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Teltow-Fläming 60 Jahre Klubhaus in der Autowerkerstadt
Lokales Teltow-Fläming 60 Jahre Klubhaus in der Autowerkerstadt
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01:16 28.04.2019
Zwei Tage lang Licht-an-Party im Juni 2014 nach drei Jahren Sanierung des denkmalgeschützten Klubhauses mit Markttreiben, Feuerwerk und Sommerfest Foto: Abromeit Quelle: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Neben Mauerfall und anderen großen und kleinen Jubiläen feiert die Autobauerstadt Ludwigsfelde dieses Jahr noch etwas: 60 Jahre Klubhaus. Und das ist auch überregional etwas besonderes. Denn nach dem Mauerfall 1989 trennten sich viele ostdeutsche Kommunen von Klub- oder Kulturhäusern; sie wurden verkauft und zu Bankfilialen oder Gewerberäumen. Nicht so in Ludwigsfelde.

Könnte die wichtigste Kulturstätte der Ludwigsfelder erzählen... Dann würde das denkmalgeschützte Haus wahrscheinlich am meisten froh sein, dass es auch nach 60 Jahren noch ein Klubhaus ist. Deshalb kann es neue Klubhaus-Geschichten geben.

In der damals kleinen Gemeinde wurde 1954 im gerade entstandenen Dichterviertel der erste Spatenstich gesetzt für ein Klubhaus. Schließlich sollte es kulturvoll zugehen in dem Arbeiterort. Später gehörte der Bau wie so vieles in Ludwigsfelde – seit 1965 Stadt – zum IFA-Kombinat.

Henry Maske boxte im Saal

Dort auf der Bühne, im großen Saal und im Seitenflügel, im Foyer oder im Vestibül wurden und werden bis heute Generationen von ABC-Schützen mit Einschulungsfeiern im Schülerleben begrüßt, dort werden bis heute Jugend(weihe)feiern zelebriert, Abiturienten treffen sich auf den Klubhaus-Stufen klassischerweise zum Abi-Foto.

Dort wurden und werden wieder Filme gezeigt, es werden mit Unterbrechungen Jahreswechsel gefeiert und Neujahrsempfänge gegeben, dort feiern Feuerwehr und Karnevalclub, dort tanzen Ballettensemble – ob einheimische oder aus aller Welt – und die Narren vom KC Blau-Weiß.

Viele Jahre standen dort Boxringe mitten im Saal, in denen sich einst auch der junge Henry Maske erste Sporen verdiente; dort gab es Radball-Vorführungen und -Wettkäpfe, dort war 1996 Prinz Charles Gast wegen seiner Architektur-Ambitionen bei einem Planungswochenende zu Gast.

„Tülütütü, der Dachstuhl brennt....“

Der damalige Polizeiwachenleiter Horst Schramm gehörte zu seinen Beschützern – er rettete den königlichen Kopf vor einem Gegenstand, den eine Frau geworfen hatte. Und Horst Schramm weiß noch, dass es bei einem Silvesterball eine Weile dauerte, bevor das feiernde Volk begriff, dass es im Dachstuhl wegen eines Böllers tatsächlich brannte und die Feuerwehr dringend nötig war. Legendär ist in Ludwigsfelde der Satz von wenigen Momenten zuvor: „Tülütütü, der Dachstuhl brennt....“

Zum Klubhaus Ludwigsfelde gehören Namen von einheimischen DJs und Entertainern wie Lesley Konietzky oder Jörg Hinz. Dort im großen Saal sangen Dagmar Frederic oder Fips Asmussen, Chris Norman, Mike Krüger oder The Abba-Tribute Show, es luden und laden das Ohnesorg-Theater Hamburg, das Amateurtheater Ludwigsfelde oder russische Staatsensemble zu Vorstellungen ein.

Wichtige politische Weichenstellungen

Anfang 1990 erfuhren die IFA-Leute aus dem volkseigenen Betrieb dort im Klubhaus von Kombinatschef Lothar Heinzmann, dass es für das Autowerk mit Mercedes weitergeht; dort trafen die Stadtverordneten zeitweilig wichtige Entscheidungen, dort gab und gibt es große Bürgerforen, Politiker treffen sich und das Wahlvolk; dort gab es in den 1990er Jahren Verkaufsveranstaltungen, damit das inzwischen kommunale Haus überleben konnte.

Dort wechseln heute bei Kinder- und Babybasaren Berge von Kleidung ihren Besitzer. In dem Haus hatten oder haben Fotografen, Keramiker, Schachfreunde oder Briefmarkensammler ihr Domizil, dort werden Bürgerpreise und Sportler-Ehrungen vergeben.

Gaststätten-Geschichten ohne Fortsetzung

Zu den sechs Jahrzehnten Klubhaus gehören auch die ungezählten privaten Geschichten, die zu fast jeder Ludwigsfelder Familie gehören, ob in Worten oder Bildern. Und es gehören die Gaststätten-Geschichten dazu, ob die aus der „Flamingo“-Bar mit der aufwendig restaurierten Flamingo-Säule oder die elf Gaststätten-Geschichten seit 1990. Sie alle endeten bisher und es gibt für sie vorerst auch keine folgende, denn die Stadtverordneten beschlossen lediglich, eine Kücheneinrichtung zu behalten.

Dieses Jahr wird gefeiert

Der ganze Reigen von 60 Jahren Klubhaus, das seit dem Mauerfall bis nach der dreijährigen Sanierung 2014 Kulturhaus hieß, soll in diesem Jahr in verschiedenen Formen noch einmal in Erinnerung gerufen werden. Auftakt ist am 22. Mai in der Flamingo-Bar ein Jazz-Abend, am nächsten Tag folgt eine After Work Party, für den 24. Mai ist ein kulinarischer Abend, für den 25. Mai ein Single-Abend angekündigt.

Es wird im Sommer in der Reihe „Willkommen im Klub“ einen Abend zum IFA-Werk und dem Klubhaus geben, ob ein geplantes buch erscheinen kann, ist im Moment fraglich, und natürlich wird zum eigentlichen Jubiläum im Oktober gefeiert: Am 7. Oktober 1959, dem 10. DDR-Geburtstag, bekam das Klubhaus den Namen „Arthur Ladwig“.

„Frau Klubhaus“ war 30 Jahre dabei

Zu den Klubhaus-Leitern gehören Edith Fischer und Wolfgang Eng; stadtbekannt sind die Schwestern und heutigen Buchhändlerinnen Hannelore Schmitz und Sabine Marx, die in verschiedenen Klubhaus-Funktionen wirkten. 30 Jahre leitete es Carla Karstädt, „Frau Klubhaus“ und Erfinderin der Veranstaltungsreihe „Kaffeeklatsch“, die sie bis heute konzipiert und moderiert.

Als Neunjährige stand sie erstmals auf der Klubhaus-Bühne. Als LDPD-Frau wurde sie 1988 zur Stadträtin für Kultur gewählt, in Rente ging sie 2008 als Regiebetriebsleiterin Kultur. Was das Klubhaus für sie ist? „Eine Begegnungs- und Kommunikationsstätte, in der ich in einer außergewöhnlichen Phase dank eines tollen Teams viel für die Ludwigsfelder organisieren durfte.“

 

Von Jutta Abromeit

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