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Teltow-Fläming Trauerfeier für Ehrenbürger und Wissenschaftler Horst Becke
Lokales Teltow-Fläming Trauerfeier für Ehrenbürger und Wissenschaftler Horst Becke
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01:16 17.06.2019
Requiem in der katholischen Kirche St. Pius X. in Ludwigsfelde für Medizinalrat Dr. Horst Becke, den 1930 geborenen Mediziner, Wissenschaftler, Bundesverdienstkreuzträger und einzigen Ehrenbürger der Stadt. Quelle: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Der Ludwigsfelder Medizinalrat Horst Becke war am 13. Mai trotz seiner 88 Jahre überraschend gestorben. Fünf Kinder, zehn Enkel und zwei Urenkel verloren mit ihm ihr Familienoberhaupt. Am Freitag nahmen sie mit einem öffentlichen Requiem in der katholischen Kirche St. Pius X. in Ludwigsfelde und einer Trauerfeier auf dem Friedhof Abschied von ihm.

Im Alter von 88 Jahren starb am 13. Mai der erste und bisher einzige Ehrenbürger von Ludwigsfelde. Die MAZ zeigt Bilder und Beiträge aus seinem Leben.

Die Deutsche Gesellschaft für Akupunktur und Neuraltherapie (DGfAN) verlor mit Horst Becke ihren vormaligen Präsidenten und jetzigen Ehrenpräsidenten, die Stadt Ludwigsfelde mit dem Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande ihren 1998 ernannten ersten und bisher einzigen Ehrenbürger. Rathauschef Andreas Igel und der Erste Beigeordnete Christian Großmann (beide SPD) erwiesen ihm die letzte Ehre.

Ost und West auf Augenhöhe

Horst Becke war in der DDR Vorkämpfer für Neuraltherapie und Akupunktur. Er hatte diese Sparten überhaupt erst salonfähig gemacht und nach dem Mauerfall dafür gesorgt, dass sich ost- und westdeutsche Kollegen in diesem Metier auf Augenhöhe begegneten.

Das Requiem, eine Messe für Verstorbene, begleitete Pater Anselm Schadow von der katholischen Josephskirche in Luckenwalde. Er steht der Familie nahe, mit ihm war Horst Becke befreundet, ihm hatte der Ludwigsfelder erst kürzlich seinen Lebenslauf geschickt. Pater Anselm sprach von den Händen des Mediziners; sie seien seine allererste Erinnerung an ihn. Es seien Hände eines behutsamen Arztes, die fühlen. Hände, die ein Segen gewesen seien für Menschen, denen er helfen konnte.

Zweite Familie: die DGfAN

Pater Anselm erinnerte an Horst Becke als Vater, dem in der Ehe mit seiner Frau fünf Kinder geschenkt wurden, die beide in ihren Händen hielten, bis sie ihr Leben selbst in die Hände nehmen konnten. Und daran, dass Horst Becke der medizinischen Fachwelt zwei Standardwerke zur Akupunktur und Neuraltherapie hinterließ. Nach dem Tod seiner Frau habe er sich seiner zweiten Familie, der DGfAN, wieder mehr zugewandt.

Mit 88 noch voller Pläne

Der Verstorbene sei noch voller Pläne gewesen, so der Luckenwalder Kirchenmann: „In der Weihnachtszeit hatte er sich eine Dostojewski-Ausgabe angeschafft, um seine Bildungslücken zu schließen, wie er sagte. Nicht vorstellbar, dass er diese Lücken hatte.“ Horst Becke sei ein eloquenter Vortragender und ein guter Erzähler gewesen.

An diese Qualitäten erinnert sich Gynäkologin Barbara Fritz ebenso. Auch sie nahm Abschied: Jahrzehnte hatte sie mit Chefarzt Becke im früheren Kreiskrankenhaus Zossen gearbeitet, wo er als Leiter der Geburtshilfe insgesamt mehr als 10.000 Kindern auf die Welt half. Noch vor wenigen Wochen, Anfang April, so Fritz, seien sie gemeinsam auf einem Akupunktur- und Neuraltherapie-Kongress in Erfurt gewesen. Dort war Becke keineswegs nur Gast; er hielt selbst noch Vorträge.

Später in der Kapelle zählte der Mediziner Siddartha Popat, Beckes Nachfolger als DGfAN-Präsident, einiges auf, was zu den Verdiensten des Ludwigsfelders in der Fachwelt gehörte. Und er sagte: „Er war ein richtig guter Doktor.“ Er habe genau gewusst, wann das Messer für eine OP anzusetzen war und wann die Nadel zur Akupunktur. „Das müssen wir lernen, und das werden wir hochhalten“, so der DGfAN-Präsident.

Unter den Argusaugen der Stasi

Er versuchte nachzuzeichnen, wie es gewesen sein muss, als Becke das medizinische Neuland unter den Argusaugen der Stasi betreten habe, sprach von Beckes Seminaren in der Mongolei und den Konferenzen in Moskau, von der Habilitation zur Neuraltherapie bei Schmerz-Behandlungen im Kreuz, der ersten wissenschaftlichen Arbeit überhaupt zu diesem Thema.

Und er sagte: „Seine Strahlkraft reicht weit über unsere eigene Gesellschaft, weit über die Gynäkologie hinaus.“ Das habe mit der Art des aufmerksamen Begegnens zu tun, die Horst Becke eigen war: „Er hörte sehr intensiv zu.“ Nach Kongressen habe er sich „unfassbar geduldig“ Zeit für jeden der teils 20 Wartenden genommen, so Popat. Bis weit hinein ins Rentenalter sei er in der Schmerztherapie aktiv gewesen.

Applaus in der Kapelle

Popat erzählte: Beim Antritt als DGfAN-Präsident habe er um eine Minute Applaus für seinen Vorgänger Horst Becke gebeten. Den hatte es damals gegeben, und den gab es auf Popats Bitte in der Friedhofskapelle von Ludwigsfelde: eine Minute Standing Ovations für die wissenschaftliche Leistung und menschliche Größe des Verstorbenen. Ob in der eigenen großen Familie, unter Kollegen im Beruf, in der Medizin überhaupt, in der Forschung oder in Chirurgie: „Er hat es irgendwie geschafft, uns seine Liebe spüren zu lassen. Ich verneige mich vor ihm.“

Von Jutta Abromeit

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