Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ludwigsfelde Evangelisches Jugendwerk TF löst sich auf
Lokales Teltow-Fläming Ludwigsfelde Evangelisches Jugendwerk TF löst sich auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:25 19.05.2019
Neun Jugendliche lernen derzeit an der Produktionsschule in Ludwigsfelde. Quelle: Marina Ujlaki
Ludwigsfelde

Es könnte das Aus für die Produktionsschule in Ludwigsfelde und mehrere Jugendeinrichtungen in Trebbin sein: Das Evangelische Jugendwerk Teltow-Fläming (EJW) wird aufgelöst. Das bestätigte das Berliner Diakoniewerk Simeon, die EJW-Muttergesellschaft, am Donnerstag auf MAZ-Nachfrage.

Auch Teltow-Flämings Jugendamtsleiter, Falko Lachmann, erklärte: „Der Träger will sein Angebot beenden.“ Die Kündigung sei vor mehreren Wochen in der Kreisverwaltung eingegangen.

Wie geht es weiter mit der Produktionsschule?

Neun Jugendliche lernen derzeit an der Ludwigsfelder Produktionsschule. Das Angebot ist Teil der Jugendberufshilfe in Teltow-Fläming. 15- bis 27-Jährigen, die sozial benachteiligt oder individuell beeinträchtigt sind, soll damit der Einstieg ins Berufs- und Arbeitsleben vereinfacht werden.

Auch eine Lehrküche gehört zur Produktionsschule. Quelle: Melanie Breitkopf

Das Diakoniewerk beteuert, die Produktionsschule nicht grundsätzlich aufgeben zu wollen. „Alle unsere Projekte in Teltow-Fläming wollen wir in vertrauensvolle Hände übergeben“, sagte die Leiterin des Fachbereichs Jugend- und Familienhilfe, Sigrid Jordan-Nimsch.

Noch sei unklar, ob die Produktionsschule zum 30. Juni oder erst später abgegeben werden könne. Das EJW ist außerdem Träger der Trebbiner Jugendclubs und eines Heimes für Flüchtlingswaisen.

„Es gibt mehrere Bewerber“

Gemeinsam mit dem Brandenburgischen Ministerium und dem Landkreis Teltow-Fläming werden nun neue Träger für alle Projekte gesucht. „Wir befinden uns bereits in Gesprächen“, sagte Jordan-Nimsch, „es gibt mehrere Bewerber.“

In Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Produktionsschulen in Brandenburg soll es eine Art inoffizielles Interessenbekundungsverfahren gegeben haben. In der Kreisverwaltung ist man derweil noch vorsichtig: „Wir prüfen jetzt, ob die Angebote realistisch sind, wie der Bedarf vor Ort ist und wie wir ihn künftig befriedigen können“, erklärte der Jugendamtsleiter.

In der Holzwerkstatt lernen die Jugendlichen bei Werkpädagoge Eckhard Bayer (rechts). Quelle: Marina Ujlaki

Grund für die Auflösung des gemeinnützigen Unternehmens sind die Finanzen, bestätigt Sigrid Jordan-Nimsch. „Die Projekte sind nicht ausfinanziert“, sagte sie. Das Angebot zur Jugendberufshilfe beispielsweise lebt maßgeblich von Fördermitteln.

Über Umzug wurde lange spekuliert

Ursache der massiven Finanzprobleme ist offenbar die Miete am Standort in der Straße der Jugend in Ludwigsfelde. Schon seit mehreren Monaten wird über einen Umzug spekuliert.

Noch im März war die Kreisverwaltung davon ausgegangen, dass es ab Mai lediglich „räumliche Veränderungen“ geben würde. Die Verhandlungen zur Nutzung neuer Immobilien führten offenbar aber nicht zum gewünschten Erfolg.

Nachfrage an der Produktionsschule zu gering

Dass sich der Betrieb der Produktionsschule in Ludwigsfelde nicht lohnt, könnte aber noch weitere Gründe haben. Schon lange Stand zur Debatte, ob das Gelände im Norden der Industriestadt der passende Standort ist. Jugendamtsleiter Falko Lachmann schließt das jedenfalls nicht aus.

Lange Fahrtwege der Jugendlichen könnten ein Grund für die geringe Nachfrage sein. „Vom Ministerium sind an der Produktionsschule 24 Plätze zugeteilt, die gefördert werden könnten“, sagte er, „diese Zahl wurde aber nie erreicht.“

Die Geschichte des EJW:

Einen unangenehmen Beigeschmack hat die Produktionsschule in Ludwigsfelde schon seit ihrer Gründung. Ria von Schrötter (SPD) hatte das EJW 2006 als Jugendtischlerei gegründet. Ähnliche Projekte hatte die Kreistagsabgeordnete, die bereits seit 1997 für das Diakonische Werk arbeitete, auch in Berlin geleitet und daraufhin in ihrer Heimat selbst als eigenständiges Angebot installiert. Die Produktionsschule war jedoch immer auf Zuschüsse vom Landkreis angewiesen.

Ria von Schrötter (SPD) gründete das EJW im Jahr 2006, damals noch als Jugendtischlerei. Quelle: Hartmut F. Reck

In die Schlagzeilen gerieten Schrötter und die Produktionsschule wegen der Straftaten ihres Ehemannes und Ex-Landrates Peer Giesecke (SPD). Der hatte Mittel des Kreises veruntreut, unter anderen um Produktionsschülern in Ludwigsfelde Sportbekleidung zu kaufen. Schrötter hat das EJW im Frühjahr 2018 verlassen und ist heute Fachbereichsleiterin im Rathaus Königs Wusterhausen.

Seitdem wurde nicht nur der Sitz der gemeinnützigen Gesellschaft nach Berlin verlegt. Inzwischen wird das Evangelische Jugendwerk Teltow-Fläming auch von einer Berliner Geschäftsführung geleitet. „99 Prozent unserer Projekte sind in Berlin“, bestätigt Sigrid Jordan-Nimsch.

Im Februar 2018 verabschiedete sich Gründerin Ria von Schrötter aus der Produktionsschule. Quelle: Jutta Abromeit

Beim Landkreis will man sich zu den Spekulationen, Schrötters Weggang würde mit der Schließung der Produktionsschule zusammenhängen, nicht äußern. Nur so viel: „Dieses Gesamtkonstrukt wird von mehreren Säulen getragen“, so Lachmann, „wenn eine davon nicht mehr richtig greift, fängt alles an zu wackeln.“

Von Victoria Barnack

Nahe des Kreisverkehrs an der Parkallee entdeckten Fußgänger mehrere Pakete, die im Graben und im Gebüsch lagen. Offenbar hatte jemand sie geöffnet – Waren lagen verteilt herum.

16.05.2019

Ab Montag, dem 20. Mai, fahren zwischen Ludwigsfelde und Berlin-Südkreuz keine Züge. Grund der Sperrung sind Bauarbeiten. Das sorgt für erhebliche Beeinträchtigungen beim Regional- und Fernverkehr. Dies dürfte sich auch auf den Straßenverkehr auswirken.

20.05.2019

Präsenz im Ort versus großes Wahlprogramm: Beim Buhlen um die Gunst der Wähler in Teltow-Fläming setzen große Parteien und kleine Kandidatenlisten auf unterschiedliche Strategien. Die MAZ möchte außerdem wissen, was für Sie das wichtigste kommunalpolitische Thema ist – machen Sie mit bei unserer großen Umfrage!

19.05.2019