“, erklärt Gröger. Diese Zwischenzeit ist weder Pausen- noch Arbeitszeit, und wird insgesamt mit 2 Euro entschädigt. Sie kann täglich drei bis vier Stunden dauern, bis der Folgedienst wieder anschließt. Gröger meint, dass die Bezahlung dieser Zwischenzeiten für die Betriebe nicht leistbar wären. Und die Einstellung von mehr Personal würde auch erhöhte Ausgaben bedeuten. VTF Geschäftsführer Volker Fleischer sagt dazu: „Wir werden den geteilten Dienst im ländlichen Raum kaum beseitigen können.“ Zwischen den Stoßzeiten bestehe kein Bedarf an öffentlichem Nahverkehr.

Gewerkschafter: Land muss Regionalisierungsmittel weiterreichen

Der geteilte Dienst ist im Manteltarifvertrag geregelt. Der Mantelvertrag soll unter anderem bei den nächsten Tarifverhandlungen Ende Juli Thema sein. Gewerkschafter Gröger sieht vor allen Dingen die Landesregierung in der Pflicht. Sie müsse die Regionalisierungsmittel des Bundes an den ÖPNV weitergeben. Der Bund zahlt für den öffentlichen Nahverkehr den Ländern rund 8 Milliarden Euro, nach dem sogenannten „Kieler Schlüssel“ werden die Gelder verteilt. Tatsächlich werden die Mittel in Brandenburg hauptsächlich für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) eingesetzt. Beispielweise sind im Jahr 2017 rund 406 Millionen Euro für den SPNV investiert worden. 100 Millionen Euro wurden für den Rest des öffentlichen Nahverkehrs ausgegeben, wobei 37 Millionen Euro die Aufrechterhaltung des Schülerverkehrs kostete.

Geteilter Dienst ist hohe Belastung

Die Praxis des geteilten Dienstes stellt allerdings eine hohe Belastung für die Busfahrer dar. „Viele Kollegen können nicht nach Hause fahren, weil der Rückweg sich nicht lohnt“, sagt Peter Simm. Er möchte mehr Wertschätzung für seinen Beruf erreichen, indem er auf die verantwortungsvolle Aufgabe der Personenbeförderung hinweist. Zugleich betont er, dass die Verantwortungsträger auf den Betriebshöfen sehr bemüht sind, den Dienst so weit wie möglich nach den persönlichen Belangen der Mitarbeiter einzuteilen. Die Einstellung von mehr Personal hält auch er für zwingend notwendig. Denn: „Der ÖPNV ist nicht zum Nulltarif zu haben.“

Von Krischan Orth

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