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Ludwigsfelde Mehr als 200 Jahre Musikerfahrung
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00:17 07.08.2018
Die Mitglieder der Band "Rostfrei" kommen aus Ludwigsfelde, Blankenfelde-Mahlow, Rangsdorf und Berlin. Quelle: Christian Zielke
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Ludwigsfelde

Wer glaubt, Rock ’n’ Roll sei nur etwas für unter 30-Jährige, hat Mick Jagger nicht vor ein paar Wochen im Berliner Olympiastadion über die Bühne wirbeln sehen. Verglichen mit den Rolling Stones sind die Mitglieder der Band „Rostfrei“ echte Jungspunde.

Friedemann Dewerzeny (Gesang und Keyboard) und Rainer Rostock (Bassgitarre) sind mit 66 die ältesten – und damit immer noch fünf Jahre jünger als der Jüngste bei den Stones. Uwe Zimmer (62) ist für die Gitarre zuständig, Gerd Neumann (63) gibt am Schlagzeug den Rhythmus vor. Gitarrist Reinhard Thiel ist mit 58 der Jüngste in der Runde. Er ist der einzige, der in den wilden Anfangsjahren der Band nicht dabei war.

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Früher traten sie als INL-73 auf

Die anderen kennen sich schon seit den 70er Jahren. INL-73 hieß ihre Band. INL stand für das Instandsetzungswerk Ludwigsfelde, 73 für das Gründungsjahr. Friedemann Dewerzeny spielte damals in einer Band, die sich „Gruppe Mobil“ nannte. Nach einer langen Arbeitswoche trafen sie sich am Wochenende in den Kneipen und Tanzsälen der Region. Es war die Zeit, in der es noch in fast jedem Dorf ein Gasthaus mit einem Tanzsaal gab.

Die Musik kam häufig nicht aus der Konserve sondern live von der Bühne. Vor dem Auftritt stand damals eine staatliche Kommission, die auf die künstlerische Qualität achtete. Nur wer die Einstufung bestand, bekam eine der begehrten Spielerlaubnisse. Wer die hatte, brauchte vor allem Mundpropaganda. „Meistens lief es so ab“, erinnert sich Friedemann Dewerzeny, „ein Kneiper ist zum anderen gegangen und hat gesagt: Die sind gut, die kannste nehmen.“ Für Musiker und Gastwirte sei das ganze gleichermaßen ein gutes Geschäft gewesen. In Spitzenzeiten stand die Band acht bis neun Mal im Monat auf der Bühne.

In fast jeden Saal der Region haben sie gespielt

Es gibt fast keinen Saal im ehemaligen Kreis Zossen, den INL-73 nicht bespielt haben. Der Lindengarten in Dabendorf, das Klubhaus in Ludwigsfelde, der Flora-Park in Mahlow, das Seebad-Casino in Rangsdorf – fast alle der alten Wirkungsstätten, die Rainer Rostock aufzählt, sind mittlerweile Geschichte. „Früher haben wir Tanzmusik gemacht“, sagt er, „da war vieles dabei, was wir nicht mochten. Heute spielen wir nur noch, worauf wir Lust haben.“

Seit einigen Monaten treffen sich die Musiker von damals wieder regelmäßig im Probenraum in Ludwigsfelde. Bis auf Reinhard Thiel ist keiner mehr beruflich eingespannt. Ein Ruhestand auf dem Sofa vor dem Fernseher sollte es aber auch nicht sein. Friedemann Dewerzeny kam irgendwann auf die Idee, die alten Kontakte zu reaktivieren. Auch wenn es nach dem Mauerfall mit der gemeinsamen „Mucke“ vorbei war – ganz aus den Augen verloren haben sie sich nie.

Die Vorteile des Rentner-Daseins

„Nach der Wende waren gute deutsche Texte nicht mehr gefragt“, sagt Reinhard Thiel. Viele frühere DDR-Musiker hängten die Instrumente an den Nagel. Die Herren von „Rostfrei“ arbeiteten als Unternehmer Lehrer oder Tonmeister.

„Man hat den Kopf frei und nicht den Leistungsdruck“, beschreibt Uwe Zimmer den Vorteil des Musiker-Lebens im Rentenalter. An gute Instrumente zu kommen, sei längst nicht mehr so schwierig. „Die meisten Instrumente im Osten waren Schrott“, sagt Rainer Rostock. Wer etwas brauchbares wollte, musste viel Geld auf dem Schwarzmarkt ausgeben.

Rostfrei sucht Auftrittsmöglichkeiten

Die Herren wollen es noch mal wissen. Mit ihrem Bandnamen „Rostfrei“ zeigen sie, dass sie lange nicht zum alten Eisen gehören. Im Gegenteil. „Wir bieten mehr als 200 Jahre Musikerfahrung“, sagt Friedemann Dewerzeny. Diese Erfahrung wollen sie auf der Bühne zeigen. Rock-Musik aus den 60er Jahren bis heute haben sie im Repertoire. „Wir haben genug Songs, um einen ganzen Abend zu füllen“, sagt Uwe Zimmer. Alles wie früher.

Kontakt: www.rostfrei-rock.de

Von Christian Zielke